{"id":2678,"date":"2017-07-09T15:26:13","date_gmt":"2017-07-09T13:26:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2678"},"modified":"2023-12-08T22:59:47","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:47","slug":"kolumne-kw-27-2017-koenigliche-hoheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2678","title":{"rendered":"Kolumne KW 27 2017 &#8222;K\u00f6nigliche Hoheit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>K\u00f6nigliche Hoheit<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe das Buch \u201eK\u00f6nigliche Hoheit\u201c von Thomas Mann noch nicht einmal halb durchgelesen, aber es ist schon klar, dass er darin ein Grundproblem der heutigen Zeit aufgreift, also aktueller ist denn je. Man kann sich vorstellen, wie das Buch aufgenommen worden w\u00e4re, w\u00e4re es zu DDR Zeiten erschienen, man h\u00e4tte Thomas Mann als einen ewig Gestrigen eingestuft. Dabei lese ich gerade eine DDR Ausgabe von 1954 in Halbleder und Goldschnitt, eben die Gesamtausgabe seiner Werke in 12 B\u00e4nden.<\/p>\n<p><!--more-->In dieser Gesamtausgabe versteckt \u2013 bbringt man einen gro\u00dfen Autor komplett heraus, muss man eben alles dulden \u2013 ist Thomas Mann nicht nur ein b\u00fcrgerlicher Schriftsteller, sondern noch weiter r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt, ein Monarchist. Dabei hatten doch die Deutschen von dem letzten Exponenten dieser Zunft, Wilhelm II., so die Nase voll, dass man sich nichts sehnlicher herbeiw\u00fcnschte als eine Republik, die ja dann zwar eine marode, die Weimarer Republik, geworden ist, aber immerhin eine.<\/p>\n<p>\nIn K\u00f6nigliche Hoheit f\u00fchrt uns Th. M. aber einen Monarchen vor, eines kleinen fiktiven Reiches, das nur 8000 Quadratkilometer Fl\u00e4che hat, der noch dazu von der Natur gehandicaped ist, eigentlich auch nicht der Thronfolger, sondern nur Zweitgeborener, der schon als Kind versucht, selbst mit Lakaien in ein Gespr\u00e4ch zu kommen, was ihm aber nicht gelingt. Er trifft auf einen Hilfslehrer, der eine Art Leitfigur f\u00fcr ihn wird und hinter dem man den Autor vermuten darf, den Doktor Raoul \u00dcberbein, zu dem er ein so inniges Verh\u00e4ltnis entwickelt, das er ihm gern sein Herz aussch\u00fctten w\u00fcrde, was ihm aber der Lehrer untersagt. Der Lehrer macht ihm deutlich, dass er sich keine \u201eUnmittelbarkeit\u201c leisten k\u00f6nne, genauso, wie er wahrscheinlich auch auf Mutterliebe verzichten m\u00fcsse. Er m\u00fcsse die Facon wahren und sei dazu da, die Menschen zu erheben, was Th. M. auch so gut zu schildern wei\u00df, dass er sich damit nicht nur selber, sondern auch jeden verst\u00e4ndigen Menschen \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Der Monarch ist ja um einiges anders als der Kapitalist, denn sein ultimatives Ziel ist nicht nur das Geld. Man kann nicht umhin, den guten K\u00f6nig zu bewundern, f\u00fcr den man sich abrackert, um zum Beispiel solche bleibenden Kulturg\u00fcter wie Schl\u00f6sser, Gem\u00e4lde oder andere Kunstwerke zu schaffen, was man heute anonymen Institutionen zuliebe, vielleicht mit einem faden Lob eines der wechselnden Politiker zustande bringt. Das k\u00f6nnte ein St\u00fcck Sinngebung sein.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, zum 8.7.2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nigliche Hoheit&nbsp; Ich habe das Buch \u201eK\u00f6nigliche Hoheit\u201c von Thomas Mann noch nicht einmal halb durchgelesen, aber es ist schon klar, dass er darin ein Grundproblem der heutigen Zeit aufgreift, also aktueller ist denn je. 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