{"id":1822,"date":"2014-09-14T17:20:13","date_gmt":"2014-09-14T15:20:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1822"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw37-wahlsonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1822","title":{"rendered":"Kolumne KW37 &#8222;Wahlsonntag&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wahlsonntag<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute sollen wir eigentlich entschei\u00adden, wer uns im Landtag vertritt. Man hat eine gro\u00dfe Auswahl zwischen verschiedenen Parteien und macht seine beiden Kreuze, warum es zwei sein sollen, ist mir noch nicht so aufgegangen, irgendwo hin. Wen wir ankreuzen sollen, sollen wir wahrscheinlich anhand der Menge der Plakate, von denen uns durchweg sympathische Gesichter und Parolen anl\u00e4cheln, entscheiden. An unserer Laterne hing erstaunlicherweise gar kein Plakat und da unser Horizont nicht viel weiter reicht, als bis zu dieser Laterne, war ich um eine Wahlentscheidung verlegen.<\/p>\n<p>\nMeine Frau sollte nicht nur der B\u00fcrgerpflicht der Wahl nachkommen, sondern auch noch Wahlhelfer sein. Das ist ein halber Zwang, man kann sich der Entscheidung der staatlichen Instanz, in diesem Falle der Gemeinde, nicht entziehen, es sei denn, es l\u00e4gen wichtige Gr\u00fcnde vor. Ehe man da mit der Wucht des Gesetzes in Konflikt kommt, gibt man da eben nach und wir m\u00fcssen heute sehen, wie wir allein zurechtkommen.<\/p>\n<p>\nMorgen ist jedenfalls wieder ein normaler Tag und wir werden erfreut zur Kenntnis nehmen, wie stark unsere Stimme gewogen hat und wie viele andere der gleichen Meinung waren, wie wir.<\/p>\n<p>\nDas hat ja etwas mit Statistik zu tun und das ist auch gerade das, womit ich mich ansonsten besch\u00e4ftige, allerdings mit noch nicht allzu viel Erfolg. Jedenfalls ist sicher, dass das Ergebnis nicht davon abh\u00e4ngt, wie ich mich entschieden habe, denn, wenn auch nicht alle zur Wahl gehen, sind es immer noch genug, dass ihre Meinung \u00fcberwiegt. Das ist ja dann auch das Prinzip der Demokratie, dass die Mehrheit immer wichtiger ist, als man selbst.<\/p>\n<p>\nEs k\u00f6nnte nun sein, dass es einen Menschen gibt, der nicht nur anhand der Laterne vor seinem Fenster, und wenn dort gerade kein Plakat h\u00e4ngt, einfach willk\u00fcrlich entscheidet, sondern sich intensiv mit den Unterschieden der Kreuze auf dem Wahlzettel besch\u00e4ftigt hat und dessen Weisheit so weit reicht, dass er die jeweils richtige Variante herausf\u00e4nde. Diesem weisen Mann bliebe nun an diesem Sonntag auch nichts weiter \u00fcbrig, als sein unbedeutendes Kreuzchen zu machen.<\/p>\n<p>\nEs w\u00e4re sinnvoll, sich diesem Mann, der am besten nicht selbst ein Politiker sein sollte, in seiner Meinung anzuschlie\u00dfen. &#8222;Wenn Du selbst kein Ganzes schaffen kannst (Dich selbst derart vervollkommnen, wie der gedachte Weise (der Verfasser)), so schlie\u00dfe Dich an ein Ganzes an&#8220;, meinte Schiller dazu, und das soll ja nun auch das Prinzip der Wahl sein. Wir sollen uns aber den Politikern selbst anschlie\u00dfen und so haben wir uns diesen Weisen ja nun nicht vorgestellt. Vielleicht sind ja die Politiker diese Weisen und die Welt ist in Ordnung.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n12.9.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahlsonntag &nbsp; Heute sollen wir eigentlich entschei\u00adden, wer uns im Landtag vertritt. 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