{"id":2327,"date":"2016-05-31T10:37:49","date_gmt":"2016-05-31T08:37:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2327"},"modified":"2023-12-08T22:59:48","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:48","slug":"kolumne-kw-21-2016-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2327","title":{"rendered":"Kolumne KW 21 2016 &#8222;Geschichte&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Henri Quatre kann einem genauso lieb sein wie Friedrich der Staufer, nur dass ersterer eben K\u00f6nig von Frankreich und letzterer K\u00f6nig von Deutschland und Kaiser war. Beide waren exkommuniziert gewesen, der eine, weil er hugenottisch war und erst aus taktischen Gr\u00fcnden wieder zum katholischen Glauben zur\u00fcckgekehrt und der zweite hatte es mit den Sarazenen und arrangierte sich mit ihnen in Jerusalem sowie in seiner Heimatstadt Palermo auf Sizilien.<\/p>\n<p>\nWas aber beide noch st\u00e4rker verbindet, ist die Liebe zum sch\u00f6nen Geschlecht, sodass dies beinahe zur Hauptbesch\u00e4ftigung ihres Lebens wurde. Wenn auch nicht jeder ein K\u00f6nig sein kann, kann er doch die Frauen und ihre Sch\u00f6nheit verehren.<\/p>\n<p><!--more-->Sch\u00f6nheit ist heute so selten zu finden und noch seltener \u00fcberhaupt erreichbar. Man kann sich ja nicht nur in Modelbildnisse in Journalen oder in Schaufensterpuppen verlieben. Um wieviel reizender ist es, wenn einem eine Sch\u00f6nheit leibhaftig \u00fcber den Weg l\u00e4uft. Dabei sind Frauen ja nicht nur, selten genug; sehr sch\u00f6n, manche haben auch Mitgef\u00fchl und k\u00f6nnen einem sehr gute Ratschl\u00e4ge f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben geben, sie sind also auch ziemlich begabt f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben.<\/p>\n<p>\nWenn man dann von der Liebe liest, f\u00fcr die die weltliche Macht eher ein Hindernis ist, kann einem schon das Herz \u00fcbergehen. So ging es mir in der Jugend mit Heinrich Manns Roman Henri Quatre, den ich jetzt meinem Vater zu lesen geben wollte und der ihn nach wenigen Seiten wieder zur Seite gelegt hat und also nicht gelesen, oder ob es sich um das Schicksal von Pierre Siorac im Roman Fortune de France von Robert Merle handelt. In dessen Band \u201eDas K\u00f6nigskind\u201c ist Henri Quatre schon ermordet, aber sein Sohn Ludwig lebt ganz im Andenken seines Vaters.<\/p>\n<p>\nDas ist nun ein Hof mit vielen Intrigen und der Vater von Pierre ist so nett, ihm die Stelle des Kammerherrn bei dem noch minderj\u00e4hrigen K\u00f6nig zu beschaffen, was ihn ein h\u00fcbsches S\u00fcmmchen kostet. Die Regentin, die Mutter des kleinen K\u00f6nigs, ist immer bem\u00fcht, ihrem Sohn alle emotionalen Beziehungen zu vermasseln, dass er ihre Herrschaft nicht infrage stellen kann.<\/p>\n<p>\nAber das Sch\u00f6nste an diesem Roman von Robert Merle ist wiederum eine Liebesbeziehung, die der Protagonist gegen\u00fcber einer deutschen Gr\u00e4fin hegt, der es dann auch gelingt, obwohl sie Hugenottin ist, sich wieder in Paris niederzulassen. Sie ist eigentlich seine Deutschlehrerein gewesen und doppelt so alt wie der junge Siorac, sodass sich eine richtige Liaison verbietet, aber seine Liebe ist so herzzerrei\u00dfend, dass sie zum Schmuck des ganzen Romans wird, der sich ansonsten leider mehr um Hofintrigen rankt. Aber so viel ist, wenn man den Takt wahren m\u00f6chte, eben auch nicht zu einer leidenschaftlichen Liebe zu sagen, also m\u00f6chte auch ich davon schweigen.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 29.5.2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte &nbsp; Der Henri Quatre kann einem genauso lieb sein wie Friedrich der Staufer, nur dass ersterer eben K\u00f6nig von Frankreich und letzterer K\u00f6nig von Deutschland und Kaiser war. 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