{"id":2931,"date":"2018-06-30T22:26:51","date_gmt":"2018-06-30T20:26:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2931"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-26-2018-us-philie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2931","title":{"rendered":"Kolumne KW 26 2018 &#8222;US-Philie&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>US-Philie<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen richtigen Plot hat Uwe Timm, Jahrgang 1940, nicht, wenn er eine fiktive Handlung zum Kriegsende erfindet und das Ganze noch mit dem nur am Rande gestreiften Titel \u201eIkarien\u201c versieht. Das war n\u00e4mlich eine kommunistische Utopie, entworfen von \u00c9tienne Cabet in dessen Buch \u201eReise nach Ikarien\u201c.<\/p>\n<p><!--more-->Diese Utopie mit dem vielleicht klangvollsten Namen wurde verwirklicht, aber nicht dort, wo man den Kommunismus hatte aufzubauen versucht, sondern in den Vereinigten Staaten, wo ja auch einiges m\u00f6glich war. Das war allerdings zur Wende zum 20. Jahrhundert und war gescheitert, w\u00e4hrend sich religi\u00f6s behaftete Modelle viel l\u00e4nger hielten, was nat\u00fcrlich die Frage aufwirft, ob es denn wirklich ohne Religion geht, wenn man solch radikale Ver\u00e4nderungen erreichen will. Diese Frage wird auch gestreift in dem 2017 erschienenen Roman, aber eben nur gestreift, wie so manches, sodass sich das Bild einer Wirrnis ergibt.<\/p>\n<p>\nF\u00fcr diese Wirrnis haben sich die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg angeblich interessiert, was man wohl auch getrost ins Reich der Utopie verweisen kann. Ein eigens monatelang abgestellter amerikanisch\u00ader Offizier h\u00f6rt sich das Gelalle eines Au\u00dfenseiters an, der mal mit einem Eugeniker befreundet gewesen ist und zu Kriegsende dann achtzig Jahre alt. Diese Mischung von Belanglosem und Geschichtlichem ist offenbar gewollt und soll aus dem Elaborat einen Roman machen, der aber zu einem Monstrum geraten ist.<\/p>\n<p>\nDie Amerikaner, die es sich nach gehabtem Sieg in old Germany so richtig gut gehen lassen, von zu Hause mit Rarit\u00e4ten versorgt und denen die M\u00e4dchen nur so ins Bett fliegen, sich es in requirierten Villen wohl sein lassen und in beschlagnahmten No\u00adbel\u00adkarossen durch Bayern kutschieren, sind genauso geistlos, wie es inzwischen fast alle sind. Sie borgen sich Geschichte, die in Blut und Schwei\u00df erk\u00e4mpft wurde und sehen alles als ein touristisches Kurio\u00adsit\u00e4tenkabinett.<\/p>\n<p>\nDer Autor, der diesen ern\u00fcchternden Zeitabschnitt zum Dreh- und Angelpunkt nimmt, ist mindestens genauso oberfl\u00e4chlich und meint, dem Leser sei gedient, wenn er wei\u00df, dass der Zaunk\u00f6nig im Englischen einfach wren hei\u00dft. In Wirklichkeit wurde alles von Wert unter die Lupe genommen, so hielten es auch die anderen Allierten und wenn es ging, weggeschleppt. Das war wirklich eine totale Niederlage, die dem von Deutschland angezettelten totalem Krieg folgte. Die Amerikaner sind ja im Gegensatz zu den Russen dann auch nicht nach 40 Jahren verschwunden, sondern behielten ihre Basen, h\u00f6ren legitimiert ab und verfolgen jede geistige Regung, manchmal sogar, indem sie selbst die Oppositionellen und Au\u00dfenseiter finanzieren und ihnen das Gef\u00fchl geben, besonders wichtig zu sein. Dabei sind wahrscheinlich fast alle von Gnaden der USA und ein selbst\u00e4ndiges Leben fast gar nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 27.6.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Philie&nbsp; Einen richtigen Plot hat Uwe Timm, Jahrgang 1940, nicht, wenn er eine fiktive Handlung zum Kriegsende erfindet und das Ganze noch mit dem nur am Rande gestreiften Titel \u201eIkarien\u201c versieht. 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