{"id":2480,"date":"2016-11-13T12:51:24","date_gmt":"2016-11-13T10:51:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2480"},"modified":"2023-12-08T22:59:47","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:47","slug":"kolumne-kw-45-2016-telefonieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2480","title":{"rendered":"Kolumne KW 45 2016 &#8222;Telefonieren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Telefonieren<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe immer mehr Freunde und Verwandte, die aus unerfindlichen Gr\u00fcnden das Telefonieren gegen\u00fcber einem Brief vorziehen und sei er auch nur eine email. Eigentlich gibt es nur noch zwei, der eine aus eigenem Antrieb und immer mal wieder diesen Kommunikationsweg einfordernd, die andere, meinem Wunsch entsprechend, die noch schreiben. Zwar auch keine richtigen Briefe mehr, aber immerhin eloquente emails.<\/p>\n<p><!--more-->In den sozialen Medien, wo ja noch \u00fcberwiegend geschrieben wird, wenn man nicht eine Sprach- oder Bildnachricht sendet, ist scheinbar nur Raum f\u00fcr die absoluten Allt\u00e4glichkeiten. Man wird quasi aufgefordert, wohl noch durch einen realen Menschen oder eine virtuelle Gruppe, sich \u00fcber die einfachsten Dinge auszubreiten. Das ist insofern berechtigt, weil die Alltagsbew\u00e4ltigung ja heute schon eine gro\u00dfe Herausforderung ist, wie zum Beispiel zur rechten Zeit Laub zu harken oder eben ein Essen p\u00fcnktlich und toll auf den Tisch zu bringen. Manchmal kommt der Impetus, sich derart zu outen, auch von innen, denn indem man sich \u00fcber diese banalen Dinge ausbreitet, kann man auch mit Recht erwarten, dass der Gegen\u00fcber einen ebenso ins Vertrauen zieht, was die min\u00fctliche Abrechnung des eigenen Lebens betrifft. Man hat also Anteil aneinander und so weit so gut.<\/p>\n<p>\nSieht man den Umfang solcher, jeweils kurzgefasstesten Infos in der Gesamtheit, so kann man Mitgef\u00fchl mit den potenziellen Analysten entwickeln, die sich daraus vielleicht ein Pers\u00f6nlichkeitsbild basteln wollen oder aus den Daten der Handysensoren schlie\u00dfen wollen, ob derjenige gerade Kabolz schie\u00dft oder ruhig auf einer Gartenbank sitzt, man wei\u00df ja auch genau, wo. Jugendlichen ist dieser Verlust der Privatsph\u00e4re eher suspekt und sie kommunizieren z. B. nicht, ob sie online sind oder eine Nachricht gerade gelesen haben. Gegen\u00fcber irgendwelchen Leuten oder diesem kleinen Automaten nat\u00fcrlich doch, die daf\u00fcr sorgen, ob ein H\u00e4kchen gesetzt wird oder sich verf\u00e4rbt.<\/p>\n<p>\nEs gibt nat\u00fcrlich auch nur wenige, deren Leben wirklich fotogen ist, die etwas hervorbringen, das dann allgemeine Bewunderung hervorruft. Meine Frau, so h\u00f6rt man, soll zu diesen geh\u00f6ren und ich wei\u00df es nat\u00fcrlich aus eigener jahrelanger Erfahrung.<\/p>\n<p>\nNur, ein Brief ist etwas anderes. Er kann w\u00fcnschenswerter Weise sogar von Hand geschrieben sein. Er ist ein mehr oder weniger langer Monolog, der heute nicht mehr unbedingt auf Erwiderung hoffen kann. Mein letzter handgeschriebener Brief, der nur einer vertrauten Person galt, wurde auch nicht erwidert, denn man k\u00f6nne doch telefonieren, wo ein Wort das andere gibt, das Reaktionsverm\u00f6gen des anderen strapazierend, und schlie\u00dflich ist das dann, mit einiger \u00dcbung, ebenfalls ein Monolog, bei dem aber keiner mehr sagen kann, der andere h\u00e4tte nicht ausgiebigste Gelegenheit zur Erwiderung gehabt. Ein Telefonat ist eigentlich nie wichtig, ein Brief aber kann das durchaus sein. Doch wer wollte sich schon wichtig machen?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 6.11.2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Telefonieren &nbsp; Ich habe immer mehr Freunde und Verwandte, die aus unerfindlichen Gr\u00fcnden das Telefonieren gegen\u00fcber einem Brief vorziehen und sei er auch nur eine email. 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