{"id":2999,"date":"2018-10-21T10:53:07","date_gmt":"2018-10-21T08:53:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2999"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-42-2018-brief-ins-nirvana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2999","title":{"rendered":"Kolumne KW 42 2018 &#8222;Brief ins Nirvana&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Brief ins Nirwana<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Lieber Olaf,<br \/>\ndas Schreiben ist ein spr\u00f6des Gesch\u00e4ft und aus der Mode noch dazu. Wie sehr das Lesen auch schon aus der Mode ist, wei\u00df ich nicht so genau. Man konnte sich das bei mir mal kaufen, als ich den Gedichtladen noch hatte, aber jetzt ist diese Seite als langer Monolog ausgelegt, der allerdings von jedermann zu lesen ist, der dann wieder schreiben k\u00f6nnte, aber dazu fehlen manchmal die Worte.<\/p>\n<p>\nNicht dass ich Worte, geschriebene, \u00fcberbewerten m\u00f6chte, aber sind sie nicht auch Teil einer Kultur, der wir uns verpflichtet f\u00fchlen sollten, selbst wenn wir sie eben glauben nicht erzeugen zu k\u00f6nnen? Man hat noch seine Freir\u00e4ume, man kann auch ohne zu schreiben sich eine Meinung bilden. Man kann sie auch im engsten Kreise heranbilden, ohne dass derjenige, um den es geht, je etwas davon erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>\nMan kann sich aber auch in dieses Schweigen gut hineindenken, das ist manchmal beeindruckender als laute Beschimpfungen und man kann, was fast immer richtig ist, das Beste vom anderen annehmen.<\/p>\n<p>\nDir wurde etwas in die Wiege gelegt, was bei weniger Abgekl\u00e4rten richtigen Neid hervorrufen k\u00f6nnte, bei mir ist es ungeteilte Bewunderung. Du bist den meisten Menschen angenehm, erlebtest die gro\u00dfe Liebe und kannst das alles ausbauen und mehren bis zu h\u00f6heren Weihen.<\/p>\n<p>\nBei den Festen der Stille hast Du uns die T\u00fcren der Wohlhabenden ge\u00f6ffnet, die sonst sich gern im Hintergrund halten, Deine Leute haben das Babajaga\u2013Haus, solange es genutzt wurde, her\u00fcbergefahren, Dein Gottfried half, soviel n\u00f6tig war, Du hast uns mit Hauptpreisen f\u00fcr die Tombola ausgeholfen, wie es in Deinen M\u00f6glichkeiten stand und wenn es mal geschneit hatte, warst Du Dir nicht zu schade, Dich auf den kleinen Trecker zu setzen und den Festplatz freizuschieben. Ohne Deinen H\u00e4nger h\u00e4tten wir all die Sachen gar nicht transportieren k\u00f6nnen. Das ist alles gut aufgehoben in unserem Ged\u00e4chtnis und zudem bist Du ja noch eine F\u00fchrernatur, der auch andere zu Leistungen anspornen kann.<\/p>\n<p>\nDas alles ist auf der Habenseite, aber ebenso wichtig ist das Sein. Dieses Sein kann ich allerdings wenig beurteilen, weil ich ja gemieden werde und indem Du den letzten Brief nicht beantwortetest, scheinst Du Dich vollkommen auf Dein gewinnendes Wesen bei unserem bevorstehenden Gespr\u00e4ch zu verlassen, auf das man wirklich gespannt sein kann und das f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sicher weniger geeignet ist, die ja sowohl aus wohlmeinenden Zeitgenossen als auch aus noch weniger entwickelten bestehen kann.<\/p>\n<p>\nDa gibt es eben noch einen kleinen Unterschied zwischen uns. Ich bewege manchmal Dinge \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Zeitr\u00e4ume, um sie dann aufzuschreiben, Du offenbar auch (es sind ja nun 23 Jahre seit einem Einschnitt), aber Du bedenkst sie, um sie dann auszusprechen, was vielleicht auch viel nat\u00fcrlicher und wirksamer ist.<\/p>\n<p>\nNur dass wir in diesem Fall doch etwas aufschreiben m\u00fcssen oder lassen es andere machen, denen es allerdings bei aller Kenntnis vergleichbarer F\u00e4lle schwerfallen wird, etwas Vern\u00fcnftiges zustande zu bringen. Das Recht dr\u00e4ngt nun mal zur Schriftform, in der ich nun ein bisschen mehr zu Hause bin. Gern kann man sich da \u00fcber Entw\u00fcrfe auch diskursweise austauschen.<\/p>\n<p>\nMeiner Wertsch\u00e4tzung tut das aber keinen Abbruch und daher sei dieser versichert.<\/p>\n<p>Mit guten Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p><em>Christian Rempel in Zeuthen, den 21.10.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brief ins Nirwana&nbsp; Lieber Olaf, das Schreiben ist ein spr\u00f6des Gesch\u00e4ft und aus der Mode noch dazu. Wie sehr das Lesen auch schon aus der Mode ist, wei\u00df ich nicht so genau. 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