{"id":2883,"date":"2018-05-13T10:07:37","date_gmt":"2018-05-13T08:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2883"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-19-2018-der-gruene-heinrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2883","title":{"rendered":"Kolumne KW 19 2018 &#8222;Der Gr\u00fcne Heinrich&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Gr\u00fcne Heinrich<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Gottfried Keller musste seinen umf\u00e4nglichen vierb\u00e4ndigen Roman noch mal \u00fcberarbeiten. Den Verlegern war es zu ausufernd und auch das Ende gefiel nicht, wo der Protagonist einfach mal weggestorben ist. In der zweiten Fassung ist dann kaum ein Wort zu viel, obwohl der Umfang immer noch beachtlich ist, und f\u00fcr das Ende hat er eine Wendung gebracht, die modernsten Vorstellungen von heute sehr nahe kommt.<\/p>\n<p><!--more--> Anfangs ist einem der Ichheld gar nicht so sympathisch. Er ist ja ein Sonderling und der Schriftsteller, dem man viel Autobiographisches in diesem Roman nachsagt, h\u00e4lt sich bei jedem Lebensabschnitt genauestens auf. Es dauert, bis er vierzehn ist und wird zu seinem 16. Lebensjahr so detailliert, dass es fast ein Tagebuch ist. Viel ist da von Liebe die Rede, die allerdings jugendlich unbescholten und einigerma\u00dfen heimlich ist, denn er hegt gleich zwei Liebschaften, die er auf dem Lande zur Geltung bringt, w\u00e4hrend in der Stadt seine Mutter fast immer auf ihn wartet.<\/p>\n<p>\nEr fliegt dann auch von der Schule und kann sich zu keinem Lehrberuf herbeilassen, sondern gef\u00e4llt sich darin, ein Maler werden zu wollen, wobei er sich auch viel Bildung durch Lesen aneignet. Mit dem sauer Abgesparten seiner Mutter begibt er sich dann nach M\u00fcnchen, um das Malen zu perfektionieren, hat dort auch Freunde, die sich mehr oder weniger auch der Malerei verschrieben haben, allerdings auch der Liebe und denen er darin nurmehr assistiert. Er hat keinen nennenswerten Erfolg und muss sich schlie\u00dflich verarmt auf den Heimweg begeben, wobei ihm dann doch noch das Gl\u00fcck hold ist. Nicht nur, dass er noch Lohn f\u00fcr seine halbsch\u00e4rigen Werke empf\u00e4ngt, es winkt auch mal wieder die Liebe, die doch die eigentliche W\u00fcrze des Buches und wohl auch des Lebens ist. Allerdings f\u00fchrt ihn dann doch der Weg zur\u00fcck in die Schweiz und er beginnt ein gutb\u00fcrgerliches und einigerma\u00dfen unbedeutendes Leben.<\/p>\n<p>\nDoch da begegnet ihm eine seiner beiden Jugendlieben wieder, die nicht etwa in ein beschauliches Familienleben m\u00fcndet, sondern in einer losen Fernbeziehung bestehen bleibt, bei der sich die Liebenden manchmal mehrmals am Tag manchmal nur einmal im Jahr sehen, bis auch diese Beziehung durch Tod der Frau endet. Dann gibt es freilich auch nichts weiter zu sagen, wie es wohl immer der Fall ist, wenn es sich mit der Liebe erledigt hat, aber diesen Moment kann man hinausschieben, bis ins hohe Alter.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 12.5.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gr\u00fcne Heinrich&nbsp; Gottfried Keller musste seinen umf\u00e4nglichen vierb\u00e4ndigen Roman noch mal \u00fcberarbeiten. Den Verlegern war es zu ausufernd und auch das Ende gefiel nicht, wo der Protagonist einfach mal weggestorben ist. 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