{"id":2085,"date":"2015-08-02T15:56:19","date_gmt":"2015-08-02T13:56:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2085"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw31-endlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2085","title":{"rendered":"Kolumne KW31 &#8222;Endlich&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Endlich<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Versetzen wir uns ins Jahr 1922, wo Rilke an die F\u00fcrstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe die folgenden Worte richtete<\/p>\n<p>\nEndlich,<br \/>\nF\u00fcrstin,<br \/>\nendlich, der gesegnete, wie gesegnete Tag,<br \/>\nda ich Ihnen den Abschluss \u2013 so weit ich sehe \u2013 der Elegien anzeigen kann:<br \/>\nZehn! \u2026<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nStrenggenommen war Rilke da noch gar nicht ganz fertig, weil einige Verse noch fehlten und eine Elegie dann noch durch eine andere ersetzt wurde.<\/p>\n<p>\nIch w\u00fcsste nicht, wem ich sagen k\u00f6nnte:<\/p>\n<p>\nEndlich, endlich sind die Seiten zu ende gedacht<br \/>\nSechzehn!<\/p>\n<p>\nIm Gegensatz zu Rilke kann ich mir nicht selber best\u00e4tigen, dass ich fertig bin, sondern muss noch das Urteil eines genauen Menschen abwarten, der so viel besch\u00e4ftigt ist, dass ich als \u201eLieferant\u201c mich immer wieder in Erinnerung bringen muss und bitten, dass mein Urteil endlich werde.<\/p>\n<p>\nDas w\u00e4re dann der Abschluss einer halbj\u00e4hrlichen Arbeit, bei der ich mich nicht nur an einen Baumstamm anzulehnen hatte und zu warten, dass es mir eingegeben wird, denn Rilke war der Meinung, nicht er h\u00e4tte das alles geschrieben, sondern es sei \u00fcber ihn gekommen.<\/p>\n<p>\nBei ihm bedurfte es erst eines Schlosses, auf dem er nicht zur Einkehr gekommen war, weil ihn seine Frauengeschichten besch\u00e4ftig\u00adten, dann noch eines Schlosses, das er sich eigentlich nicht h\u00e4tte leisten k\u00f6nnen und da gelang ihm, was acht Jahre, in denen auch der erste Weltkrieg stattgefunden hatte, liegengeblieben war, in nicht viel mehr als einer Woche.<\/p>\n<p>\nWie klein ist doch unsere Welt gegen die dieses einmaligen Dichters. Er hatte sich bei seinem Leben aus dem Koffer vor allem Einsamkeit erk\u00e4mpft, bei allen reichen Kontakten, die er pers\u00f6nlich und brieflich unterhielt, und was er f\u00fcr Briefe schreiben konnte, die reinsten Kunstwerke.<\/p>\n<p>\nWir betteln nun darum, dass wir einen Schrei aussenden k\u00f6nnen, der in der \u201eEngel Ordnungen\u201c wenigstens geh\u00f6rt wird. Rilke war auch manchmal nach Schreien, er sehnte sich nach einem Arbeitszimmer, in dem er auf und abgehen k\u00f6nne, rezitieren, was er ausgezeichnet verstand, und zu allem \u00dcberfluss auch weinen, woran er ein tiefes Defizit hatte und es gar nicht so unm\u00e4nnlich gefunden h\u00e4tte.<\/p>\n<p>\nVielleicht steht das Weinen so auf der Wunschliste des Dichters, weil es die Reaktion ist, die er gern hervorrufen m\u00f6chte. Indem er es erlebt, k\u00f6nnte er sich der Vermittlung dieser Gef\u00fchls\u00adregung auch etwas n\u00e4her bringen.<\/p>\n<p>\nW\u00fcrde man sonst ausgerechnet Elegien als Hauptwerk schaffen?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe, den 1.8.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich &nbsp; Versetzen wir uns ins Jahr 1922, wo Rilke an die F\u00fcrstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe die folgenden Worte richtete Endlich, F\u00fcrstin, endlich, der gesegnete, wie gesegnete Tag, da ich Ihnen den Abschluss \u2013 so weit ich sehe&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2085\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2085","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2085"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2088,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2085\/revisions\/2088"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}