{"id":2950,"date":"2018-07-30T05:09:54","date_gmt":"2018-07-30T03:09:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2950"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-30-2018-paulo-coelho","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2950","title":{"rendered":"Kolumne KW 30 2018 &#8222;Paulo Coelho&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Paulo Coelho<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser nunmehr 71j\u00e4hrige brasilianische Schriftsteller hat wohl ein besonderes Geheimnis, die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zu ziehen. Jedenfalls ist er einer der meistgelesenen. Seltsamerweise bleibt nach der Lekt\u00fcre kein richtiger Inhalt haften, sondern nur das Gef\u00fchl des Lesevergn\u00fcgens, das man empfunden hat.<\/p>\n<p><!--more-->Jetzt, in diesen Sommermonaten etwas von ihm zu empfehlen, ist insofern geeignet, weil das doch die Zeit der sog. Strandkorb\u00adliteratur ist, also nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig strapazi\u00f6s und unterhaltsam. Dennoch ist es keine billige Unterhaltung, die er zu bieten hat, denn kaum einer kann sich so in seine Figuren einf\u00fchlen und diese haben auch etwas zu sagen. Sie haben Tr\u00e4ume und setzen sich Situationen aus, die manchmal existenziell sind.<\/p>\n<p>\nIn seinem Roman \u201eDer Sieger bleibt allein\u201c f\u00fchrt er uns hinter die Kulissen der Welt der Reichen und Sch\u00f6nen, auf das Filmfestival von Cannes. Was man sich schon immer denken konnte, dass es um die Seelen derjenigen, die es geschafft haben, dass Geld f\u00fcr sie keine Rolle mehr spielt, weil sie genug davon haben, nicht zum besten bestellt ist, bringt er auf den Punkt. Das Problem ist weniger die Bosheit als vielmehr die Langeweile, mit der man dann konfrontiert ist und somit ganz f\u00fcr sich allein ungl\u00fccklich.<\/p>\n<p>\nDieses Buch ist fast ein Krimi und daran ist ja immer das Reizvollste, wenn Verbrechen perfekt ausgef\u00fchrt sind, sodass der Serienm\u00f6rder, der das eigentlich aus Liebe zu seiner verlorenen ehemaligen Frau alles macht, eigentlich nicht mal ein schlechtes Gewissen haben muss. Eigentlich benutzt er diese Morde auch nur, um einiges zu zeigen und lebt dabei ganz den Moment, obwohl er auch beachtliche Vorbereitungen investiert hat.<\/p>\n<p>\nEs wird ernsthaft die Frage aufgeworfen, ob er nicht sogar eine Berechtigung hatte, Leben auszul\u00f6schen, weil diese eben nicht mehr ins Lot zu bringen gewesen w\u00e4ren. Ein brandak\u00adtuelles Thema in der Zeit der Lebenserhaltung um jeden Preis. Wenn man es n\u00e4mlich zur Disposition stellt, beginnen sich erst Kr\u00e4fte zu regen und k\u00f6nnen sich Auswege er\u00f6ffnen, die vorher nicht mal geahnt waren. Das eigene Leben zur Disposition zu stellen, ist fast der einzige Weg, um etwas Roman in sein Dasein zu bringen und wenn man sich gerade an der Ostsee oder der Riviera langweilt und es sich so richtig gutgehen l\u00e4sst, ist das nat\u00fcrlich ein Kitzel, den man den Urlaubsfreuden zurechnen kann.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 29.7.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paulo Coelho&nbsp; Dieser nunmehr 71j\u00e4hrige brasilianische Schriftsteller hat wohl ein besonderes Geheimnis, die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zu ziehen. Jedenfalls ist er einer der meistgelesenen. 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