{"id":2337,"date":"2016-06-19T12:19:03","date_gmt":"2016-06-19T10:19:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2337"},"modified":"2023-12-08T22:59:48","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:48","slug":"kolumne-kw-24-2016-kultur-in-der-kulturscheune","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2337","title":{"rendered":"Kolumne KW 24 2016 &#8222;Kultur in der Kulturscheune&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kultur in der Kulturscheune<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist wirklich das Ende der Welt, an dem Pritzen sich befindet, das unweit von Senftenberg liegt, in die sich noch zu Beginn der neunziger Jahre die Braunkohlebagger fra\u00dfen und auch dieses Dorf weggefressen h\u00e4tten, w\u00e4ren nicht die Wende und der Niedergang der ostdeutschen Rohstoffgewinnung gewesen.<\/p>\n<p><!--more-->Hufeisenf\u00f6rmig umgibt jetzt ein See, der immer noch ein bisschen aussieht, wie ein Tagebau, dieses kleine Dorf, in dem man au\u00dfer den Akteuren der Kunstscheune keinen Menschen sieht. Katja Wolf, die es sich auch beruflich zur Aufgabe gemacht hat, dieses gottverlassene Land mit Kultur zu begl\u00fccken, hatte die Kunstscheune mit gro\u00dfformatigen quadratischen Bildern best\u00fcckt, die alle einen identischen wei\u00dfen Rand besitzen und nun mitnichten zerst\u00f6rte und notd\u00fcrftig wiederhergestellte Land\u00adschaf\u00adten zeigten, sondern auf denen abstrakte Blaut\u00f6ne dominierten, manchmal abgel\u00f6st von auff\u00e4lligem Orange, alles sehr dekorativ, wenig auf das Detail versessen.<\/p>\n<p>\nDie damit verbundenen Seelenzu\u00adst\u00e4nde kann man nur erahnen, jedenfalls hat es das Blau, wohl des Himmels dort als auch des neugewonnenen Wassers, das man ja fr\u00fcher als Feind der Braunkohle aus den Tagebauen pumpen musste und das nun langsam von ihnen Besitz ergreift. Das Blau ist auch die Symbol\u00adfarbe der IBA, die sich die Rekultivierung dort zur Aufgabe gemacht hat. Von der IBA-See Gesellschaft blieb nur noch das kleine see auf blauem Grund \u00fcbrig.<\/p>\n<p>\nAnmutig erkl\u00e4rte die junggebliebene Hobbymalerin ihre Bilder, die sich nebenbei auch der Klangschalen\u00adtherapie und der Astrologie verschrie\u00adben hat, den anwesenden Interes\u00adsierten, die etwa 50 an der Zahl waren und wo ein Gutteil auch die weitl\u00e4ufige Familie ausmachte, f\u00fcr die allerdings weniger Zeit gewesen ist, denn viele wendeten sich immer wieder an die Malerin und wollten dieses Fest genie\u00dfen.<\/p>\n<p>\nDiese Phase dekorativer Kunst muss die Malerin in einem relativ engen Zeitrahmen ereilt haben, sodass fast alle Bilder aus dem Jahre 2015 stammten, einen Schaffensrausch k\u00f6nnte man das nennen. Mein Favorit war das Bild \u201eSeelenabschied\u201c, das gerade fertig geworden war, als sich eine Seele aus ihrer Verwandtschaft dann auch tats\u00e4chlich verabschiedete. Auch es ist blau gehalten, im Zentrum eine fl\u00e4chige Form, die im oberen Teil durch verschiedenartige Bl\u00fcten verziert ist. Besonders beeindruckend, dass die irgendwie ringartige Form im unteren Teil dann den Blick freigibt auf einen sonnenbeschienenen Weg, der dann zweifellos der Weg der Seele sein k\u00f6nnte, den sie ins Jenseits genommen hat. So m\u00f6chte man sich einen solchen Abschied gerne vorstellen und damit lasse ich sie in dem leichten Bedauern zur\u00fcck, dass Sie nicht dabei waren.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 19.6.2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kultur in der Kulturscheune &nbsp; Es ist wirklich das Ende der Welt, an dem Pritzen sich befindet, das unweit von Senftenberg liegt, in die sich noch zu Beginn der neunziger Jahre die Braunkohlebagger fra\u00dfen und auch dieses Dorf weggefressen h\u00e4tten,&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2337\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2337","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2337"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2337\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2339,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2337\/revisions\/2339"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}