{"id":2121,"date":"2015-09-27T13:31:44","date_gmt":"2015-09-27T11:31:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2121"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw39-vorfreude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2121","title":{"rendered":"Kolumne KW39 &#8222;Vorfreude&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eVorfreude\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind offenbar nicht wenige Kinder, die in langen Wintern\u00e4chten gezeugt wurden, und so nimmt es nicht wunder, dass sich dann im September die Geburtstage h\u00e4ufen. Auch im Vorstand der Undichter haben 50% im September Geburtstag, was man als Schriftf\u00fchrer nicht \u00fcbersehen kann, denn diese Daten sind ja in einem Verein in amtliche Papiere einzutragen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nAuch mein Freund in Westberlin hatte gestern Geburtstag und die ganze Gesellschaft altert flei\u00dfig mit ihm mit. Beinahe h\u00e4tte ich die Columne wieder mit der Wendung: \u201eGestern begeg\u00adnete mir auf einem Fest \u2026\u201c beginnen k\u00f6nnen, aber er ist es ja selbst, der mich immer wieder mit unvorher\u00adgesehenen Ansichten und einem sicheren \u00e4sthetischen Urteil \u00fcber\u00adrascht.<\/p>\n<p>\nSo hatten wir eine Diskussion \u00fcber ein recht als Machwerk misslungenes Gedicht, das einer dieser Undichter als ein rechtes Spannungsfeld in den Ring warf, als es allen gerade so richtig und rundum gutging. Es handelt davon, wie erst ein Hund gefesselt und verbrannt wird, dann stellt sich der Autor vor, dass man den M\u00e4dchen auch mal an die Br\u00fcste fassen k\u00f6nnte, und weil eins davon offenbar mit dem armen Hund f\u00fchlt, wird es ebenso gefesselt und verbrannt. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, fiel ihm dann noch ein, wieder bei dem Hund zu beginnen, dann wieder die Grabscherei und dann das n\u00e4chste M\u00e4dchen verbrannt und immer so weiter. Das alles soll ein anonymes Unrecht sein, dem der Verfasser dieser Uns\u00e4glichkeit ein Gesicht geben m\u00f6chte, beklagt sich nun noch, dass es au\u00dfer bei seinen Fans recht schlecht ankommt und dass man sich eben h\u00fcten m\u00fcsse, dem Unrecht ein Gesicht zu verleihen. Ja, warum muss man sich nur h\u00fcten?<\/p>\n<p>\nWeil es offenbar Phantasien ent\u00adspringt, denen man nicht \u00fcber den Weg trauen kann. Weil er selbst in Verlegenheit ist, sein Kunstwerk zu erkl\u00e4ren, was man \u00fcbrigens gar nicht k\u00f6nnen m u s s . Denn wisse, das Kunstwerk kann gr\u00f6\u00dfer sein als der Sch\u00f6pfer desselben.<\/p>\n<p>\nDie vorwitzigsten Interpretationen gehen sogar so weit, dass es sich um eine v\u00f6llig neue Kunstform handelt, wie der Sturm und Drang die steife Aufkl\u00e4rung abl\u00f6ste und die vergan\u00adgenheitsse\u00adlige Romantik die Klassik. Wer nicht wei\u00df, in welchem Zeitalter der Kunst wir uns gerade befinden, dem sei gesagt, dass wir immer noch in der \u201ePost\u00admo\u00adderne\u201c stecken, wo Kunst manchmal nur noch Aktion ist und  Gedichte in m\u00f6glichst \u201efreien\u201c, sprich weniger kunstvollen, Versen daher\u00adkom\u00admen.<\/p>\n<p>\nWollten wir die Jetztzeit mit einem Wort charakterisieren, so k\u00f6nnte sie die Zeit der entfesselten Gewalt sein. Aber die Kunst kann ja pr\u00e4gend wirken, ihr Zeitalter immer noch etwas \u00fcbertreffen, und wenn das wirklich die neue Kunstform, das neue Kunstzeitalter ist, dann verdiente sie den Namen der \u201ePerfidie\u201c.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe, den 26.9.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVorfreude\u201c &nbsp; Es sind offenbar nicht wenige Kinder, die in langen Wintern\u00e4chten gezeugt wurden, und so nimmt es nicht wunder, dass sich dann im September die Geburtstage h\u00e4ufen. 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