{"id":1704,"date":"2014-02-09T17:24:06","date_gmt":"2014-02-09T15:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1704"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw6-geburtstage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1704","title":{"rendered":"Kolumne KW06 &#8222;Geburtstage&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geburtstage<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angeblich gibt es im Winter ja weniger Geburtstage als im Sommer. Das soll auch die Statistik ein bisschen verzerren, denn sonst kann man n\u00e4mlich, wenn der Fami\u00adlienkreis gro\u00df genug ist, das sog. Geburts\u00adtagsparadoxon pr\u00fcfen. Bei uns geh\u00f6ren etwa vierzig Leute zum engeren Familienkreis und laut Statistik ist die Wahrscheinlichkeit dann bereits 90%, dass zwei am gleichen Tag Geburtstag haben.<\/p>\n<p>\n<!--more--><\/p>\n<p>Da die Rempelei aber in vielem ein bisschen au\u00dfergew\u00f6hnlich ist, ist es bei uns gleich dreimal der Fall, dass zwei am gleichen Tag Geburtstag haben.<\/p>\n<p>\nDie Bekanntschaft mit diesem Geburtstags\u00adparadoxon verdanke ich dem Buch von Eckhart von Hirschhausen &#8222;Das Gl\u00fcck kommt selten allein&#8220;, wo er es zwar anf\u00fchrt, aber nicht erkl\u00e4rt, weil das ja Sache der Mathe\u00admatiker sei. In der Feuilletongesellschaft z\u00e4hlt es nat\u00fcrlich nicht zu den gew\u00fcnschten Eigenschaften, etwas von Mathematik zu verstehen.<\/p>\n<p>\nDie beiden Geburtstage, die wir im Februar zu verzeichnen haben, meinen und den meiner Schwester, wobei letzterer sogar ein runder war, fallen nicht zusammen, aber haben nur einen Abstand von zwei Tagen, was dazu f\u00fchrt, das mancher nicht genau wei\u00df, wer von uns beiden wohl zuerst dran ist. Ich wollte meinen eigentlich gar nicht feiern, denn er ist ja nur der einund\u00adsechzigste gewesen, aber meine Frau hat mich mit der Einladung des Rempelclans \u00fcberrascht und es wurde dann auch eine sch\u00f6ne Begebenheit, wo ich mal meine ebook Aktivit\u00e4ten vorstellen konnte, nat\u00fcr\u00adlich nicht ohne, dass sich meine Geschwister etwas gelangweilt haben, denn gegenseitige Anerkennung geh\u00f6rt bei uns nicht so zum Repertoire.<\/p>\n<p>\nZwei Tage sp\u00e4ter trafen wir uns dann in noch gr\u00f6\u00dferer Runde bei meiner Schwester und es wurde viel gelacht, auch bei meinem Gedicht, das sich aus aktuellem Anlass auch mit einem ernsteren Thema zu besch\u00e4ftigen hatte. Auch da musste ich wieder einmal feststellen, wie einsam das Dichten macht, denn trotz vieler anerkennender Worte gab es von gewissen Seiten auch eisiges Schweigen.<\/p>\n<p>\nZwei meiner Br\u00fcder sind Mathematiker, die auch das Geheimnis des Geburtstagspara\u00addoxons zu verstehen in der Lage w\u00e4ren, was mich veranlasste bei meiner Schwester einen Witz zu erz\u00e4hlen, den ich auch dem Hirschhausen entlehnt habe, den ich aber in eine k\u00fcnstlerische Form gebracht habe, so dass Sie sich selbst \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, warum meine Br\u00fcder nicht gelacht haben, auch wenn sie diesen Witz h\u00e4tten verstehen k\u00f6nnen. Es ist aber ungeschriebenes Gesetz, dass man \u00fcber die Witze des j\u00fcngeren Bruders grunds\u00e4tzlich nicht lacht, um ihm auch nicht die geringste Freude zu g\u00f6nnen, sich selbst aber die Freude der ernsthaftesten Ablehnung. Der Rest der Gesellschaft hat diesen Witz von der Dreierungleichheit gar nicht verstanden und so war der Flop schon programmiert. Da die Internetcommunity aber so weise ist und ja auch beliebig lange nachdenken kann, sei hier dieses Gedicht\u00adchen aufgef\u00fchrt:<\/p>\n<p>\n<strong>H\u00f6chster Wunsch<\/strong><\/p>\n<p>Der Herrgott sprach zum Mathematikus:<br \/>\n&#8222;Ich heut Dir einen Wunsch erf\u00fcllen muss.<br \/>\nHast mir gedient so manches Jahr,<br \/>\nwo ich nicht grad sehr t\u00e4tig war.<br \/>\nDu hast gerackert Nacht und Tag,<br \/>\nwas ich an R\u00e4tseln Dir aufgab.<br \/>\nDas hast Du alles brav gel\u00f6st<br \/>\nund selten nur am Pult ged\u00f6st.<br \/>\nWas soll es sein, denn Du kannst w\u00e4hlen:<br \/>\nWillst Du die selig Ewigkeit?<br \/>\nGewiss bist m\u00fcde Du vom Z\u00e4hlen<br \/>\nso steht ein Br\u00f6tchen auch bereit.<br \/>\nNur eines kannst Du davon haben,<br \/>\ndenn an beidem sich zu laben,<br \/>\nw\u00e4r der Wohltat wohl zu viel.&#8220;<br \/>\nDa denkt der Mathematikus,<br \/>\nman meint, er findet keinen Schluss.<br \/>\nDann hellt sich sein Gesichte auf:<br \/>\n&#8222;Gib mir das Br\u00f6tchen und verschnauf.&#8220;<br \/>\nDer Herrgott kann nun gar nicht fassen,<br \/>\nwie kann von Seligkeit er lassen?<br \/>\nWas bessres geben konnt&#8216; er gar nicht,<br \/>\nwas geht nur vor in diesem Wicht?<br \/>\nDa sprach der Mathematikus<br \/>\n&#8222;Sehr einfach ist doch dieser Schluss:<br \/>\nNichts ist besser als Seligkeit<br \/>\nund dann in alle Ewigkeit.<br \/>\nDoch dieses Br\u00f6tchen, das ich seh,<br \/>\nist besser als nichts und ich versteh:<br \/>\nDer kluge Mann w\u00e4hlt sich das H\u00f6chste,<br \/>\nder tumbe nur das Allern\u00e4chste.&#8220;<\/p>\n<p>C.R. 21.1.2014<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel im Waltersdorfe<br \/>\n9.2.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geburtstage &nbsp; Angeblich gibt es im Winter ja weniger Geburtstage als im Sommer. 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