{"id":246,"date":"2011-04-05T20:07:17","date_gmt":"2011-04-05T18:07:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=246"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"grosartig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/246","title":{"rendered":"Gro\u00dfartig"},"content":{"rendered":"<p>Auch dem Gedanken der deutsch-russischen Freundschaft verbunden ist man am MGH, da doch viele noch aus dem jetzt fernen weiten Land hergereist sind, das unter anderem den hervorragenden Schriftsteller Fjodor Dostojewski (1821-1881) hervorbrachte. Was in der Seele an Subtilem schlummert, er brachte es dramatisch zu Papier, auch wenn es sich man\u00adchmal um scheinbar banale Geschichten handelt, wie sie jedermann passieren k\u00f6n\u00adnen, und er widmet sich meistens Au\u00dfenseitern (Idiot, Spieler, Pfandleiher).<\/p>\n<p>Was Ilja Pletner auf die B\u00fchne brachte, die eigens im MGH improvisiert wurde, ist selbst\u00adge\u00ad\u00adschrieben, selbstinszeniert, selbst ausgestattet und selbst brillant gespielt. Die Gewis\u00adsens\u00adn\u00f6te des Pfandleihers, der die Sanfte sein eigen nannte, werden auf, neben und unter einem Tisch ausgetragen, der sowohl den Ladentisch dieses dubiosen Gesch\u00e4fts als auch einen Gute-Stuben-Tisch darzustellen vermag. <!--more--><\/p>\n<p>Was bei Dostojewski vorstellbar wird \u2013 hier wird es gegenst\u00e4ndlich in diabolischen bis hoch\u00ad\u00adfahrenden Gesten, vom Kriechertum bis zu den Freuden einer Kr\u00e4mer- und Jungm\u00e4n\u00adnerseele, die sich zu allem Geldverdienen jetzt auch noch dieses unzweifelhaft sch\u00f6ne und hingebungsvolle Wesen, die Sanfte, anzueignen verstand, mit dieser reinen Seele die eige\u00adnen Schandflecke hinwegzulieben.<\/p>\n<p>Der Pfandleiher, durch seinen Beruf ausgegrenzt, wie ein Henker der Armut, hatte diese selbst erfah\u00adren, als er aus dem Milit\u00e4rdienst unehrenhaft ausscheiden musste und bewahrt sich einen res\u00adpek\u00adtablen Rest an Mitgef\u00fchl, ist bei weitem kein Monster, Feigling oder Ty\u00adrann, so dass es nicht zwin\u00adgend erscheint, dass die Sanfte immer mehr unter dem mater\u00adiell aus\u00adk\u00f6mmlichen Leben, das sie vom absoluten Rand der Existenz her mit dieser Ehe er\u00adreichte, leidet, ja so lei\u00addet, dass sie sich sogar mit einem anderen Mann trifft, dabei aber klug und treu ihre Position als Gattin bewahrt, sie dahin kommt, dass sie ihren eigenen Mann er\u00adw\u00e4gt aus dem Leben zu bef\u00f6r\u00addern mit seinem, dem gleichen Revolver, mit dem er auch ihren \u201eFehltritt\u201c zu beenden wusste.<\/p>\n<p>Diese Seelengr\u00fcnde sind sehr russisch, ob deren Konsequenz wir Deutschen schon immer vor Neid erblasst sind, aber auch etwas zu grinsen haben, weil wir uns auf unsere sinn\u00adliche Gen\u00fcgsamkeit und unser Sattsein ganz sch\u00f6n etwas einbilden.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel 1.4.2011 <\/em>www.gedichtladen.de<\/em><\/p>\n<p>Ilja Pletner, Die Sanfte nach einer Erz\u00e4hlung von Fjodor Dostojewski 31.3.2011 19:00 Uhr MGH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch dem Gedanken der deutsch-russischen Freundschaft verbunden ist man am MGH, da doch viele noch aus dem jetzt fernen weiten Land hergereist sind, das unter anderem den hervorragenden Schriftsteller Fjodor Dostojewski (1821-1881) hervorbrachte. 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