{"id":2646,"date":"2017-05-07T11:45:59","date_gmt":"2017-05-07T09:45:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2646"},"modified":"2023-12-08T22:59:47","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:47","slug":"kolumne-kw-18-2017-fuellermystik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2646","title":{"rendered":"Kolumne KW 18 2017 &#8222;F\u00fcllermystik&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcllermystik<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaum einer wei\u00df, dass man einen Kolbenf\u00fcller, also aus dem Tintenfass zu f\u00fcllen und nicht mit den verpackungsintensiven Patronen versehen, heute nur ab 100 Euro aufw\u00e4rts erstehen kann. Daher eignet sich so eine Anschaffung weniger f\u00fcr die Privatschatulle, sondern ist eher in die Kategorie der etwas wertvolleren Geschenke einzu\u00adordnen.<\/p>\n<p><!--more-->Man kann sich auch fragen, wozu man solch ein teures St\u00fcck braucht. Da kann es nun sein, man ist in einer Kantine und einem der Anwesenden ist gerade der Nobelpreis verliehen worden, wie es zum Beispiel beim Film Beautiful Mind dargestellt ist. Dann hat man sich n\u00e4mlich gemessenen Gangs zu diesem zu begeben und ihm schweigend seinen F\u00fcller hinzulegen, den man nun weniger braucht, weil derjenige ja schon einiges geschafft hat und es auch weiterhin von ihm zu erwarten steht.<\/p>\n<p>\nIn diese Verlegenheit bin ich noch nicht gekommen, trage aber meistens ein solches Wertobjekt bei mir, weil der Fall ja jederzeit eintreten kann. Auch mir wurde ein solcher Kolbenf\u00fcller als Geschenk meiner Frau zuteil und ich benutzte ihn vor Jahren oft, als ich Zeit am Schreibtisch verbrachte. Durch einen Telefonanruf gest\u00f6rt, stand ich auf und lief umher. Anschlie\u00dfend war der F\u00fcller trotz langen Suchens nicht mehr auffindbar, obwohl kein Nobelpreistr\u00e4ger in der N\u00e4he gewesen war.<\/p>\n<p>\nMeine damals noch sehr verst\u00e4ndnisvolle und zuwen\u00addungs\u00adbereite Frau hat mir dann einen neuen gekauft, den ich anfangs als etwas d\u00fcnn schreibend empfand, ich mich aber auch daran bald gew\u00f6hnte. Besonders gut lie\u00dfen sich damit Sudokus in der Zeitung l\u00f6sen, weil man fast nicht aufdr\u00fccken muss.<\/p>\n<p>\nNun gibt es eine Liste, die ich f\u00fchre und die die Geburtstage der Familie zum Inhalt hat. Eines Tages war eine gr\u00f6\u00dfere Gesellschaft bei uns versammelt, auch mit Kindern, die ja noch so klein waren, dass sie noch kleinere Teile verschlucken k\u00f6nnen und so jung auf der Welt, dass sie erst noch per F\u00fcller provisorisch eingetragen werden mussten. Anschlie\u00dfend war dann auch dieser F\u00fcller weg.<\/p>\n<p>\nAls ich dieser Tage in meinen Ordnern etwas vergeblich suchte, klackerte es pl\u00f6tzlich auf dem Boden und da lag, nach vierzehn Tagen ohne F\u00fcller, der erste wieder da, der so ideal geschrieben hatte.<\/p>\n<p>\nWas will mir dieses wertvolle Schreibger\u00e4t sagen? Dass ein frischgebackener Nobelpreistr\u00e4\u00adger bald in meinen Dunstkreis ger\u00e4t oder dass die Zeiten zur\u00fcckkehren, wo ein liebenswertes Wesen einem noch solche Geschenke machte? Auf jeden Fall ist er erst mal wieder da und konnte schon vier Sudokus in Folge in der Zeitung l\u00f6sen.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 7.5.2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcllermystik &nbsp; Kaum einer wei\u00df, dass man einen Kolbenf\u00fcller, also aus dem Tintenfass zu f\u00fcllen und nicht mit den verpackungsintensiven Patronen versehen, heute nur ab 100 Euro aufw\u00e4rts erstehen kann. 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