{"id":1713,"date":"2014-02-23T18:06:50","date_gmt":"2014-02-23T16:06:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1713"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw8-glashuette-die-zweite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1713","title":{"rendered":"Kolumne KW08 &#8222;Glash\u00fctte die zweite&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Glash\u00fctte die zweite<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun waren wir noch einmal in Glash\u00fctte, dass unser Sohn eine Eignungspr\u00fcfung absolvieren konnte. Es waren noch sieben weitere Anw\u00e4rter dabei, die alle schon Abitur hatten oder sogar ein abgebrochenes Studium hinter sich. Man fragt sich, wie typisch heute schon Verwirrungen im Ausbildungsweg sind, denn ein Abitur oder ein Teilstudium bef\u00e4higt einen keinen Deut mehr, dann anschlie\u00dfend Uhren zusammen\u00adzu\u00adschrauben.<\/p>\n<p>\n<!--more--><\/p>\n<p>Glash\u00fctte zeigte sich in seinem baulichen Glanz an diesem sonnigen Nachmittag, aber man sieht kaum jemanden auf der Stra\u00dfe. Wie ausgestorben scheint die Stadt auf den Sonnabend, vom Sonntag ganz zu schweigen und selbst unter der Woche ist es noch ein bisschen wie zu DDR Zeiten, wo es eine Ausnahme war, dass jemand tags\u00fcber nichts zu tun hat und ziellos durch die Stra\u00dfen flaniert. Es g\u00e4be eigentlich nur zwei Runs, sagt uns unser Bekannter und Verantwortliche f\u00fcr die Sternwarte, einmal, wenn der Arbeitstag beginnt und dann wieder, wenn allgemein Feierabend ist.<\/p>\n<p>\n\u00dcber das Wirtschaftswunder Glash\u00fctte hatten wir ja schon in der Kolumne 46\/2013 geschrieben. Das zieht nun so viele junge Leute an, dass auf eine Lehrstelle zehn Bewerber kommen und demnach stehen die Chancen f\u00fcr unseren Sohn nicht sonderlich gut, auch wenn er nicht Uhrmacher, sondern Werkzeugmechaniker werden m\u00f6chte. Aber so schnell wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben.<\/p>\n<p>\nF\u00fcr uns stand nun eher der touristische Aspekt im Vordergrund, und da war es gut, dass wir einen Bekannten hatten, der uns einen Steig an den steilen H\u00e4ngen um Glash\u00fctte zeigte. Es gibt nicht nur eine Bastei, von der man den \u00f6stlichen Teil der Stadt sehen kann, sondern man kann bis oberhalb des Bahntunnels zum sog. Pilz gehen. Dann ging es an der Wei\u00dferitz zur\u00fcck und meine Frau verabschiedete sich, um den gepr\u00fcften Sohn zu versorgen, w\u00e4hrend wir im Garten des Herrn Klein ein Teleskop errichteten und den vergeblichen Versuch unternahmen, den Jupiter bei Tageslicht zu sehen.<\/p>\n<p>\nDann haben wir uns erst mal den Sternkarten am Computer zugewendet und hatten so bis zum Einbruch der Dunkelheit zu tun, was den Vorteil hatte, dass wir dann noch mal schnell in die Sterne gucken konnten und den Jupiter tats\u00e4chlich fanden, was allerdings im Dunkeln kein gro\u00dfes Kunstst\u00fcck ist. Dann wurde ich auch schon zum Essen gerufen. Die einzige M\u00f6glichkeit, sich in Glash\u00fctte zu ern\u00e4hren, ist ja, dass man sich selber etwas kocht, denn es gibt keine richtige Gastst\u00e4tte, und nach der Zahl der Passanten zu urteilen, w\u00e4re das auch ein aussichtsloses Unterneh\u00admen.<\/p>\n<p>\nDie Abende verbringen wir normalerweise mit Lesen, aber da nun mal der Sohn im Mittelpunkt stand, blieb als Alternative nur das Fernsehen. Das war dann so anstrengend, dass wir wohl f\u00fcr Jahre wieder genug davon haben. Ein paar Reime sollten auch wieder entstehen:<\/p>\n<p>\n<strong>In Glash\u00fctte<\/strong><br \/>\nIn Glash\u00fctte \u2013 welch H\u00e4usergedr\u00e4nge<br \/>\nund wie viele \u2013 Automobile.<br \/>\nWie klein dagegen die Menschenmenge,<br \/>\ndie hier strebt zu hohem Ziele.<br \/>\nAm Puls der Zeit, sie dreht zum Gl\u00fcck<br \/>\nsich zuweilen auch zur\u00fcck.<br \/>\nMan lebt von Leuten mit &#8217;nem Tick,<br \/>\ndie finden eine Unruh chic,<br \/>\nund ist man noch ein wenig reich,<br \/>\ngreift man dann zur Glash\u00fctter gleich.<br \/>\nGern st\u00fcnde hier auch unser Sohn<br \/>\nin ein&#8217;ger Zeit in Brot und Lohn.<br \/>\nDa hei\u00dft es flei\u00dfig, flei\u00dfig \u00fcben,<br \/>\nnicht nur in Gutelaunesch\u00fcben.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n23.2.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glash\u00fctte die zweite &nbsp; Nun waren wir noch einmal in Glash\u00fctte, dass unser Sohn eine Eignungspr\u00fcfung absolvieren konnte. 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