{"id":2857,"date":"2018-04-08T22:17:53","date_gmt":"2018-04-08T20:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2857"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-13-kw-14-2018-die-hauptstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2857","title":{"rendered":"Kolumne KW 13 \/ KW 14 2018 &#8222;Die Hauptstadt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Hauptstadt<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, dass man zumindest das Buch, das den deutschen Buchpreis allj\u00e4hrlich bekommt, dann auch gelesen haben m\u00fcsste. Ich musste aber mal wieder feststellen, dass dem nicht so ist, dass man auf die meisten der so gek\u00fcrten Werke verzichten kann.<\/p>\n<p><!--more-->So ein Ruf geht auch dem Buch \u201eDie Hauptstadt\u201c von Robert Menasse voraus. Vielleicht ist Ihnen noch gar nicht aufgefallen, dass man den Begriff Hauptstadt in Bezug auf Europa vermeidet. Das ist also auch nicht Br\u00fcssel, diese Stadt ist lediglich der Sitz der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft. Aber Politikchinesisch gibt es genug in dem Buch, und das erweist sich als einigerma\u00dfen kunstfremd. Im Ansatz hat sich Menasse ein gro\u00dfes Vorbild zum Muster genommen, n\u00e4mlich den \u201eMann ohne Eigenschaften\u201c von Namensvetter Robert Musil. In diesem Buch geht es auch um ein Jubil\u00e4um, wobei man sich vor dem deutschen Einfluss gef\u00fcrchtet hat und die Aktion als \u201eParallelaktion\u201c bezeichnete. Dem stellt Menasse ein Jubil\u00e9 gegen\u00fcber, irgendein Jahrestag der EU, der noch nicht zu nah, aber auch nicht zu fern ist, um eine gr\u00fcndliche Vorbereitung zu erm\u00f6glichen. Aber der Beamtensumpf ist unergr\u00fcndlich und saugt diese Idee so auf, dass von ihr nichts mehr \u00fcbrig bleibt, sie letztlich verhindert wird.<\/p>\n<p>\nMan hat bei diesem Roman den Eindruck, dass sich der Autor ein Mindmap angefertigt hat, wo er die Personnage eingetragen hat und reichlich mit Gags und Lebensgeschichten ausgeschm\u00fcckt. Das alles wird dem geduldigen Leser mitgeteilt und er kann sehen, wie er mit diesen weitgehend \u00fcberfl\u00fcssigen Informationen zurechtkommt. Dabei kommt er regelm\u00e4\u00dfig vom H\u00f6lzchen aufs St\u00f6ckchen, dass alles einen unsystematischen Eindruck macht. An Ungl\u00fccksf\u00e4llen mangelt es auch nicht, weil ihm keine innere Spannung oder tiefere Charakterzeichnung gelingt. Die Handlung bleibt immer wieder stecken, weil wieder eine andere Belanglosigkeit ausgebreitet werden soll.<\/p>\n<p>\nAus dem Jubil\u00e9 wird nat\u00fcrlich auch nichts, auch nicht aus den Nachforschungen in einem Mordfall. Insofern h\u00e4tte diese Zumutung, die dieser Roman wohl ist, noch weiter ausgedehnt werden m\u00fcssen. \u00dcber eine Zielrichtung w\u00e4re der Autor allerdings auch dann verlegen gewesen, ein richtig einpr\u00e4gsamer Roman ist ihm auch nicht gelungen, und Verr\u00fccktheiten, wie eine europ\u00e4ische Hauptstadt in Auschwitz vom Rei\u00dfbrett aus zu gr\u00fcnden, kann man wohl auch nicht ernst nehmen. Diese Beamtenschaft in Br\u00fcssel gibt so ein trauriges Bild ab, dass man so recht deprimiert aus dieser Lekt\u00fcre herausgeht.<\/p>\n<p>\nAber welcher zeitgen\u00f6ssische Roman ist denn nicht deprimierend, insofern bedient er nicht mehr als den Mainstream.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 25.3.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hauptstadt&nbsp; Man k\u00f6nnte meinen, dass man zumindest das Buch, das den deutschen Buchpreis allj\u00e4hrlich bekommt, dann auch gelesen haben m\u00fcsste. 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