{"id":1972,"date":"2015-01-12T11:37:42","date_gmt":"2015-01-12T09:37:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1972"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw02-cineastisch-und-phantastisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1972","title":{"rendered":"Kolumne KW02 &#8222;Cineastisch und phantastisch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Cineastisch und phantastisch<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Kino ist rammelvoll, wo seit Weihnachten der Til Schweiger Film<br \/>\n&#8222;Honig im Kopf&#8220; l\u00e4uft. Schon die 14\u00a0Uhr Vorstellung ist fast ausverkauft. Nat\u00fcrlich gibt es auch da erst mal Werbung und dann das Logo Warner Bros., dass man denkt, man ist im falschen Film, der ja eigentlich ein deutscher sein sollte.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nEigentlich dreht sich der Film nur um eine Vierpersonenfamilie, in der der Opa (Dieter Hallervorden) Alzheimer vom Feinsten hat. Der Til Schweiger gibt den Sohn dieses Opas und Jeanette Hain seine Frau. Die eigentliche Hauptperson neben dem Opa ist allerdings die im Film elfj\u00e4hrige Enkelin, die Tiltochter Emma spielt.<\/p>\n<p>\nDa der Opa so ziemlich alle Register eines Alzheimerkranken zieht, vom Wohnungsbrand bis hin zur geschmissenen Sommerparty, weil er da gleich mal das Feuerwerk ausl\u00f6st und die Szene in einen Kriegs\u00adschauplatz verwandelt, wof\u00fcr die Schwiegertochter anfangs wenig Verst\u00e4ndnis zeigt, aber sich so nach und nach hineinfindet, liegt es nahe, dass er weniger bei den Erwachsenen, als vielmehr bei der Enkeltochter Anklang und Verst\u00e4ndnis findet. Das mag die tiefere Wahrheit sein, dass Kinder viel unkomplizierter mit solchen Gebrechen umzugehen verstehen und eine eigentliche Zuwendung zu diesen \u00c4ltesten eben nur von den J\u00fcngsten zu erwarten steht. Wie das jeweilige Chaos, das nat\u00fcrlich Kinder auch nicht im Griff h\u00e4tten, dann immer wieder beseitigt wird, davon schweigt der Schweigerfilm nat\u00fcrlich und man muss wohl auch einr\u00e4umen, dass so viel Capriziosit\u00e4t mit derartigen Sachsch\u00e4den auch nur Wohlsituierte \u00fcberstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\nAll die Sch\u00e4den in Form demolierter Wohnungseinrichtung oder zerfah\u00adrener Autos wird nat\u00fcrlich, so das Kalk\u00fcl des erfolgreichsten deutschen Filmemachers, durch die Geld\u00adschwem\u00adme in die Kinokassen mit Leichtigkeit ausgeglichen. Der Zuschauer hat also immerhin etwas f\u00fcr&#8217;s Auge, gerade als Opa und Enkelin eine malerische Reise nach Venedig antreten, die nicht ohne abenteuerliche Zwischenf\u00e4lle abgeht.. Da begegnen den beiden immer wieder Menschen, die ihnen weiterhelfen, die Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, dass sich ein Opa, der derart von der Rolle ist, im normalen Leben bewegt. Auch das mag der Traumfabrik geschuldet sein, wie auch die Tatsache, dass das entfleuchte Duo Opa-Enkeltochter im gleichen Nobelhotel und unmittelbar den suchenden Eltern benachbart Quartier nimmt. Man hat solche etwas abgegriffenen Kniffe schon gern, denn man ist ja schlie\u00dflich im Kino.<\/p>\n<p>\nEs kommt aber auch echte R\u00fchrung auf, als Emma, mal wieder auf der Suche nach dem verlaufenen Gro\u00df\u00advater, sich in die Fluten des Lido st\u00fcrzt, zu ihm schwimmt, und gerade das der Moment ist, wo er selbst seine Prinzessin nicht mehr erkennt.<\/p>\n<p>\nBis dahin konnte man staunen, auch ein bisschen lachen und dann kommen auch noch die Tr\u00e4nen der R\u00fchrung, kann man denn mehr im Kino erwarten?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n11.1.2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cineastisch und phantastisch &nbsp; Das Kino ist rammelvoll, wo seit Weihnachten der Til Schweiger Film &#8222;Honig im Kopf&#8220; l\u00e4uft. Schon die 14\u00a0Uhr Vorstellung ist fast ausverkauft. 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