{"id":1738,"date":"2014-03-31T11:23:29","date_gmt":"2014-03-31T09:23:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1738"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw13-ad-astra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1738","title":{"rendered":"Kolumne KW13 &#8222;Ad astra&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ad astra<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern Vormittag stand ich vor der Wahl, eine kleine Pr\u00e4sentation zu dem &#8222;Wohl und Wehe von ebooks&#8220; zu verfassen oder einen Aufsatz \u00fcber Kopernikus zu schreiben.<!--more--> Habe ich doch selbst ein paar ebooks publiziert und auch schon einige erstanden. Diese der \u00dcbersicht sich sperrig entgegenstellenden Produkte, haben zu einer regen Diskussion gef\u00fchrt, ob denn nun das gewohnte Buch verdr\u00e4ngt werde und inwieweit das ebook \u00fcber Geb\u00fchr kontrollierbar sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\nTats\u00e4chlich wei\u00df nun Amazon genau, wann ich welche Seite umbl\u00e4ttere, welche Stellen ich f\u00fcr hervorhebenswert hielt oder wo und wann ich ein Lesezeichen gesetzt habe. Das wird nun alles genau protokolliert und zudem ist es noch schwierig, sich in einem solchen Buch zurechtzufinden, denn der Text hat keine feste Zuordnung zu Seiten mehr und ich habe mir immer Stellen ganz gut gemerkt, wo ich immer noch wusste, ob sie oben rechts oder unten links gestanden haben, auch wenn ich schon viel weiter war in dem Buch.<\/p>\n<p>\nJetzt muss man das alles \u00fcber Such\u00adfunktionen realisieren und hat ganz sch\u00f6n zu tun, ein popul\u00e4rwissenschaftliches Buch wie von Dava Sobel &#8222;Und die Sonne stand still&#8220; aufzuarbeiten. Ein bisschen mulmig wird einem dann schon, wenn man im Internet die Stellen aufgef\u00fchrt findet, die man selbst auf einem ganz anderen Ger\u00e4t markiert hat, aber was um Gottes Willen wollen die Amerikaner damit anfangen, dass sie fast alles von mir wissen. Einen Index der verbotenen B\u00fccher gibt es ja nicht mehr, auf dem sich Kopernikus&#8216; &#8222;De revolutionibus&#8220; befunden hat, obwohl er es sogar dem Papst zugeeignet hatte. Weil Kopernikus auf Kritik schon gefasst war, hat er lange gez\u00f6gert, seine Ansichten zu ver\u00f6ffentlichen und der Legende nach hielt er sein Werk, noch ungebunden, wie damals \u00fcblich, erst auf seinem Totenbett 1543 in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>\nWenig beachtet ist, dass Kopernikus&#8216; These, dass sich die Erde um die Sonne bewege, eigentlich eines Beweises entbehrte und das Modell auch keine genaueren Ergebnisse lieferte, weil die Bahnen der Planeten eben nicht Kreise sind, sondern Ellipsen, wenn auch mit viel schw\u00e4cherer Auspr\u00e4gung als viele Menschen von irgendwelchen Schemata her annehmen. Aber der Himmel ist eben ein sehr genaues Messfeld. Zu Kopernikus&#8216; Zeiten konnte man Positionen auf ein Sechstel Grad bestimmen, aber nur achtzig Jahre sp\u00e4ter sollte das der d\u00e4nische Astronom Tycho Brahe auf ein Hundertstel Grad steigern und heute ist man bei einem Zehntausendstel und weniger.<\/p>\n<p>\nKopernikus&#8216; Hypothese war nur haltbar, wenn er die Ausdehnung des Kosmos gegen\u00fcber den landl\u00e4ufigen Vorstellungen vergr\u00f6\u00dferte, denn, wenn alle Sterne auf eine Kristallschale geheftet sind und man dort mit der Erde drin herumsaust, muss man diesen mal n\u00e4herkommen oder sich von ihnen entfernen, wenn man in eine bestimmte Richtung blickt. Das hei\u00dft, man m\u00fcsste \u00fcber das Jahr unterschiedliche Abst\u00e4nde zwischen Ihnen feststellen. Dass dies wirklich der Fall ist, konnte erst 300 Jahre sp\u00e4ter bewiesen werden. Tats\u00e4chlich sind ja die Sterne so weit weg, dass sich ihr Abstand durch den Jahresumlauf der Erde um weniger als ein Millionstel \u00e4ndert. Wie soll man das wohl feststellen?<\/p>\n<p>\nKopernikus war noch der Meinung, er h\u00e4tte dem erhabenen Gestirn Sonne einen Thron im Zentrum einger\u00e4umt, aber der allgemeine Aberglaube hat mit dem Zentrum eher die H\u00f6lle identifiziert. Dorthin gelangte man ja, wenn man sich in die Mitte der als Zentrum gedachten Erde, also deren Tiefe begab. Zudem betrachtete man den Himmel als das Werk Gottes, wo er mit den ver\u00e4nderlichen Planetenkonstellationen flei\u00dfig dabei war, Zeichen f\u00fcr die irdischen Zeitl\u00e4ufte zu setzen. Von der Astrologie zeigte sich Kopernikus sogar unbeeinflusster als viele seiner gro\u00dfen Zeitgenossen oder Nachfolger.<br \/>\nHeute schweift der Blick noch weiter in den Kosmos. Die Aufmerksamkeit wurde erst auf unser Planetensystem gelenkt, dann auf unsere Galaxis, bis man zwischen den Sternen noch weitere Galaxien entdeckte, deren Entfernung man nun schon gar nicht mehr durch irgendwelche Winkelmessungen absch\u00e4tzen kann.<\/p>\n<p>\nMan wei\u00df aber, dass von diesen Galaxien ein immer schw\u00e4cheres Licht zu uns gelangt, weil dieses auch mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Man kann sogar deren Geschwindigkeit bestimmen, indem man sich deren Farbe ansieht, was der Lehrer Hans-Otto Carmesin zu einem Sch\u00fclerversuch machte, den es nun gilt in richtigen Planetarien zu realisieren. Von Zeiss gibt es dazu inzwischen positive Signale (s. Kolumne &#8222;Armes Deutschland&#8220;). Ob er jedoch selbst Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Schreiber dieser Zeilen hat oder es lieber auf eigene Faust versucht, das steht nun immer noch in den Sternen.<\/p>\n<p>\nW\u00e4re der Tanz der Sterne<br \/>\n\u00fcber den Jahreslauf<br \/>\nnur ein Dreitausendstel<br \/>\nKopernikus h\u00e4tte es schon nicht mehr<br \/>\nbemerkt<br \/>\ner ist aber f\u00fcr den n\u00e4chsten unter ihnen<br \/>\nnur ein Dreihunderttausendstel<br \/>\nmithin schwer messbar<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n30.3.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ad astra &nbsp; Gestern Vormittag stand ich vor der Wahl, eine kleine Pr\u00e4sentation zu dem &#8222;Wohl und Wehe von ebooks&#8220; zu verfassen oder einen Aufsatz \u00fcber Kopernikus zu schreiben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1738","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1738"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1739,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1738\/revisions\/1739"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}