{"id":2878,"date":"2018-05-05T11:03:58","date_gmt":"2018-05-05T09:03:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2878"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-18-2018-marx-wird-200","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2878","title":{"rendered":"Kolumne KW 18 2018 &#8222;Marx wird 200&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Marx wird 200<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Inzwischen wei\u00df jeder, dass Marx seine Haush\u00e4lterin geschw\u00e4ngert hat, vor allem unversch\u00e4mte Bettelbriefe verfasste und zur Strafe so eine Art H\u00e4morrhoiden hatte. Der Marxismus hatte so ungef\u00e4hr hundert Jahre gehalten und nicht wenige haben daran ihr Leben gekn\u00fcpft, haben sich bis in den Tod daf\u00fcr eingesetzt. Das alles soll jetzt eine l\u00e4cherliche Attit\u00fcde, ein tragischer Irrtum gewesen sein.<\/p>\n<p>\nSchlie\u00dflich ist ja die Welt auch besser geworden. Hatten 1914 die oberen 10% noch 90% des Reichtums, sind das heute nur noch 60%, wobei man nat\u00fcrlich nicht vergessen darf, dass es sich um ganz andere absolute Zahlen handelt, dabei also die Reichen nicht unbedingt \u00e4rmer geworden sind. Das Novum ist eben eine Mittelschicht, die auch ihr Sch\u00e4rflein zur Stabilit\u00e4t des Ganzen beitr\u00e4gt, und dazu z\u00e4hlen sicher auch die Journalisten, die jetzt diesen Nebelvorhang des vermeintlich Wissenswerten und v\u00f6llig Unstrukturierten vor einfache Wahrheiten h\u00e4ngen. Dazu z\u00e4hlen selbst die Politiker, die sich doch heute ganz gute Eink\u00fcnfte sichern und sicher auch die vielen, die den Staat am Laufen halten. Was soll dabei nur herauskommen?<\/p>\n<p>\nAlle sind da so ziemlich ratlos, dabei brennt es ja auch nicht gerade unter den N\u00e4geln, wie es ja nach den gro\u00dfen Kriegen war oder als einem als Linker oder gar Kommunist ernstzunehmen\u00adde Strafen drohten.<\/p>\n<p>\nWas einem da als erstes einf\u00e4llt, ist eine moderate, eine quasi nicht wehtuende Umverteilung von bis zu 10% des Verm\u00f6gens. Dass man dem nicht ausweichen kann, sollte es idealer Weise global geregelt werden, und wenn das nicht geht, so wenigstens europ\u00e4isch. Aber ist denn nicht schon der Nationalstaat ein anonymes Monstrum? Man raubt uns mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit einen Gutteil unseres Einkommens, als w\u00e4re es um die Verwendung aufs Beste bestellt. Die Staatsausgeben sind ein pralles F\u00fcllhorn, an dem sich zun\u00e4chst schon die bedienen, die dem Volk dienen sollten. Wieder kann man hier selbst die Journalisten nicht ausnehmen. Sollte man diese Anonymit\u00e4t noch verst\u00e4rken und so eine fragw\u00fcrdige Institution wie die EU oder gar die UNO damit beauftragen?<\/p>\n<p>\nIn dem ganzen Get\u00f6ne geht eine wesentliche Idee des Kommunismus v\u00f6llig unter, n\u00e4mlich die vom Absterben des Staates, Sie wird Ihnen vielleicht sogar neu vorkommen, aber das ist nun mal erkl\u00e4rtes Ziel gewesen, bei allen Vorw\u00fcrfen, die man der tats\u00e4chlichen B\u00fcrokratie machen konnte zu Sozialismuszeiten, die aber durch die heutige noch total in den Schatten gestellt wird. Auf der anderen Seite der utopischen Gesellschaft steht der selbstbestimmte und vern\u00fcnftige Mensch, der sch\u00f6pferisch etwas mit seiner \u00fcbersch\u00fcssigen Zeit anzufangen wei\u00df, weil er nicht mehr am Flie\u00dfband stehen muss.<\/p>\n<p>\nDie Bed\u00fcrfnisse dieses selbstbestimm\u00adten Menschen bestehen sicher nicht darin, noch komplizierte Steuererkl\u00e4\u00adrungen auszuf\u00fcllen oder Rechtsstreite auszutragen, sondern er wird sich einerseits sehr auf sein unmittelbares Umfeld besinnen, seinen Sprachraum und damit wohl auch die Nation. Andererseits wird er problemlos und ebenso fair mit denen ihm seelenverwandt oder durch die Arbeit verbundenen Menschen aus der ganzen Welt in Verbindung stehen. Erstere Vision ist das Heimat- und Geschichtsbewusstsein, ja die ganze Kultur der unmittelbaren Umgebung und die zweite Vision wird durch die vielgescholtenen sozialen Medien wahr, dass man den Menschen, die einem nahe sind auf der Welt, schreiben kann, ihnen einen Eindruck vom Selbstgeschaffenen vermitteln kann und sie gegebenenfalls sogar besuchen kann.<\/p>\n<p>\nDie heutige Technologie und Produktivit\u00e4t haben uns nahe an dieses Ideal gebracht, das mit Verlaub nur der Kommunismus kreierte, weshalb auch allf\u00e4llige Ber\u00fchrungs\u00ad\u00e4ngste eigentlich nur dazu f\u00fchren, dass man vor einem gro\u00dfen Tor steht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dieses Tor f\u00fchrt in ein Land mit abgestorbenen Staaten und Menschen, die sehr viel mit sich anzufangen wissen, ohne der materiellen Not ausgesetzt zu sein. Dieses Tor nicht zu sehen, kann dazu f\u00fchren, dass das dahinterliegende Reich in ein Nichts zusammenf\u00e4llt und all die Leiden sich wiederholen, die uns zu diesem Punkt gef\u00fchrt haben, oder vielleicht sogar das Ende der Menschheit da ist. Es gilt eigentlich, einen Traum so gut als m\u00f6glich zu leben, ihn \u00fcberhaupt erst mal zu wagen und diejenigen zu ehren, die ihn als erstes hatten, also auch die vielgescholtenen Klassiker.<\/p>\n<p>\n<strong>Also herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum Geburtstag Karl.<\/strong><\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 30.4.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marx wird 200&nbsp; Inzwischen wei\u00df jeder, dass Marx seine Haush\u00e4lterin geschw\u00e4ngert hat, vor allem unversch\u00e4mte Bettelbriefe verfasste und zur Strafe so eine Art H\u00e4morrhoiden hatte. 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