{"id":3098,"date":"2019-03-31T12:47:57","date_gmt":"2019-03-31T10:47:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3098"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-13-2019-ludwig-tick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3098","title":{"rendered":"Kolumne KW 13 2019 &#8222;Ludwig Tieck&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ludwig Tieck<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser \u00abK\u00f6nig der Romantik\u00bb lebte von 1773 bis 1853 und wurde, hochber\u00fchmt, in hohem Alter aus dem s\u00e4chsischen Dresden von Wilhelm IV. wieder nach Berlin, seiner Geburtsstadt geholt. Der Altmeister Goethe sah in der Romantik eine \u00abLazarettpoesie\u00bb und war doch vielleicht einer der wenigen Etablierten, die der Romatik noch eigenes Interesse abgewinnen konnten. Es sei daran erinnert, dass die Romantiker sich nach mittelalterlichen Verh\u00e4ltnissen zur\u00fccksehnten, die Aufkl\u00e4rung sowohl als die Reformation ablehnten, weshalb dann auch manche der Exponenten zum Katholizismus \u00fcbertraten.<\/p>\n<p>\nIn einem waren sie sich aber mit der Klassik einig, in der Verehrung Shakespeares, dem \u00abSch\u00fcttelspeer\u00bb, der die Dramatik auf eine h\u00f6here Stufe gehoben hatte. Freilich vermissen wir von diesem eine \u00abMaria Stuart\u00bb, zu nahe war ihm die Macht von deren Gegenspielerin Elisabeth. Von dieser Seite wehte ihm wenig Wind entgegen, aber von Seiten der Puritaner schon, die zwar in England verfolgt wurden und viele von ihnen nach Amerika auswandern mussten, aber deren moralische und religi\u00f6se Rigorosit\u00e4t schon einen Stachel bilden konnten, der noch heute Aktualit\u00e4t besitzt. Die Frage ist, ob ein Zeitvertreib und blo\u00dfe Unterhaltung ihre Berechtigung haben. Nat\u00fcrlich war Theater damals vorz\u00fcglich ein solcher Zeitvertreib, sowohl f\u00fcr die Masse als auch f\u00fcr m\u00fc\u00dfigg\u00e4ngerische Adlige. Man kann sich heute fragen, wo doch fast alle ein bisschen M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger sind, ob dieses Problem nicht mal wieder aufgeworfen geh\u00f6rt, auch wenn man sich heute kaum noch vorstellen kann, dass dies in einem religi\u00f6sen Gewande geschehen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>\nDie Dialoge in Tiecks Shakespeare Novellen sind ausgefeilt und von kaum glaubhaftem Schliff, aber es werden weitere Fragen aufgeworfen, die heute noch von Relevanz sind. Ob n\u00e4mlich die Wissenschaft noch das rechtfertigt, was man ihr als Mantel umlegt, dass sie fast als Religionsersatz und allerstrebenswer\u00adtestes Ziel gilt. Wie also der Zeitvertreib infrage steht, so auch heute wieder die Wissenschaft, an der sich viel zu viele versuchen, ohne dass Ad\u00e4quates zu erwarten w\u00e4re. Will man sich wirklich unterhalten, so ist das nicht mehr in dem Sinne m\u00f6glich, wie es von Tieck dargestellt wird, das Erhebende, einen legitimen Zeitvertreib findet man nur noch in B\u00fcchern wie diesem. Wie fade w\u00fcrden wir mit unseren Politisie\u00adrereien und Klagen auf hohem Niveau einem Menschen von damals erscheinen. Wo findet man noch den Freund, mit dem man solches Leid teilen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 24.3.2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Tieck&nbsp; Dieser \u00abK\u00f6nig der Romantik\u00bb lebte von 1773 bis 1853 und wurde, hochber\u00fchmt, in hohem Alter aus dem s\u00e4chsischen Dresden von Wilhelm IV. wieder nach Berlin, seiner Geburtsstadt geholt. 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