{"id":2076,"date":"2015-07-19T14:16:31","date_gmt":"2015-07-19T12:16:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2076"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw29-an-den-ort-des-geschehens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2076","title":{"rendered":"Kolumne KW29 &#8222;An den Ort des Geschehens&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>An den Ort des Geschehens<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ja fast f\u00fcnfhundert Jahre her, dass Mitteldeutschland das Zentrum der europ\u00e4ischen Geschichte war, als sowohl die Bauernkriege tobten, als auch die Reformation begann Fu\u00df zu fassen.<\/p>\n<p>\nUnd zehn Jahre ist es her, dass ich mich mit der Apokalypse besch\u00e4ftigte, mit dem Propheten Daniel, der auch Thomas M\u00fcntzer so inspiriert hat, dass er sich mit seiner Theorie der Reiche auseinandersetzte, die sich vom Goldenen, \u00fcber das Silberne, das Kupferne in das Eiserne Zeitalter entwickeln und man schlie\u00dflich in einem Gemischten anlangt, bei dem sich Ton (M\u00fcntzer nennt ihn Kot) mit Eisen mischt und es dann zum unwiederbringlichen Ende kommt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nEs soll sich n\u00e4mlich ohne Zutun des Menschen erst ein St\u00fcpplein, also ein Steinchen aus den Bergen l\u00f6sen, das diese als Statue gedachte Gestalt aus den menschlichen Zivilisationen von den gemischten F\u00fc\u00dfen her zerst\u00f6rt, zu weltf\u00fcllender Gr\u00f6\u00dfe anw\u00e4chst und nichts von den Kulturen zur\u00fcckl\u00e4sst als eben sich selbst als alles erf\u00fcllende Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>\nMan kann diese Prophetie, die M\u00fcntzer auf die damalige Zeit vor f\u00fcnfhundert Jahren bezogen hat, auch auf die heutige Welt beziehen und ein nahe bevorstehendes Ende vorhersagen. Wir hatten das unl\u00e4ngst wieder einmal durch das Ende des Mayakalenders. Zu diesem Anlass war mal wieder das Weltenende in Aussicht gestellt worden.<\/p>\n<p>\nNun reisen wir in den Harz und werden wohl auch dem Kyffh\u00e4user einen Besuch abstatten, also auf den Spuren M\u00fcntzers wandeln und man kann gespannt sein, was sich von dieser Zeit da noch finden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\nNach einem Weltenende ist uns gerade nicht zumute, man k\u00f6nnte es ja auch wie die Fr\u00fchromantiker umdeuten und aus der Apokalypse einen Kreislauf machen, bei dem auf das Gemischte Zeitalter wieder das Goldene Zeitalter folgen k\u00f6nnte, auf das wir nun auch schon wieder \u00fcber zweihundert Jahre warten.<\/p>\n<p>\nNicht einmal erkl\u00e4rtes Ziel ist es mehr, das Goldene Zeitalter herbeizupoetisieren. Wir sind so satt von allem, was wir haben, dass wir uns weder um m\u00f6gliche Bedrohungen des Lebens sorgen, noch uns bem\u00fchen, die gegenw\u00e4rtige Phase der kulturellen Entwicklung irgendwie einzuordnen. Den M\u00fcntzer, der sich aufschwang vor seinen F\u00fcrsten zu predigen und sie zur Umkehr aufzufordern, haben wir fast vergessen. Er wird heute als bedauerlicher Fall des Fanatismus gehandelt, w\u00e4hrend ihn Luther sogar als \u201eSatan von Allstedt\u201c gebrandmarkt hat.<\/p>\n<p>\nMit Fanatikern haben wir es nicht mehr, sie sind heute einfach Terroristen. Der Lauf der Geschichte erscheint aufgehalten oder sollte man es lieber eingeschlafen nennen? Wo sollten wir sie da noch hernehmen, die Sehnsucht nach einem Goldenen Zeitalter, wenn wir nicht einmal mehr das gegenw\u00e4rtige Zeitalter definieren k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe, den 19.7.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An den Ort des Geschehens &nbsp; Es ist ja fast f\u00fcnfhundert Jahre her, dass Mitteldeutschland das Zentrum der europ\u00e4ischen Geschichte war, als sowohl die Bauernkriege tobten, als auch die Reformation begann Fu\u00df zu fassen. 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