{"id":2322,"date":"2016-05-22T12:45:17","date_gmt":"2016-05-22T10:45:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2322"},"modified":"2023-12-08T22:59:48","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:48","slug":"kolumne-kw-20-2016-geben-ohne-gegengabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2322","title":{"rendered":"Kolumne KW 20 2016 &#8222;Geben ohne Gegengabe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geben ohne Gegengabe<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rangsdorf hat auch eine Art Kunstzentrum. Da fand gestern der vierte Literaturtag statt. Zwei Workshops, einer f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen und einer f\u00fcr Erwachsene, die nun allerdings nicht nur erwachsen, sondern schon betagt waren. Es scheint so, dass die mittleren Jahrg\u00e4nge v\u00f6llig fehlen. Bei Jugendlichen erfreut sich die Schreiberei gro\u00dfer Beliebtheit und die Alten geben sich als M\u00f6chtegern\u00adschriftsteller und schreiben Erinnerungen auf, wobei sie nat\u00fcrlich auch auf die J\u00fcngeren abzielen, doch die sollen in diesem Fall nicht selbst schreiben, sondern aufmerksame Leser oder Zuh\u00f6rer sein, was die Omas da so zu Papier gebracht haben.<\/p>\n<p><!--more-->Den Erwachsenenkurs macht Antje Wagner, eine Jugendbuchautorin, die es schon zu was gebracht hat, denn sie hat schon einen Preis bekommen und ein Buch von ihr soll jetzt verfilmt werden. Ihre B\u00fccher, aus denen sie ein paar Kostproben vorliest, sind auch schon fast wie ein Film. Alles in konkretester Weise beschrieben, alle Sinne einbezogen, sodass es des visuellen Eindrucks eigentlich gar nicht mehr bedarf. Sie hat Bl\u00e4tter vorbereitet, die ein Bild enthalten, man soll daraus eine Pers\u00f6nlichkeit mit Hoffnungen, sozialer Verortung, \u00c4ngsten und einem gro\u00dfen Geheimnis machen, wenn es ein gro\u00dfer Text werden soll. Ist das Geheimnis klein, ist es dann eben auch der Text&#8230;<\/p>\n<p>\nDie M\u00f6chtegernschriftsteller schrei\u00adben emsig und immer wieder gibt die Schriftstellerin neue Anweisungen, die einen irgendwie einschr\u00e4nken, mal soll man den Raum so erstehen lassen, dass man ihn sich vorstellen kann, wie in einem Film, mal soll man m\u00f6glichst wenig Adjektive verwenden, weil sie den Lesefluss nur hemmen w\u00fcrden, mal soll man m\u00f6glichst kurze S\u00e4tze verwenden, ganz wie ein Journalist, der die Hausfrauen keinesfalls \u00fcberfordern soll. Unter diesen Randbedingungen zu schreiben, ist fast unm\u00f6glich, und was man dann so produziert hat, l\u00e4sst sie sich nicht mal vorlesen, weil dazu angeblich keine Zeit ist, eine Qual f\u00fcr M\u00f6chte\u00adgern\u00adschriftsteller.<\/p>\n<p>\nWo Antje Wagner die Energie hernimmt, immer wieder Ratschl\u00e4ge zu geben, wobei sie nicht mal die Ergebnisse auch nur im Geringsten einsch\u00e4tzen kann, bleibt einem ein R\u00e4tsel. Sie ist eigens aus Hildesheim angereist und bekommt sicher ein Honorar. Sie gibt aus ihrem Erfahrungsschatz und bekommt kein Feedback.<\/p>\n<p>\nEigentlich wird sicher zu viel geschrieben. Die Hoffnung auf Leser erf\u00fcllt sich f\u00fcr die meisten nicht mehr. Das ist ein Geben, das eigentlich eine Gegengabe verlangt, n\u00e4mlich das Lesen und wenn es ganz gut l\u00e4uft, sogar etwas wie Begeisterung und Anerkennung. Auch ich bin nicht ganz frei von diesen Zielen, aber es ist auch eine gro\u00dfe Genugtuung, wenn man meint etwas geben zu k\u00f6nnen ohne jegliche Gegengabe zu erwarten. Ist das nicht das wirkliche Geben?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 22.5.2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geben ohne Gegengabe &nbsp; Rangsdorf hat auch eine Art Kunstzentrum. Da fand gestern der vierte Literaturtag statt. Zwei Workshops, einer f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen und einer f\u00fcr Erwachsene, die nun allerdings nicht nur erwachsen, sondern schon betagt waren. Es&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2322\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2322","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2322"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2322\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2325,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2322\/revisions\/2325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2322"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}