{"id":2818,"date":"2018-01-30T18:01:15","date_gmt":"2018-01-30T16:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2818"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-04-2018-zum-verlieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2818","title":{"rendered":"Kolumne KW 04 2018 &#8222;Zum Verlieben&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Verlieben<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Diedersdorf ist der richtige Ort, um den Blick immer mal in die Ferne schweifen zu lassen und dann Natur zu sehen, nichts als Natur und immer wieder Natur.<br \/>\nSo geht es auch dem jungverm\u00e4hlten Ehepaar, das sich in dem St\u00fcck \u201eFlitterwochen\u201c wohlsituiert aufs Land begeben hat und nun schon seit ganzen sechs Monaten nichts weiter tut als eben der Liebe zu fr\u00f6nen und den Blick in die Natur zu richten. Dass einem das gr\u00fcndlich \u00fcber werden kann, wird in dem St\u00fcck thematisiert und gerade der Ehemann sehnt sich nach seinem bewegten Junggesellen\u00adleben in Berlin zur\u00fcck. Er hatte da mindestens einen Schwarm, Leonora, von der ihm nichts als zwei Vasen geblieben waren, von denen die eine schon versehentlich durch das Hausm\u00e4dchen zerbrochen wurde, was eine Ohrfeige nach sich gezogen hatte, und die zweite erleidet dann ein willk\u00fcrliches \u00e4hnliches Schicksal durch die Frau des Hauses.<\/p>\n<p><!--more-->Diese Ehefrau ist gegen\u00fcber der ersten Auff\u00fchrung, die ich vor anderthalb Jahren sah, eine Neubesetzung. Sie hat zwischen Hingebung und Herrschsucht zu changieren und ihr Spiel konnte es einem, wenn man nicht ganz stumpfen Sinnes ist und das St\u00fcck als Schwank abtut, eben sehr antun. Ihre Gef\u00fchle wechseln manchmal in Sekunden, dabei alle Register der ach so holden Weiblichkeit ziehend, und das St\u00fcck lebt ja von diesen Empfindungen und eben der Sprache, die man doch sonst so vermisst an deutschen B\u00fchnen.<\/p>\n<p>\nNach dem bezaubernden Spiel des sog. Schmalzstullentheaters sitzen wir noch am Tisch 15, an dem ich schon das erste Mal sa\u00df und der dem engeren K\u00fcnstlerkreis zugeordnet ist und langsam kommen die Akteure und Actricen heran, als letztes die Hauptdarstellerin Susanne, die die Ehefrau gespielt hatte. W\u00e4hrend alle andere dem Bier und anderen Alkoholika zusprechen, bestellt sie sich einen Kr\u00e4utertee, und zwar bei mir. Nat\u00fcrlich eile ich den Auftrag auszuf\u00fchren und genehmige mir dabei noch einen Fingerhut des wohlig am Gaumen re\u00fcssierenden Rotweins.<\/p>\n<p>\nSie muss n\u00e4chsten Tags schon wieder in Bochum sein und wei\u00df nicht, wie sie in der vielen Natur zu dem Berliner Hauptbahnhof kommen soll. Ich traue mich nicht, ihr anzubieten, sie dorthin zu fahren und werde dies die ganze Nacht bereuen, denn wie k\u00f6stlich ist jede Minute, die sie mit ihrer Anwesenheit zur Unwieder\u00adbringlichkeit aufwertet. Fast jedes Wort und jede Geste von ihr habe ich mir gemerkt, und wie selten ist doch Charme heutzutage, dass jede Begegnung mit diesem eine Offenbarung ist.<\/p>\n<p>\nSie wird ihren Weg als Schauspielerin machen, dazu bedarf es keiner betagten Bewunderer, aber wie sch\u00f6n ist doch das Leben in Gegenwart charmanter Damen.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 28.1.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Verlieben&nbsp; Diedersdorf ist der richtige Ort, um den Blick immer mal in die Ferne schweifen zu lassen und dann Natur zu sehen, nichts als Natur und immer wieder Natur. 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