{"id":2983,"date":"2018-10-07T11:13:58","date_gmt":"2018-10-07T09:13:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2983"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"utopisches-rentnerdasein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2983","title":{"rendered":"Utopisches Rentnerdasein"},"content":{"rendered":"<p><strong>Utopisches Rentnerdasein<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Mich st\u00f6rt es gar nicht, dass meine Rente wohl niedriger ist, als ich sie im Westen zu erwarten h\u00e4tte. Wenn man auf sein Lebenswerk zur\u00fcckblickt, so hat man wohl an etwas gearbeitet, was dem jetzigen Br\u00f6tchengeber wenig eingebracht hat, wie man \u00fcberhaupt zu der Meinung kommen kann, dass die meisten Besch\u00e4ftigungen \u00fcberhaupt wenig zu dem beigetragen haben, was man heute noch zu Geld machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><!--more-->Wodurch man es sich verdient haben k\u00f6nnte, dass eine Pflegekraft einem vielleicht in absehbarer Zeit den L\u00f6ffel zu Munde f\u00fchrt, die nur recht und schlecht bezahlt ist, konnte man sich wohl zu allen Zeiten schon fragen. Man hat ein paar Kinder in die Welt gesetzt und Geld f\u00fcr sich und sie verdient. Fr\u00fcher war da idealer Weise noch ein bisschen Weisheit, die einem die Duldung noch f\u00fcr ein paar tatenlose Jahre eingebracht hat. Man hatte seine Freude an den Alten, die zwar so ihre Grillen hatten und manchmal nicht von ihrer F\u00fchrungsposition lassen konnten, selbst wenn sie dann wunderlich wurden, war das den J\u00fcngeren eine Folie, was sie es dann selbst mal betreffen w\u00fcrde, wenn sie dann in die Jahre gekommen.<\/p>\n<p>\nArbeiten, die wir Alten \u00fcbernehmen k\u00f6nnten, gibt es ja nicht mehr viele. Das Staubsaugen und Rasenm\u00e4hen \u00fcbernehmen jetzt schon Roboter, das Essen kann man sich fertig kaufen oder in eine Gastst\u00e4tte gehen und mit der Weisheit sieht es auch nicht mehr so gut aus, weil die Zeit auch nicht danach ist, dass man mit Weisheit viel w\u00fcrde ausrichten k\u00f6nnen. Es bleibt also das simple Dasein, und das Leben ist auch auf gewisse Art nichtssagend geworden.<\/p>\n<p>\nWir haben heute nicht mehr die packenden Geschichten, der Krieg mit seinen Uns\u00e4glichkeiten hat uns nicht ereilt und die paar Lieder, die wir noch kennen, mag keiner mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\nVielleicht k\u00f6nnen wir die Welt unseren Kindern noch ein bisschen interessant machen, die uns bald eingeholt haben und selbst schon im reifen Alter. Wir haben ihnen ja auch vorzumachen, wie zu sterben ist, und das ist ja eine schwierige Aufgabe, auf die man einige Energie verwenden muss. Auf jeden Fall wollen wir ihnen keinen Wahn von ewiger Jugend vorleben. Also denn man tau.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 2.10.2018<\/em><\/p>\n<p>\n<strong>Utopia<\/strong><\/p>\n<p>\nUtopia \u2013 erster Tag<br \/>\nSchiff zum Weltenrand,<br \/>\nSeeschlange bade!<br \/>\nUtopia noch unerkannt.<br \/>\nWo sind nur Deine Gestade?<br \/>\nDas GPS spinnt!<br \/>\nDas ist der Rand der Welt.<br \/>\nNovalis hier beginnt,<br \/>\nallein auf sich gestellt.<br \/>\nDu bist \u2013 ich glaub es \u2013 Utopia<br \/>\nUtopia \u2013 zweiter Tag<br \/>\nDie Einfahrt verrifft,<br \/>\ndie Jugend, wie schade:<br \/>\nversoffen, bekifft,<br \/>\nund die Alten malade.<br \/>\nWerbebanner f\u00fcr alles,<br \/>\nDudelradio und TV.<br \/>\nBild eines Augiasstalles,<br \/>\nGeilheit auf alles was frau.<br \/>\nIst nicht \u2013 nun glaub mir \u2013 Utopia<br \/>\nUtopia \u2013 dritter Tag<br \/>\nDie Jugend wehrhaft,<br \/>\ndie Kassen gef\u00fcllt,<br \/>\nalle in traute Stille geh\u00fcllt.<br \/>\ntechnisch in Meisterschaft.<br \/>\nEin jeder in Arbeit,<br \/>\nso er nicht befreit.<br \/>\nF\u00fcr alles ist Zeit,<br \/>\nbis zur Unendlichkeit.<br \/>\nDu bist \u2013 ich glaub es \u2013 Utopia<br \/>\nUtopia \u2013 vierter Tag<br \/>\nHoffart als wahre Natur,<br \/>\nBitten zu Tode geschwiegen.<br \/>\nFreiheit ist`s pur,<br \/>\nwenn bei Huren sie liegen.<br \/>\nWahl gibt es alle paar Jahr,<br \/>\ndass nichts anbrennt:<br \/>\n\u201eW\u00e4hlt, was ihr nie erkennt!\u201c<br \/>\nMitgef\u00fchl nur gegen bar.<br \/>\nIst nicht \u2013 glaub ja nicht \u2013Utopia<br \/>\nUtopia \u2013 heute<br \/>\nDes weisen Hauptes Krone,<br \/>\nZierrat wem Zierrat geb\u00fchrt,<br \/>\ndie K\u00f6nigin nicht ohne,<br \/>\ndas Schloss gut aufgef\u00fchrt.<br \/>\nUnd wie ich mich verneige,<br \/>\nkehr ich vor\u2019m eignen Haus,<br \/>\ndas GPS ist aus,<br \/>\nin Sph\u00e4ren schon eine Geige!<br \/>\nDas ist \u2013 so glaub nur \u2013 Utopia<\/p>\n<p>\n<em>C.R. www.gedichtladen.de 2011<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Utopisches Rentnerdasein&nbsp; Mich st\u00f6rt es gar nicht, dass meine Rente wohl niedriger ist, als ich sie im Westen zu erwarten h\u00e4tte. 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