{"id":1589,"date":"2013-11-17T10:00:19","date_gmt":"2013-11-17T08:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1589"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw46-wirtschaftswunder-glashuette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1589","title":{"rendered":"Kolumne KW46 &#8222;Wirtschaftswunder Glash\u00fctte&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wirtschaftswunder Glash\u00fctte<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man bei uns zu Hause von Glash\u00fctte spricht, denken die meisten an ein Museumsdorf im M\u00e4rkischen, einen Urlaubermagneten, in dem man sich auch tats\u00e4chlich im Glasblasen versuchen kann. Meistens hat man es ja nicht mit der Klientel zu tun, die sich noch eine Glash\u00fctter Uhr leisten kann, die noch handgefertigt werden.<\/p>\n<p>\nVon der Gr\u00f6\u00dfe her ist es auch nichts weiter als ein Dorf, aber es hat st\u00e4dtische Fassaden und sieht aus, als w\u00e4re es gerade aus dem Ei gepellt. Aufgrund der Renaissance der mechanischen Uhren, f\u00fcr die man heute Tausende hinbl\u00e4ttern muss, die aber als mechanische Meisterwerke gen\u00fcgend Kundschaft haben, lebt hier die Zeit weiter und es entstand eine Wohlstandsinsel im S\u00e4chsischen.<\/p>\n<p>\nEs fallen einem mindestens sechs Uhrenbe\u00adtriebe ins Auge, doch wenn man intensiver nachliest, sind es elf. Einige befinden sich in ausl\u00e4ndischem Besitz. Es k\u00f6nnte sein, dass die Produktion in Ostdeutschland preiswerter ist als zum Beispiel in der Schweiz. Fast alle stellen mechanische Uhren her und man kann sich nur wundern, wie gro\u00df dieser Markt sein muss, dass nicht nur die zahlreichen Glash\u00fctter Firmen davon leben k\u00f6nnen, sondern auch die renommierteren aus der Schweiz und Frankreich.<\/p>\n<p>\nGlash\u00fctte hat mit allen Eingemeindungen lediglich 7000 Einwohner und die Uhrenindustrie bietet \u00fcber tausend Arbeitspl\u00e4tze. Als touristische Attraktion hat die Stadt seit einigen Jahren wieder das Uhrenmuseum zu bieten, es gibt auch immerhin vier B\u00e4cker, aber nicht eine Gastst\u00e4tte oder gar Hotel. Das hat die Stadt nun erkannt und wirbt um einen Investor. Angeblich gibt es sogar drei m\u00f6gliche Standorte, dabei ist die Stadt so in das Tal eingezw\u00e4ngt, dass fast jeder Quadratmeter genutzt ist und man jetzt schon ein Parkhaus bauen muss.<\/p>\n<p>\nDiese Enge, die historisch gewachsen ist und in die immer neue Manufakturen gezw\u00e4ngt werden, erweckt den Eindruck, es g\u00e4be gar keinen Platz mehr in der Stadt. Selbst der Bahnhof ist schon eine Uhrenmanufaktur. Die drei Stra\u00dfen, die aus Glash\u00fctte herausf\u00fchren, haben betr\u00e4chtliche Steigun\u00adgen und es bedarf schon einer kleinen Wanderung, um festzustellen, dass nicht die ganze Gegend unter Raumnot leidet. Es sind nur die H\u00e4nge bewaldet und auf der H\u00f6he befinden sich weitl\u00e4ufige Felder. Nachbarorte auf der H\u00f6he, wie Johnsbach oder Dittersdorf leiden gar nicht an Raumnot und man kommt sich dort wie in eine andere Welt versetzt vor. Eine Firma hat sich auch in der Sternwarte niedergelassen, die sich nahe an der Stadt, aber eben auch auf der H\u00f6he befindet. Weiter traut sich scheinbar keiner auf die gr\u00fcne Wiese.<\/p>\n<p>\nVielleicht ist dieser kleine Boom der Tatsache geschuldet, dass man allgemein gern in bleibende Werte flieht, wenn das ganze Wirtschaftssystem kollabierungsgef\u00e4hrdet ist. Man kann sich jedenfalls freuen, dass es eine solche Insel gibt, wo man noch von seiner H\u00e4nde Arbeit vern\u00fcnftig leben kann, wenn auch auf engstem Raum.<\/p>\n<p>\n<strong>Glash\u00fctte 2013<\/strong><\/p>\n<p>Hier Firmen aus dem Boden schie\u00dfen,<br \/>\nMan sieht noch Kr\u00e4ne und Ger\u00fcste.<br \/>\nDen Bahnhof musste man schon schlie\u00dfen,<br \/>\nWeil der auch produzieren m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Er ist nun Nomos. Auf der H\u00f6h<br \/>\nDie Sternwarte, neu ausger\u00fcstet,<br \/>\nIst Wempe nun und ich versteh,<br \/>\nIhr nicht, weil ihr es sehen m\u00fcsstet.<\/p>\n<p>Doch abends sitzt dort nur Herr Klein,<br \/>\nEr zeigt mir ferne Galaxien,<br \/>\nL\u00e4dt zu &#8217;nem Sternenst\u00fcndchen ein<br \/>\nUnd Unkenntnis wird mir verzieh&#8217;n.<\/p>\n<p>Sechs Uhrenfirmen hier am Ort,<br \/>\nMan h\u00f6rt es f\u00f6rmlich allseits ticken.<br \/>\nDas Tick und Tack, es dauert fort,<br \/>\nEin unaufh\u00f6rlich Zeigerr\u00fccken.<\/p>\n<p>Der Boom ist eine Renaissance,<br \/>\nWeil viele noch die Unruh lieben.<br \/>\nMan hat&#8217;s bemerkt und nutzt die Chance<br \/>\nNicht mehr elektrisch angetrieben.<\/p>\n<p>Sie sind beliebt, die winzig R\u00e4der,<br \/>\nMan k\u00f6nnt es fast schon Kunstwerk nennen,<br \/>\nMit Ankerrad, Iridiumfeder,<br \/>\nWie wir sie ganz von fr\u00fcher kennen.<\/p>\n<p>Man hofft auf einen Boom best\u00e4ndig,<br \/>\nGlash\u00fcttes lange Konjunktur,<br \/>\nDass dieses Gl\u00fcck dann auch inwendig,<br \/>\nKann man nicht wissen, w\u00fcnscht es nur.<\/p>\n<p>Und abends h\u00f6rt man leise Schritte,<br \/>\nEin wenig s\u00e4chsisch wird gesprochen,<br \/>\nBesuchen Sie doch mal Glash\u00fctte,<br \/>\nHier ist der Wohlstand ausgebrochen.<\/p>\n<p>\n<em>C.R. im Waltersdorfe 15.11.2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftswunder Glash\u00fctte &nbsp; Wenn man bei uns zu Hause von Glash\u00fctte spricht, denken die meisten an ein Museumsdorf im M\u00e4rkischen, einen Urlaubermagneten, in dem man sich auch tats\u00e4chlich im Glasblasen versuchen kann. 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