{"id":2911,"date":"2018-06-11T06:58:22","date_gmt":"2018-06-11T04:58:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2911"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-23-2018-distinktionsgebaren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2911","title":{"rendered":"Kolumne KW 23 2018 &#8222;Distinktionsgebaren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Distinktionsgebaren<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Der offenbar Schweizer Philosoph Robert Pfaller hat wirklich sehr vern\u00fcnftige Ansichten. Er war eigentlich zu der Frage interviewt worden, ob das \u201eZartsprechen\u201c ein Lapsus der Linken w\u00e4re, mit dem sie sich selbst ein Bein stellen. Bei all den verbalen Verwirrungen und politischem Sprechen, wie man es auch in der Schule verzeichnen kann, wenn zum Beispiel von SuS die Rede ist, womit weder ein Notruf (oder vielleicht doch?) noch ein U-Boot gemeint ist, sondern Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, was hochgradig albern ist und man sofort w\u00fcsste, wenn von Sch\u00fclern die Rede ist, dass damit auch die M\u00e4dchen gemeint sind, solche Verwirrungen und Umst\u00e4ndlichkeiten gibt es nat\u00fcrlich, aber der Kern bliebe wohl, dass jeder ein vern\u00fcnftiges Auskommen haben sollte, das w\u00fcrde dann solche Verwerfungen, wie es der heutige Verlust an Solidarit\u00e4t darstellt, wie von selber l\u00f6sen.<\/p>\n<p><!--more-->Da f\u00fchlen sich doch heute Studentinnen, die das zweifelhafte Fach gew\u00e4hlt haben, Exegetinnen (Ausleger, denn sch\u00f6pferisch ist das selten) von Philosophen zu werden, von Immanuel Kant seelisch verletzt und ertragen es nicht mehr, ihn studieren zu m\u00fcssen. Wie muss es einem da erst bei Freud mit dessen Phallustheorie gehen. Man wird f\u00f6rmlich von Worten vergewaltigt und reiht sich freudig in die me too Bewegung ein, wo bei aller Berechtigung eben wieder mal das Kind mit dem Bade ausgesch\u00fcttet wird und jeder Flirt als Angriff auf die Jungfr\u00e4ulichkeit gewertet. Pfaller macht klar, wie lebensfeindlich eine solche Einstellung ist, ohne allerdings bei der Konsequenz anzulangen, dass sich die Menschheit so langsam selbst demontiert.<\/p>\n<p>\nAlle m\u00f6glichen Befindlichkeiten sind eben heute Gegenstand der Eitelkeit geworden, gepaart mit einem Gesundheitswahn und Vorsichtelei. Anders sind Moden wie veganes Essen nicht zu erkl\u00e4ren, wobei dann jeder gema\u00dfregelt werden soll, der noch Fleisch isst oder gar raucht. Man kokettiert mit nie dagewesenen Allergien und erfindet Wundermittel dagegen, sodass man unwillk\u00fcrlich an den alten Fritzen erinnert wird, der seinen Soldaten sagte: \u201eKerls, wollt ihr ewig leben?\u201c Je mehr man sich vom Durchschnitt unterscheidet, in Ess- und Lebensgewohnheiten und dabei der unb\u00e4ndigen Lust fr\u00f6nt, diese auf andere zu \u00fcbertragen, desto distinguierter (also mit einem gewollten Abstand) kann man sich geben. Das kann man eben nur Distinktionsgebaren nennen, was f\u00fcr einige jegliche Lebensleistung ersetzt.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 10.6.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Distinktionsgebaren&nbsp; Der offenbar Schweizer Philosoph Robert Pfaller hat wirklich sehr vern\u00fcnftige Ansichten. Er war eigentlich zu der Frage interviewt worden, ob das \u201eZartsprechen\u201c ein Lapsus der Linken w\u00e4re, mit dem sie sich selbst ein Bein stellen. 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