{"id":3013,"date":"2018-11-18T12:44:25","date_gmt":"2018-11-18T10:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3013"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-46-2018-fehlentscheidungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3013","title":{"rendered":"Kolumne KW 46 2018 &#8222;Fehlentscheidungen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fehlentscheidungen<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Man steht sich oft selber im Weg, wenn man dann doch ein Intellektueller ist und sich sein Bild von der Welt macht, insbesondere von den Menschen um einen selbst. Meine Tochter hatte wahrscheinlich mit Recht erwartet, dass ich um sie k\u00e4mpfen w\u00fcrde, mit all den zweifelhaften Mitteln, die mir zu Gebote stehen. Ich habe das erst dadurch erfahren, dass ich nachgegeben habe, eingelenkt, ihren W\u00fcnschen entsprochen, von dem sich nun offenbar f\u00fcr sie selbst herausgestellt hat, dass es gar nicht ihr innerster Wunsch war, sondern sie erneut als Kind gewonnen sein wollte. Dass das nun nicht mehr zu \u00e4ndern ist, kann man nicht einfach seinem Erfahrungsschatz zuschlagen, sondern es liegt schwer auf der Seele. Ich habe einige Zeit gebraucht, um ihre ausbleibende Reaktion zu verstehen und sie lie\u00df mir gen\u00fcgend Zeit dazu. \u2013 Man ist auch das Kind seiner Kinder.<\/p>\n<p><!--more-->Nun steht wieder eine Entscheidung an und liegt es da nicht nahe, dass auch das eine Fehlentscheidung werden wird? Ich befinde mich ja wohl doch in einem kleinen sozialen Netz, das aus Geschwistern, Kindern und Freunden besteht, wobei letztere ja recht rar sind. Indem ich nun diese Buchstaben ins Netz stelle, das mir ja auch keine Antworten gibt, bin ich da noch einsamer als im wirklichen Leben.<\/p>\n<p>\nIch habe ja eine kleine Entdeckung gemacht, dass das Dienen einen sehr wichtigen Aspekt im Leben ausmacht, aber auch das ist nicht so einfach, wie es erscheinen mag. Man ist ja nicht einfach der Depp, der allen \u00e4u\u00dferen Dr\u00fccken nachgibt, daf\u00fcr hat man ja seinen Verstand, der einem mehr Fallen stellt als dass er nutzen w\u00fcrde. Es hat auch etwas von ewiger Jugend, die ja f\u00fcr viele so w\u00fcnschenswert ist und die sie versuchen herbeizutrainieren oder sich durch verschiedenste Verzichte ihr nahezubringen.<\/p>\n<p>\nDiese ewige Jugend wandelt mich gerade an, obwohl ich doch gar nicht danach strebte und vielmehr mich aufs beschauliche Altenteil zur\u00fcckziehen wollte. Wieder so eine Paradoxie, die in meinen Leben scheinbar Urst\u00e4nde treiben. Diese Anwandlung ist aber nicht erreicht, weil ich es herausgefordert h\u00e4tte, sondern weil ich mitten im unn\u00f6tigen Treppewischen in meinem Haus in angenehmster Weise an meine Fehler gemahnt wurde, wie man sie eben nur macht, wenn man jung und unerfahren ist. Sollte man das nun begr\u00fc\u00dfen oder weiter nach der W\u00fcrde des Alters streben, die meinen fast 66 Jahren angemessen w\u00e4re?<\/p>\n<p>\nNie h\u00e4tte ich gedacht, dass man in meinem Alter von solchen Problemen heimgesucht werden k\u00f6nnte, dass man sich so verkalkuliert. Diese Jugendpartikel klappern wie Waln\u00fcsse im sackartigen Leib und ab und zu geht dabei eine auf und ist taub. Wie viele davon wird man in ein anderes Leben mit hin\u00fcbernehmen oder scheinen einen nicht zu verlassen?<\/p>\n<p>\nR\u00fcckblickend erscheint mir meine Lebensbahn eine nicht sehr sorgf\u00e4ltig geeggte W\u00fcste und der rettende Regen, der das eine oder andere Bl\u00fcmchen zutage bringen k\u00f6nnte, kann meine Sache nicht mehr sein.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 18.11.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fehlentscheidungen&nbsp; Man steht sich oft selber im Weg, wenn man dann doch ein Intellektueller ist und sich sein Bild von der Welt macht, insbesondere von den Menschen um einen selbst. 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