{"id":1794,"date":"2014-07-06T09:48:48","date_gmt":"2014-07-06T07:48:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1794"},"modified":"2023-12-08T23:00:23","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:23","slug":"kolumne-kw27-folge-deinem-stern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1794","title":{"rendered":"Kolumne KW27 &#8222;Folge Deinem Stern&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Folge Deinem Stern<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Feierliche Stimmung verbreitete sich in der Mehrzweckhalle der musikbetonten Gesamtschule Paul Dessau als die Absolventen der vier zehnten Klassen ihre Zeugnisse erhielten. Der Direktor Dr. Drescher hielt in seiner Rede einige Gleichnisse zum alle bewegenden Fu\u00dfball bereit und der Mathelehrer Herr Look begann eine Statistik, die er allerdings nicht ganz zu Ende f\u00fchrte, sonst w\u00e4re offenbar geworden, dass die 10\/3, zu der auch unser Sohn geh\u00f6rte, mit neunzehn Qualifikationen f\u00fcr die Abiturstufe von 24 Sch\u00fclern das beste Ergebnis abgeliefert hat.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nAuch auf dem Zeugnis unseres Sohnes steht dieser Vermerk, dass er h\u00e4tte Abitur machen k\u00f6nnen, aber wie sollte man dem Ruf der Wirtschaft nach Lehrberufen nicht folgen, wenn nunmehr \u00fcber sechzig Prozent den Weg zum Abitur gehen. Die Motivation ist dabei allerdings in den seltensten F\u00e4llen, dass man unbedingt noch mehr aus dem Kelch des Wissens kosten m\u00f6chte, sondern weil es einfach der einfachste Weg ist, sein Leben auf der Schulbank fortzusetzen, ohne den Unw\u00e4gbarkeiten irgend\u00adwelcher Bewer\u00adbun\u00adgen ausgesetzt zu sein. Unser Sohn hat sich also f\u00fcr sein Leben erst einmal entschieden, auch wenn er die F\u00e4higkeiten zu einem Abitur h\u00e4tte, aber sich auch kein Bein ausrei\u00dft.<\/p>\n<p>\nDa hei\u00dft es erst einmal, die bitteren Pillen zu kosten, die das Berufsleben bereith\u00e4lt und sich dann, auf einem vielleicht noch schwereren Weg sp\u00e4ter weiterzuqualifizieren.<\/p>\n<p>\nDie Abschlussfeier der 10\/3 fand noch am gleichen Abend statt in Neudiepensee. Einige Eltern hatten ein tolles Bufett organisiert, aber wir hatten noch im Hinterkopf, dass die Jugendlichen lieber allein gefeiert h\u00e4tten und sind mit gemischten Gef\u00fchlen dorthin gegangen. Ein Programm haben die Jugendlichen nicht auf die Beine gekriegt, aber die Klassenlehrerin, Frau F\u00fcting, wurde noch mal so richtig gefeiert. Sie hatte auch eine \u00dcberraschung f\u00fcr ihre Sch\u00fctzlinge und \u00fcberreichte jedem seinen eigenen Brief, den die Sch\u00fcler der siebten Klasse anl\u00e4sslich ihrer &#8222;Einschulung&#8220; in die Paula in der Siebten geschrieben hatten und die sie aufbewahrt hatte. Dazu gab es noch je eine CD von ihr mit Bildern aus den letzten vier Jahren.<\/p>\n<p>\nEigentlich h\u00e4tte ich als Elternvertreter vielleicht ein Gedicht vortragen sollen, aber dieses Ansinnen wurde als &#8222;voll peinlich&#8220; abgelehnt, genau wie die Rockl\u00e4nge der Mutter vorgeschrieben war. Nat\u00fcrlich w\u00e4re mir auch gar nichts eingefallen, was man an Weisheiten mit auf den Weg h\u00e4tte geben k\u00f6nnen und so versuche ich jetzt mal, meinem Sohn etwas zu schreiben, das er ja garantiert nicht liest, sind wir doch inzwischen Meister im Ignorieren von \u00fcberfl\u00fcssigen Informationen.<\/p>\n<p>\nMein Sohn, Du gehst den schweren Weg<br \/>\nganz ohne Glanz und Gloria<br \/>\nhast f\u00fcr dein Wissen den Beleg<br \/>\nnimmst&#8217;s leicht und spielst so gern, na ja<\/p>\n<p>Gespr\u00e4che zwischen uns sind rar<br \/>\nbist zu mir kritisch eingestellt<br \/>\nbist so ganz anders, als ich war<br \/>\nverbesserst nicht die ganze Welt<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich ist sie so geblieben<br \/>\nwie sehr der Hei\u00dfsporn auch gegl\u00fcht<br \/>\ner hat ganz einfach \u00fcbertrieben<br \/>\nund sich umsonst so abgem\u00fcht<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n4.7.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folge Deinem Stern &nbsp; Feierliche Stimmung verbreitete sich in der Mehrzweckhalle der musikbetonten Gesamtschule Paul Dessau als die Absolventen der vier zehnten Klassen ihre Zeugnisse erhielten. 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