{"id":3067,"date":"2019-02-10T13:50:47","date_gmt":"2019-02-10T11:50:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3067"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-06-2019-jena-1800","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3067","title":{"rendered":"Kolumne KW 06 2019 &#8222;Jena 1800&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jena 1800<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses erstaunliche Buch eines jungen Mannes, der wohl gerade mal 32 ist, Peter Neumann, findet sich jetzt in allen niveauvolleren Buchhandlungen und handelt von der Zeit der Fr\u00fchromantik, ohne diesen Begriff eigentlich zu benennen. Schiller und Goethe mal als Randfiguren und im Zentrum die Gebr\u00fcder Schlegel, Novalis, Tieck, Schelling, Hegel und auch der Physiker Johann Wilhelm Ritter bleibt nicht unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<p><!--more-->Das schillert nur so von Anekdoten und die Figuren stehen f\u00fcr einen Moment wie lebendig vor einem, als h\u00e4tte sie ein Zeitgenosse beschrieben. Man kann diese Zeit auch so einordnen, dass die Papierproduktion auf Zellulose erfunden worden war, das Papier nicht mehr nur ein Wertgegenstand sondern Gebrauchswert wurde, auf dem man alle Befindlichkeiten verzeichnen konnte, und diese Cr\u00e8me de la Cr\u00e8me hat auch weidlich Gebrauch gemacht davon, sodass man heute Kassiber die Masse, Briefe und Zeitschriften hat, die man damals mit gro\u00dfen Hoffnungen gr\u00fcndete und die ebenso schnell wieder verschwunden waren.<\/p>\n<p>\nDie damalige Jahrhundertwende hat nicht wenig dazu beigetragen, dass man sich an einem Wendepunkt der Geschichte befindlich gef\u00fchlt hat. Die Welt sollte poetisiert werden, ein Impuls, der bis heute anh\u00e4lt, man aber nicht mehr die Hoffnung hat, damit etwas Entscheidendes zu bewegen. Damals sah man nichts Geringeres als ein neues Goldenes Zeitalter heraufziehen. Das Schisma der Kirchen sollte beseitigt werden und sich ganz Europa friedlich und christlich vereinigen.<\/p>\n<p>\nViele der kleinen Entdeckungen, die ich selbst mit dieser Zeit gemacht habe, finden sich leicht hingeschrieben in diesem Buch wieder. Man muss sich keine gro\u00dfe M\u00fche mehr geben, sich durch die unterschiedlichen Lebensbeschreibungen zu w\u00fchlen, aber der Tiefgang muss auf diese Weise wohl auch verloren gehen. Auf jeden Fall kann es nur erstaunen, wie sich so ein junger Mann durch all diese Details gearbeitet hat und einem ein solches Buch aus einem Guss pr\u00e4sentieren kann. Das gibt zu Hoffnungen Anlass, dass bei der jungen Generation doch nicht alles verloren ist. Sollte er bei dieser Sache bleiben, wird sich mit der Zeit vielleicht auch noch mehr Tiefgang einstellen und man k\u00f6nnte versucht sein, mitzuforschen, zu symphilosophieren. Die Fr\u00fchromantiker hinterlie\u00dfen viel Fragmentarisches, aber machten auch das Unfertige, das Unsystematische zur Maxime, sie wollten die ganze Sache eben lebendig erhalten, was ihnen ja auch gelungen ist.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 10.2.2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jena 1800&nbsp; Dieses erstaunliche Buch eines jungen Mannes, der wohl gerade mal 32 ist, Peter Neumann, findet sich jetzt in allen niveauvolleren Buchhandlungen und handelt von der Zeit der Fr\u00fchromantik, ohne diesen Begriff eigentlich zu benennen. 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