{"id":2098,"date":"2015-08-23T15:56:45","date_gmt":"2015-08-23T13:56:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2098"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw34-der-waechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2098","title":{"rendered":"Kolumne KW34 &#8222;Der W\u00e4chter&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der W\u00e4chter<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gibt es ihn noch, den W\u00e4chter, der n\u00e4chtens mit seiner Laterne umgeht und sieht, dass es auch kein Feuer g\u00e4be?<\/p>\n<p>\nGibt es ihn noch, den W\u00e4chter, der mit dem Scheine seiner Weisheit in jede Tiefe der so reichen und schwierigen deutschen Sprache leuchtet, um auch nur das kleinste fehlgesetzte Zeichen zu finden und auszumerzen?<!--more--><\/p>\n<p>\nJetzt hat man eher mit einem Zeltplatzw\u00e4chter zu tun, der darauf achtet, dass keiner zu schnell f\u00e4hrt, sein Zelt etwa am Platz seines Gutd\u00fcnkens errichten will oder die N\u00e4chte bei lautstarker Musik verbringen. F\u00fcr die Zeltplatzw\u00e4chter ist jetzt noch f\u00fcr anderthalb Wochen Saison und erst dann kann er wieder zu einem guten Buch greifen, was weniger wahrscheinlich ist, sich nach Lust und Laune betrinken und selbst Musik h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\nSaison ist allerdings auch f\u00fcr die W\u00e4chter der deutschen Sprache, denn Studenten haben Einreichungstermi\u00adne, die oft mitten in den Ferien liegen, doch die W\u00e4chterkollegen haben sich ebenfalls in die Ferien begeben und es wird manchmal schon schwierig, die Hotline zu besetzen. Die Illusion einer st\u00e4ndig auf Hochtouren laufenden Maschinerie muss auch in den Lektoraten aufrecht erhalten werden, die m\u00f6glichst von allem genauso viel verstehen sollen wie die Autoren und das, was dieser schon f\u00fcr ein fertiges Produkt h\u00e4lt, noch mal ummodeln und korrigieren. Da hilft nicht nur lesen, lesen und nochmals lesen, da muss man sich auch in den 136 Rechtschreibregeln auskennen, die man gl\u00fccklicherweise im Internet schnell parat hat.<\/p>\n<p>\nDer W\u00e4chter, freilich, \u00fcber den Inhalt ist noch nicht erfunden, das bleibt dem Autor \u00fcberlassen, ob er sich in seine Karten gucken l\u00e4sst, was er sich ausgedacht hat und was recherchiert ist. In der Regel l\u00e4sst der Autor den Leser damit allein. Nur der ber\u00fchm\u00adteste Schweizer  Schriftsteller Martin Suter, der zwar erst seit zwanzig Jah\u00adren schreibt, \u00f6ffnet bereitwillig am Ende eines Buches seinen Werkzeugkasten und sagt, nun hier, schau her, was ich zusam\u00admenreimte und was echt ist.<\/p>\n<p>\nSein Buch \u201eDie Zeit, die Zeit\u201c ist ja nicht nur mitrei\u00dfend durch den fl\u00fcssigen und humorvollen Stil, es bringt uns auch eine Theorie nahe, an die manche zu glauben scheinen, dass man n\u00e4mlich die Zeit auf einen beliebigen Zeitpunkt zur\u00fcckstellen kann, wenn man nur alles ganz genauso einrichtet, wie es damals war, eine sch\u00f6ne Aufgabe f\u00fcr Sammler und Nostalgiker. Das Andenken bewahren mit den Dingen, die eine vergangene Zeit ausgemacht haben, das ist nicht nur eine Aufgabe f\u00fcr Museen, son\u00addern jeder kann es versuchen.<\/p>\n<p>\nDer beste Beweis, dass das geht, ist ja, wenn man aus dem Urlaub zur\u00fcck\u00adkommt und die Arbeit ist immer noch so da, wie man sie verlie\u00df. Wer hat da nicht schon gedacht, dass in der Firma die Zeit stehenblieb?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel am 21.8.2015 irgendwo an der Ostseek\u00fcste<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der W\u00e4chter &nbsp; Gibt es ihn noch, den W\u00e4chter, der n\u00e4chtens mit seiner Laterne umgeht und sieht, dass es auch kein Feuer g\u00e4be? Gibt es ihn noch, den W\u00e4chter, der mit dem Scheine seiner Weisheit in jede Tiefe der so&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2098\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2098"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2102,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2098\/revisions\/2102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}