{"id":177,"date":"2010-11-01T10:48:47","date_gmt":"2010-11-01T08:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=177"},"modified":"2023-12-08T23:01:06","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:06","slug":"urauffuhrung-30-10-2010-bad-saarow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/177","title":{"rendered":"Urauff\u00fchrung 30.10.2010 Bad Saarow"},"content":{"rendered":"<p>Ernst Abbe \u2013 Kamerad<\/p>\n<p>\nFr\u00fch schon senkt sich die D\u00e4mmerung. L\u00fcster auf den Tischen und warme Theaterbe\u00adleuchtung, nicht nur f\u00fcr die B\u00fchne, verbreiten eine anheimelnde Atmosph\u00e4re. Einige der \u201eSchauspielerInnen\u201c sind schon in der Garderobe verschwunden, sammeln sich. Die Vorspeise wird gereicht. Beleuchtung und Ablauf waren noch einmal durchgesprochen worden. Der count down liegt auf 19:05 Uhr.<br \/>\nEine kleine Ansage, die Werksirene ert\u00f6nt, ein Lehrjunge kommt herbeigelaufen und bekommt alsbald eine Ohrfeige vom Werksmeister. Das Spiel nimmt seinen Lauf, die Professoren parlieren, die Frauen in ihren sch\u00f6nen fin de si\u00e8cle Kleidern disputieren, Abbe erscheint als Rauchwolke an der T\u00fcr. Mehr wird von ihm im ganzen St\u00fcck nicht zu sehen sein. Die Darsteller spielen sich in Hochform, alle besser als sie jemals waren. Das Publi\u00adkum folgt dem nicht ganz unkomplizierten Gang der Gespr\u00e4che. Meister L\u00f6ber tr\u00e4gt das soundsovielte Mikroskop neuer Bauart herein, aber es wird vernichtender Kritik des Zei\u00df-Erben ausgesetzt. Elise hat einen sch\u00f6nen Auftritt als nunmehrige Gattin Abbes in der Schweiz. \u2013Pause-<!--more--><\/p>\n<p>Das Publikum ist recht angetan. In der Pause mit dem Hauptgang des Men\u00fcs gibt es Autogramm- und Widmungsw\u00fcnsche auf der Speisekarte. Das geht relativ z\u00fcgig vonstat\u00adten und die Aufmerksamkeit ist wieder gesch\u00e4rft genug, um einen Monolog des Universi\u00adt\u00e4ts\u00adkurators zu verdauen, der die Universit\u00e4t doch einigerma\u00dfen als Ursache f\u00fcr Abbes Erfolg sieht. Aber Abbe will eine neue Ordnung f\u00fcr den Betrieb, personales Eigentum ist dem untergeordnet. Man h\u00f6rt, dass er eine Stiftung gegr\u00fcndet hat, aber mit dem Zei\u00df-Erben geht das nicht. Abbe bietet seinen R\u00fcckzug an, oder eben der andere m\u00fcsse aus\u00adscheiden. Das ist ein richtiger Konflikt, aber der kultivierte Umgang \u00fcberwiegt, also gibt es auch eine L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Aus den freiwilligen Darstellern ist im Laufe der Proben eine Truppe geworden. Keiner kann die Inszenierung f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, es f\u00fcgt sich fast alles von selbst und jeder gibt sein Bestes. Das Gl\u00fcck spielt mit. Es gibt keine bemerkbaren Pannen. Helfer haben sich auch noch gefunden \u2013 und das alles f\u00fcr diese einmalige Vorstellung, die vielleicht doch etwas von dem beabsichtigten Effekt transportiert: der Erhabenheit der Vorg\u00e4nge um gewisse Pers\u00f6nlichkeiten. Nat\u00fcrlich weist der Jubilar Parallelen von sich, aber wo sollte die ganze Energie hergekommen sein, wenn nicht aus der Wertsch\u00e4t\u00adzung seiner und dem Bewusstsein, gut aufgehoben zu sein im Institut.<\/p>\n<p>Wenn etwas so viel Spa\u00df macht und auch gef\u00e4llt, kann es nicht ganz schlecht sein. Kultur: immerhin eine Komponente im Leben, die wichtig ist. Hundert Jahre ist keine lange Zeit, aber es war der Anfang dessen, wovon wir in Deutschland heute leben. Besinnung auf diese Anf\u00e4nge, auf diese Kultur, auf herausragende Pers\u00f6nlichkeiten, das kann der Schade nicht sein.<\/p>\n<p>Der Autor \u2013 gestanden, die Darsteller \u2013 Spitze, das B\u00fchnenbild von einem Profi. Ein Publikum, das Anspruch zu sch\u00e4tzen wei\u00df, was will man mehr. Grund einen Tag, eine Woche zu schwelgen, vielleicht noch l\u00e4nger?<\/p>\n<p>Danke an alle Beteiligten.<\/span><\/p>\n<p><em>Christian Rempel 31.10.2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Abbe \u2013 Kamerad Fr\u00fch schon senkt sich die D\u00e4mmerung. L\u00fcster auf den Tischen und warme Theaterbe\u00adleuchtung, nicht nur f\u00fcr die B\u00fchne, verbreiten eine anheimelnde Atmosph\u00e4re. Einige der \u201eSchauspielerInnen\u201c sind schon in der Garderobe verschwunden, sammeln sich. 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