{"id":2403,"date":"2016-10-02T13:09:00","date_gmt":"2016-10-02T11:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2403"},"modified":"2023-12-08T22:59:48","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:48","slug":"kolumne-kw-39-2016-schildbuerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2403","title":{"rendered":"Kolumne KW 39 2016 &#8222;Schildb\u00fcrger&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schildb\u00fcrger<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ruth Kraft (1920-2015) muss es wissen, denn die vor gut einem Jahr verstorbene Zeuthener Schriftstellerin ist in Schildau in der N\u00e4he von Torgau geboren worden. Sie hat 40 Jahre in Zeuthen gelebt, war hoch dekoriert und Mitglied des Vorstandes des DDR Schriftstellerverbandes. Da stand sie als Kind mit den Schildb\u00fcrgern praktisch auf Du und Du, die ja in Schilda beheimatet gewesen sein sollen im Land Misnopotamia, das heute nicht mehr aufzufinden ist.<!--more--><\/p>\n<p>Jeder kennt die Narretei, wie die Schildb\u00fcrger das Licht in ihr wegen eines Baufehlers finsteres Rathaus tragen wollten. Sie benutzten nicht nur S\u00e4cke und T\u00f6pfe, sondern ein besonders Pfiffiger sogar eine Mausefalle, um das Licht zu fangen und ins frischgebackene Rathaus zu tragen.<\/p>\n<p>\nVielleicht ist einem auch noch gegenw\u00e4rtig, dass sie auf einem Felde Salz s\u00e4ten, um nach der Reife der \u201eSalzpflanzen\u201c umso mehr davon zu haben, sodass sich jeder Schildische schon als m\u00e4chtiger Salzherr f\u00fchlte.<\/p>\n<p>\nDas Ende der Narretei f\u00fchrte dann ein \u201eMaushund\u201c herbei, der eigentlich eine gew\u00f6hnliche Katze war, die aber keinem in Schilda mehr bekannt war und von der sie meinten, dass sie nur im Anfang M\u00e4use fressen w\u00fcrde, dann aber zu Vieh und gar der Menschenfresserei \u00fcbergehen w\u00fcrde. Als die Schildb\u00fcrger diesen Maushund t\u00f6ten wollten, sich aber keiner mehr traute Hand anzulegen, wollten sie ihre einzige Katze erst im Getreidespeicher, und als die Katze floh, in den Zufluchtsh\u00e4usern ausr\u00e4uchern, womit sie sich letztlich um alle ihre H\u00e4user brachten, bis auf das, wo die Katze dann zum Schluss sa\u00df, wo sich aber keiner mehr hineintraute.<\/p>\n<p>\nWeniger gegenw\u00e4rtig wird einem noch sein, dass die Schildb\u00fcrger, die nebenbei auch eine sch\u00f6ne Persiflage auf die Demokratie sind, denn sie nehmen immer die kollektive Weisheit zu Hilfe, nicht immer n\u00e4rrisch gewesen sind, sondern einst weise und gefragte Ratgeber an allen H\u00f6fen waren und sich der Sage nach einer griechischen Abstammung r\u00fchmen durften. Die kurze Wahrheit ist, dass wenn man die Narretei beschlie\u00dft, um sich vor der Abordnung in fremde Lande zu sch\u00fctzen, man selbst n\u00e4rrisch werden kann, man also den Narren nicht spielen sollte.<\/p>\n<p>\nDie lange Wahrheit aber, dass selbst eine beachtliche Ansammlung von Narren (und wer kann von sich sagen, dass er keiner ist), die best\u00e4ndig und ausf\u00fchrlich in allen Dingen Rat halten, also rechte Demokraten sind, dennoch nicht kl\u00fcger werden als jeder einzelne von ihnen es schon gewesen, als man des Verstandes noch nicht entsagt hatte. Das Buch, das 1598 erstmals erschien, ist 1953 von Ruth Kraft neu gefasst worden und ist so gelungen, dass man es noch heute mit Vergn\u00fcgen lesen kann und es am liebsten abschreiben w\u00fcrde, was ich auch tat.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 1.10.2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schildb\u00fcrger &nbsp; Ruth Kraft (1920-2015) muss es wissen, denn die vor gut einem Jahr verstorbene Zeuthener Schriftstellerin ist in Schildau in der N\u00e4he von Torgau geboren worden. 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