{"id":2117,"date":"2015-09-20T12:46:02","date_gmt":"2015-09-20T10:46:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2117"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw38-soldatsein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2117","title":{"rendered":"Kolumne KW38 &#8222;Soldatsein&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Soldatsein<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern bei einem Fest begegnete mir ein junger Mann, der wohl gerade erst vollj\u00e4hrig geworden ist. Er war sehr still und in sich zur\u00fcckgezogen. Man sagt, er verbringe seine Zeit selten auf solchen Festen, sondern eher vor dem Computer, wo er sein Kindsein, das ja nach meinen Erfahrungen bis in das Rentenalter hineinreicht, auslebt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nEs ist ja nicht neu, dass sich junge Leute f\u00fcr das Soldatsein entscheiden. Meistens sind es ja wirtschaftliche Motive, weshalb wir ja nun auch die vielen Fl\u00fcchtlinge haben. Da gibt es also die Flucht junger Leute unter einen Rettungsschirm, der da hei\u00dft: Bundeswehr. Wir leben ja nicht in einem Staat, der sich mit Welteroberungspl\u00e4nen tr\u00e4gt, wie das vor achtzig Jahren noch der Fall war. Eigentlich sind die Deutschen gar nicht mehr aggressiv und diese Haltung geradezu verschrien.<\/p>\n<p>\nAu\u00dfer Bier gab es auf diesem Fest, das eine Jugendweihe war, bei der man auch schon meinte, einen die Kindheit beenden zu lassen, keine alkoholischen Getr\u00e4nke. Dieser junge Mann hatte sich allerdings selbst seine bevorzugte Biersorte, n\u00e4mlich Porter, mitgebracht und trank an diesem Nachmittag sechs Flaschen davon. Ich dachte immer, Porter sei ein Starkbier, aber er kl\u00e4rte mich auf, dass es nur 2,5% hat und man durchaus an einem Nachmittag mal sechs Flaschen davon trinken k\u00f6nne.<\/p>\n<p>\nNat\u00fcrlich vermutete ich auch bei ihm wirtschaftliche Motive f\u00fcr seinen Wunsch, in die Reihen der Bundeswehr aufgenommen zu werden, aber er sagte, dass er gerade eine kleine Erbschaft gemacht h\u00e4tte und so gerade keine Geldsorgen h\u00e4tte. Er hatte von seiner Gro\u00dfmutter geerbt, die Schafe gehalten hat und alles erledigte, was da dran h\u00e4ngt: scheren, Wolle waschen, kardieren, spinnen und stricken. Dann nat\u00fcrlich auch verkaufen und Groschen f\u00fcr Groschen beiseite legen, bis dann eine erkleckliche Eurosumme zusammen\u00adkommt, die man seinem einzigen Enkel vererben kann.<\/p>\n<p>\nSein Wunsch, zur Armee zu gehen, sei schon vorher dagewesen und als er die Erbschaft machte sei ein kleiner Ruck durch ihn gegangen und er habe sich noch ein bisschen erwachsener gef\u00fchlt, aber von seinem Wunsch, zur Truppe zu gehen, habe es ihn nicht abgebracht.<\/p>\n<p>\nWas er sich denn dort vorstelle und verspreche, wenn er unter lauter Haudegen ist, die nicht mal die Schule richtig zuende bringen konnten (er machte einen ziemlich intelligenten Eindruck). Da sagte er zu meinem Erstaunen, dass es ihm einfach nicht liege, etwas zu schaffen, dass er einer gew\u00f6hnlichen Arbeit einfach nicht nachgehen k\u00f6nne und es sowieso bald Krieg geben w\u00fcrde bei uns.<\/p>\n<p>\nEs k\u00f6nnte sich also um eine psychische Disposition handeln, die von einer gewonnenen \u00dcberzeugung gen\u00e4hrt wird, die kaum einer nachvollziehen kann, oder gibt es jemanden, der das versteht?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe, den 20.9.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soldatsein &nbsp; Gestern bei einem Fest begegnete mir ein junger Mann, der wohl gerade erst vollj\u00e4hrig geworden ist. Er war sehr still und in sich zur\u00fcckgezogen. 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