{"id":2578,"date":"2017-03-12T11:50:53","date_gmt":"2017-03-12T09:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2578"},"modified":"2023-12-08T22:59:47","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:47","slug":"kolumne-kw-10-2017-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2578","title":{"rendered":"Kolumne KW 10 2017 &#8222;Marx&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Marx<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So einen Film kann man sich nur in einem Szenekino ansehen, an den Fleischt\u00f6pfen des Kapitals, wie im A10, w\u00e4re das vollkommen deplatziert. Filmisch l\u00e4sst sich inzwischen aus dem 19. Jahrhundert einiges herausholen, da gab es noch echtes Elend, aber man konnte auch noch allerorten rauchen, und wenn das Geld noch so knapp war, f\u00fcr eine gute Zigarre und ein Glas Wein reichte es immer noch. So aus dem Vollen, wenn man dem Film \u00fcber den jungen Marx glauben darf, hat dieser in der Zeit seiner Jugend auch gelebt.<\/p>\n<p><!--more-->Es ist nat\u00fcrlich auch echtes Elend da, das sich inzwischen cineastisch in Szene setzen l\u00e4sst, als w\u00e4re es ein Film \u00fcber die alten R\u00f6mer. Dann die Frauengestalten, die einem vielleicht doch ein wenig zu gegenw\u00e4rtig vorkommen, wie auch die m\u00e4nnlichen Darsteller, die man allesamt in Kost\u00fcme des vorletzten Jahrhunderts gesteckt hat und die wohl doch moderne Menschen bleiben. Erst hat man den Eindruck, dass es vielleicht doch nicht gel\u00e4nge, die geistige Arbeit, die ja hinter dem ganzen Geschehen gesteckt hat, ins Filmische zu \u00fcbersetzen, aber als es dann ans Kommunistische Manifest geht, das ja eine gewisse poetische Gewalt hat, gelingt das dann doch noch.<\/p>\n<p>\nEs geh\u00f6rt heute schon Mut dazu, das Wort \u201ekommunistisch\u201c in den Mund zu nehmen, aber was dem Film auch gut gelang, war die damaligen Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse so ins Bild zu setzen, dass einem verst\u00e4ndlich wurde, wie man, um eine Theorie bem\u00fcht, zu gar keinen anderen Schlussfolge\u00adrungen kommen konnte, als dass es sich um einen Antagonismus handelt, also einen unvereinbaren Gegensatz. Deutlich wurde auch, wie sich diese Bewegung aus einer moralischen entwickelt hat, in der Kategorien wie Gerechtigkeit und Br\u00fcderlichkeit im Vordergrund standen. Es ist auch klar, dass man eine vorwiegend \u00f6konomisch begr\u00fcndete Theorie auch mit solchen Attributen versehen muss, wenn sie erfolgreich sein soll. Dieser menschliche Aspekt musste nat\u00fcrlich Poesie werden.<\/p>\n<p>\nAuch muss man wohl jener Zeit ein ausgepr\u00e4gtes Geistesleben bescheini\u00adgen und dieser Dr. Marx war wohl nicht nur als Manifestschreiber gebraucht, sondern wurde auch von der anderen Seite wahrgenommen. So konnte er ernsthaft ins Auge fassen, statt Aktionen mal wieder ein Buch zu schreiben und damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das sollte heute mal einer sagen: Ich brauche Geld, ich schreibe ein Buch. Damals war ja die diesbez\u00fcgliche Werbemaschinerie noch in den Kinderschuhen, aber die Neugier und F\u00e4higkeit, einem Gedankengang zu folgen und sich davon \u00fcberraschen zu lassen, waren noch ungleich gr\u00f6\u00dfer. Ja, die gute alte Zeit \u2026<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 11.3.2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marx &nbsp; So einen Film kann man sich nur in einem Szenekino ansehen, an den Fleischt\u00f6pfen des Kapitals, wie im A10, w\u00e4re das vollkommen deplatziert. Filmisch l\u00e4sst sich inzwischen aus dem 19. 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