{"id":2115,"date":"2015-09-15T23:26:35","date_gmt":"2015-09-15T21:26:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2115"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"g-j-endlosschleife-versuch-einer-literaturwissenschaftlichen-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2115","title":{"rendered":"G. J.: \u201eEndlosschleife\u201c \u2013 Versuch einer literaturwissenschaftlichen Interpretation*"},"content":{"rendered":"<p>Frei nach dem Motto von Oscar Wilde, dass in der Kunst wahr sei, von dem auch das Gegenteil wahr ist, soll eine literaturwissenschaftlich inspirierte Interpretation versucht werden, die dem Rechnung tr\u00e4gt, dass der Autor mit dem Gewaltt\u00e4tigen gar nicht lieb\u00e4ugelt, sondern sich auf der Seite des Guten sieht, sprich, in der Anfangsphase sich mit dem Hund identifiziert.<br \/>\nEs ficht ihn nicht an, sich damit in ein nicht mehr menschen\u00e4hnliches Wesen zu versetzen, sondern in ein Tier, das doch geradezu sprichw\u00f6rtlich der Pr\u00fcgelknabe ist, der aber auch, man denke an Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter, letztlich triumphiert, weil er ja eben bei\u00dfen kann.<br \/>\nIm Gedicht von G.\u00a0J. macht der Hund davon allerdings keinen Gebrauch und l\u00e4sst sich rituell opfern. Als T\u00e4ter kommen auf jeden Fall andere als man selbst in Frage, die es mit den unwissenden M\u00e4dchen treiben, die einen Teil des Publikums bilden und bei denen der krude Umgang mit dem armen Hund \u00fcberwiegend gut ankommt, die sich mit Schleifen geschm\u00fcckt haben und deren L\u00f6sen der Geilheit anheimstellen.<br \/>\nDieser Teil kann auch als Ausdruck der liebevollen Zuwendung durch den Autor selbst gedacht werden, der damit allerdings kurzzeitig in das geschm\u00e4hte SIE eintauchen w\u00fcrde, das er sich sonst so gern vom Leib h\u00e4lt. Es darf einfach kein Ich werden oder wollte er damit eine sublime zweite Ebene einziehen?<br \/>\nDie Gewaltt\u00e4tigkeit des SIE haftet fast allen an, au\u00dfer des Autors engstem Kreis. Denn da gibt es das eine M\u00e4dchen, das weint, offenbar ein mitleidendes Wesen, eine, die mit dem armen Hund mitf\u00fchlt. In Wirklichkeit ist dieses eine M\u00e4dchen mindestens dreifaltig, es sind A., L.\u00a01 und L.\u00a02, die, wie abzusehen war, erkl\u00e4rte Anh\u00e4nger des Gedichtes sind und wegen des Mitf\u00fchlens mit dem ersten Opfer \u2013 dessen Schicksal ja nun einmal entschieden w\u00e4re, w\u00e4re er nicht nur sein lyrisches Ich, wie alle anderen genannten auch \u2013 jetzt selbst an die Reihe kommen, die er seit Jahrzehnten umsorgte und liebte, ja, auch bewachte.<br \/>\nUnbeschadet dessen, dass wir auf der T\u00e4terseite eigentlich nur C.\u00a01 und C.\u00a02 haben, wird den dreien, die dieses eine mitf\u00fchlende M\u00e4dchen sind, das weint, nun ebenfalls der Garaus gemacht und gleich darauf weitere Opfer gesucht, wieder von vorn begonnen und das bis in alle Unendlichkeit. Das k\u00f6nnen nat\u00fcrlich die beiden Einzelt\u00e4ter nicht leisten, m\u00f6gen sie sich noch so sehr und berechtigt selbst als Opfer f\u00fchlen, sondern da gibt es noch das unendlich gro\u00dfe Publikum, dem der Hund meinte seine Kunstst\u00fccke zur Freude vorf\u00fchren zu k\u00f6nnen und es auch immer wieder das eine oder andere M\u00e4dchen geben k\u00f6nnte, das ihn wirklich liebt.<br \/>\nDer circulus vitiosus, in seiner ewigen Dauer zugespitzt dargestellt, fordert geradezu zum Umsturz dieser Verh\u00e4ltnisse heraus.<br \/>\nDem so verrenkten Geist des Lesers wird es nun sehr gew\u00f6hnlich vorkommen, sich den Barockdichter und die Bl\u00fcmchenlyrikerin als Opfer vorzustellen, selbst wenn sie eben gerade zwei sind, aber f\u00fcr eine literaturwissenschaftliche Analyse, die immer das Unvorhergesehene, das Herbeigeschriebene bevorzugt, ist das in aller Ausf\u00fchrlichkeit Dargelegte eben eher die Wahrheit.<\/p>\n<p>\n<em>C. 2 14.9.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frei nach dem Motto von Oscar Wilde, dass in der Kunst wahr sei, von dem auch das Gegenteil wahr ist, soll eine literaturwissenschaftlich inspirierte Interpretation versucht werden, die dem Rechnung tr\u00e4gt, dass der Autor mit dem Gewaltt\u00e4tigen gar nicht lieb\u00e4ugelt,&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2115\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-2115","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2115"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2116,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2115\/revisions\/2116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}