{"id":2704,"date":"2017-08-20T18:12:57","date_gmt":"2017-08-20T16:12:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2704"},"modified":"2023-12-08T22:59:47","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:47","slug":"kolumne-kw-33-2017-sommertheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2704","title":{"rendered":"Kolumne KW 33 2017 &#8222;Sommertheater&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sommertheater<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Ins Theater gehen ist ja schon lange ein Risiko. Manchmal ist es die Frage, ob sich der Weg dorthin noch lohnt, wenn man dann mit einer Zumutung versehen vielleicht schon in der Pause geht. Selbst klassische St\u00fccke sind meistens so verballhornt, dass man intellektuell unterfordert oft schon bald in Missmut verf\u00e4llt..<!--more-->Nicht so aber in Netzeband, einem Ort in der N\u00e4he von Neuruppin, einem Theaterdorf, wo des Sommers unter freiem Himmel gespielt wird. In diesem Jahr \u201eDer gute Mensch von Sezuan\u201c von Brecht, wohin man reisen muss, um noch Theater von der besten Sorte zu erleben. Da ist es wirklich das einzige Risiko, dass mal das Wetter nicht mitspielen k\u00f6nnte, aber selbst im Regen, so h\u00f6rt man, h\u00e4tten die Zuschauer gebannt ausgehalten.<\/p>\n<p>\nSchon die als Kulturst\u00e4tte und Eingangsbereich genutzte Kirche mit dem Vorplatz, wo einiger Imbiss m\u00f6glich ist, alles in wei\u00dfes Leinen niveauvoll gekleidet, stellt ein niveauvolles Ambiente dar. Ist man eingelassen, liegt vor einem ein abfallender Hang mit pr\u00e4chtigen B\u00e4umen bestanden, der in einer breiten Wiese ausl\u00e4uft, die vorne unmittelbare Spielst\u00e4tte ist und sich nach hinten \u00fcber viele hundert Meter dehnt.<br \/>\nDer Gong ert\u00f6nt einmal, zweimal und dreimal und schon beginnt das ber\u00fcckende Spiel, das fast ganz auf den eingespielten Text, die kost\u00fcmierten Schauspieler, die unter ihren Masken fast kindliche Proportionen annehmen und die eine einmalige Gestik haben, das man es fast als ein Ballett mit Sprache, eben der elektronischen und der K\u00f6rpersprache empfinden kann, und ganz sparsam ist auch Musik eingesetzt, die durch ihre Rarit\u00e4t besonders einpr\u00e4gsam ist.<\/p>\n<p>\nSezuan ist ja in China, und der gute Mensch, den Brecht da konstruiert hat, ist eine Frau, eine Prostituierte sogar, die aber als einziger guter Mensch von drei umherschweifenden G\u00f6ttern, die auf der Suche nach einem Nachtlager sind, identifiziert wird, auch ein paar Silberdollar als Dank erh\u00e4lt, woraus sie sich eine materielle Existenz in Form eines Tabakladens aufbauen will. Verwandte und Bekannte str\u00f6men nat\u00fcrlich herbei und wollen teilhaben an diesem bescheidenen Reichtum, der eigentlich erst noch verdient sein will. Sie muss sich einfach dessen erwehren, was man sich aber selber anschauen muss.<\/p>\n<p>\nBesonders anr\u00fchrend, da es auch an romantischer Liebe nicht fehlt, ist die Szene, wo dem guten M\u00e4dchen von Sezuan dann das Kind aus der ganzen gedankenweiten Wiese entgegen\u00adkommt, mit einer Lichterhaube geschm\u00fcckt und in einem wei\u00dfen Kleid, und sie ihm die zu erwartende Welt zeigt.<\/p>\n<p>\nEs ist also noch nicht alles verloren f\u00fcr das Theater und zum Schluss gibt es dann noch life sogar ein paar sinnige Reime, dass es einen als Traditionsbewusster nur so freuen kann und diese Betrachtung gern in die Annalen des Gedichtladens einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 20.8.2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sommertheater&nbsp; Ins Theater gehen ist ja schon lange ein Risiko. Manchmal ist es die Frage, ob sich der Weg dorthin noch lohnt, wenn man dann mit einer Zumutung versehen vielleicht schon in der Pause geht. 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