{"id":2015,"date":"2015-03-16T20:33:43","date_gmt":"2015-03-16T18:33:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=2015"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw11-kunsterlebnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/2015","title":{"rendered":"Kolumne KW11 &#8222;Kunsterlebnis&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kunsterlebnis<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vieles, was man heute an Kunst sieht, m\u00f6chte man gar nicht als solche bezeichnen. Oft ist es nur eine mehr oder weniger originelle Idee, die wenig mit K\u00f6nnen zu tun hat.<\/p>\n<p>\nGestern sahen wir in Halle die Aus\u00adstellung \u201eTurn it around\u201c, was immer das auch bedeuten soll. An dieser Ausstellung sind 11 junge K\u00fcnstler beteiligt und die Handschriften sind sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nTrotzdem kann man ein Motto \u00fcber diese so unterschiedlichen Werke schreiben: Vermarktbar, k\u00f6nnte es lauten, denn man kann sich fast alles auch in einer Bankfiliale vorstellen, in der aus Verzweiflung \u00fcber die Einfallslosigkeit des Geldes, selbiges verwendet wird, um ein kleines Erstaunen hervorzurufen.<\/p>\n<p>\nNichts eignet sich besser zum Borgen einer Identit\u00e4t als Kunst. Man kann so tun, als h\u00e4tte man selbst diese au\u00dfergew\u00f6hnlichen Einf\u00e4lle, als w\u00e4ren Banker auch ein wenig K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>\nDa findet man eine Holzskulptur eines Frauenkopfes, dessen Haare holzbelassen sind, aber das Gesicht ist bemalt und sieht aus, wie geschminkt. <\/p>\n<p>\nDa sieht man zwei Lichtk\u00e4sten, die aussehen wie die fig\u00fcrliche Buntverglasung von Kirchenfenstern, aber die dargestellten Figuren sind Ersatzheilige, in diesem Fall Madonna und George Clooney. Auch das ist sehr dekorativ, wenn man sich nicht daran st\u00f6rt, dass es eine kritische Aussage beinhaltet.<br \/>\nEif\u00f6rmige \u00fcberdimensionale Weih\u00adnachts\u00ad\u00adkugeln zeigen, durchsichtig im Innern Fotografien von Atompilzen auf transparentem Untergrund, die man fast als sch\u00f6n bezeichnen k\u00f6nnte, was verst\u00f6rend wirken soll.<\/p>\n<p>\nEin anderer K\u00fcnstler hat gro\u00dfe K\u00f6rper nach dem Prinzip des Aposematismus geschaffen, wobei durch auff\u00e4llige F\u00e4rbungen die eigentliche Form in den Hintergrund tritt und in der Tierwelt der Warnung und Verunsicherung dient.<\/p>\n<p>\nDrei schlafende Seraphime auf Kinderliegen hat meine Tochter beigesteuert. Diese Engelswesen verf\u00fcgen \u00fcber sechs Fl\u00fcgel, die sie um Leib und Gesicht geschlagen haben und nur die r\u00fchrenden kindlichen F\u00fc\u00dfe schauen heraus. Immer wieder schauen Leute nach, ob auch die Gesichter da sind, die auf diese Weise verborgen sind.<\/p>\n<p>\nNicht alle Werke k\u00f6nnen hier genannt werden, aber man kann sich noch bis zum 6. April selbst \u00fcberzeugen, was dort alles zu sehen ist, wenn einen der Weg nach Halle f\u00fchrt. Man w\u00fcnscht den K\u00fcnstlern ein ausk\u00f6mmliches Leben und dass ihnen die Einf\u00e4lle und Techniken nicht ausgehen. Doch nicht allen ist das bisher beschieden, ihr Leben ist eher ein Kampf ums \u00dcberleben. Man kann sich damit tr\u00f6sten, dass das schon immer so war, aber man m\u00f6chte dieses Lebens\u00adelement heute weniger vermissen, denn je.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe, den 16.3.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunsterlebnis &nbsp; Vieles, was man heute an Kunst sieht, m\u00f6chte man gar nicht als solche bezeichnen. Oft ist es nur eine mehr oder weniger originelle Idee, die wenig mit K\u00f6nnen zu tun hat. 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