{"id":1741,"date":"2014-04-06T15:53:21","date_gmt":"2014-04-06T13:53:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1741"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw14-machbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1741","title":{"rendered":"Kolumne KW14 &#8222;Machbar?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Machbar?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere Verabredung hat nun wirklich geklappt. Herr Carmesin war schon mit drei engagierten Sch\u00fclern im Kuppelbau von Carl Zeiss Jena zugange, als mich Herr Lang, der Chef der Planetariumtruppe am Eingang begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nNach der Einrichtung des Spektralprojektors war erst einmal eine Pr\u00e4sentation angesagt, die der Lehrer nur zur H\u00e4lfte bestritt, w\u00e4hrend der Rest des Vortrags von einem etwa 12j\u00e4hrigen Sch\u00fcler aus Stade gehalten wurde, denn es handelt sich ja um ein Jugend forscht Projekt.<\/p>\n<p>\nDann wurde auch der Projektor vorgef\u00fchrt. Alle wurden mit Spektralbrillen ausger\u00fcstet und die Sterne hatten alle pl\u00f6tzlich bunte Ausl\u00e4ufer. Auch eine Wasserstofflampe, die eigentlich nur drei charakteristische sichtbare Spektrallinien aufweist, wurde gezeigt. Die dargestellte Galaxis war nicht nur ziemlich gro\u00df, sondern hatte auch einigerma\u00dfen unscharfe R\u00e4nder. Der spektrale Fingerabdruck war auch einigerma\u00dfen verwaschen und es \u00fcberraschte, dass eine rotverschobene Galaxis, weil sie sich ja von uns fortbewegt, dann gr\u00fcn aussehen kann, weil die starke rote Linie sich ins Unsichtbare verschiebt und die schw\u00e4cheren blauen zu gr\u00fcnen werden.<\/p>\n<p>\nDann noch mal zur Auswertung in den Besprechungsraum, wo sich der Marketing\u00adchef, der Entwicklungsleiter und noch ein Mitarbeiter zu uns gesellt haben. Die ern\u00fcchternde Botschaft war erst einmal, dass die Bev\u00f6lkerung wohl das Interesse an den Sternen etwas verloren hat. Dar\u00fcber hinaus kann es sein, dass die k\u00fcrzlich eingef\u00fchrte Fasertechnik, wo jedem einzelnen der etwa zehntausend sichtbaren Sterne in m\u00fchevoller Kleinarbeit je eine Faser zugeordnet wird und man die aufw\u00e4ndige Mechanik beibehielt, die Tages und Jahresbewegung der Erde simuliert. Man tendiere in den Planetarien, wo auch ein Generationswechsel stattge\u00adfunden hat, mehr zur Show (Rundumkino, Konzerte, Hochzeiten), als dass man sich noch f\u00fcr das Eigentliche interessieren w\u00fcrde. Dazu kommt noch, dass man die komplizierte Mechanik durch Projektions\u00adtechniken ersetzen k\u00f6nnte, was wohl auch praktiziert wird. Das ist dann auch einfach ein Rundumkino und die ganze wundervolle Mechanik ist obsolet und wird durch einen Computer ersetzt.<\/p>\n<p>\nWas nun den Spektralprojektor anbelange, so k\u00f6nne man wenig Hoffnung machen, dass dieser mal ein Produkt werden k\u00f6nnte. Trotzdem sagte Herr Lang Unterst\u00fctzung zu und stand selber noch unter dem Eindruck des Jugend forscht Wettbewerbs in Th\u00fcringen, wo er als Juror t\u00e4tig ist. Mehr konnte man in Anbetracht der allgemein schwierigen Situation auch nicht erwarten.<\/p>\n<p>\nAuch sind noch Verbesserungen an der Apparatur vorzunehmen. Sie sollte sch\u00e4rfer und lichtst\u00e4rker sein. Der Spektralprojektor arbeitet zwar schon mit tausend Watt elektrischer Leistung, w\u00e4hrend ein ganzes Planetarium mit 25 Watt auskommt, aber das, was im Bild ankommt, ist eben zu wenig. Da hatten die Akteure die Idee, die \u00d6ffnung weiter zu erh\u00f6hen, also auch ein gr\u00f6\u00dferes Prisma zu verwenden, das der spektralen Aufspaltung dient.<\/p>\n<p>\nAber das zugrundeliegende optische Problem ist wirklich nicht einfach zu knacken. Man m\u00f6chte ja einerseits die Form der Galaxie richtig wiedergeben, also muss man eine entsprechende Schablone scharf auf die Wand abbilden. In der Ebene, in der das Spektrum entsteht, ist diese Form aber zun\u00e4chst erst mal verloren  und man muss eine spektrale Auswahl treffen. Dann m\u00fcssen die spektralen Anteile alle wieder in einem Bild zusammengef\u00fchrt werden \u2013 ein schier unl\u00f6sbares Problem.<\/p>\n<p>\nAls ich bei meinem gestrigen Spaziergang dar\u00fcber nachdachte, schwebten mir erst baffle vor, die eine Richtung ausw\u00e4hlen k\u00f6nnten, in der ein bestimmter spektraler Anteil abgebeugt wird. Dann rief Herr Carmesin an und ich war etwas verlegen, einen vern\u00fcnftigen Vorschlag zu machen.<\/p>\n<p>\nDann ist mir aber eingefallen, dass es wohl am besten w\u00e4re, wenn man drei Strahleng\u00e4nge erzeugt, die mit den entsprechenden Farben versorgt werden und diese an der Kuppel zur Deckung bringt. Das w\u00fcrde zwar auch eine Art baffle ben\u00f6tigen, aber man h\u00e4tte dann definierte Abbildungen des Objekts. Somit w\u00e4re die Form der Galaxis gleich dreimal vorhanden, jede w\u00fcrde mit einer anderen reinen Spektralfarbe beleuchtet und wieder zu einer scharfen Form zusammengesetzt. Da das Wasserstoff\u00adspektrum im Wesentlichen nur aus drei Farben besteht, sollten drei solcher Kan\u00e4le ausreichen.<\/p>\n<p>\nAn dieser Apparatur und mit den Spektralbrillen kann man sehr viel \u00fcber Farben lernen. Ein Projektor sendet ja immer nur drei Farben aus (rot, gr\u00fcn, blau). Das ist das sog. RGB Signal, was jeder aus der Fernsehtechnik kennt. Mit diesen Farben kann man durch Mischung die anderen herstellen, sind alle drei in gleichem Ma\u00dfe vorhanden. Eine Spektrallinie aber, kann man auf diesem Wege nicht darstellen und es d\u00fcrfte die Frage sein, ob dieses Erlebnis, echte Spektrallinien zu sehen, ausreichend spektakul\u00e4r ist, dass es die Besucher wieder ins Planetarium zieht.<\/p>\n<p>\nNun, dann werden wir hoffentlich bald sehen, ob diese Idee machbar ist.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n6.4.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Machbar? &nbsp; Unsere Verabredung hat nun wirklich geklappt. 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