{"id":1555,"date":"2013-10-22T14:57:34","date_gmt":"2013-10-22T12:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1555"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw41-puppenspielfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1555","title":{"rendered":"Kolumne KW41 &#8222;Puppenspielfest&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Puppenspielfest<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis aus \u00d6sterreich reisen die Leute an, die wir mittlerweile schon kennen, denn es war ja dieses Wochenende bereits das neunte Oster-Zerr-Gebirgige Puppentheaterfest in und um B\u00e4renfels. Diese Verballhornung des Osterzgebirges geh\u00f6rt zu den stehenden Gags, an denen es nicht mangelte, es gab viel zu lachen, aber auch echte Kunst.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWarum haben wir so etwas nicht in Bran\u00addenburg? Liegt es am minderwertigeren Holz? Oder daran, dass wir keinen Paul H\u00f6lzig hatten, der als Puppenspieler in B\u00e4renfels zu Hause war? Dass wir keinen Seniorpuppenspieler wie Hans-Joachim Hell\u00adwig (80) aus Radebeul haben? Oder daran, dass wir keinen so sch\u00f6ne Spielst\u00e4tte haben wie den Gasthof B\u00e4renfels und auch nicht so viele umliegende Spielst\u00e4tten? Aber man ist ja in drei Stunden da, am Ort des Gesche\u00adhens und man muss ja nicht alles zu Hause haben. Nat\u00fcrlich gebr\u00e4che es uns auch an einer engagierten Schirmherrin wie Andrea Dombois, die doch immerhin Vizepr\u00e4sidentin des s\u00e4chsischen Landtags ist.<\/p>\n<p>\nAuf dem Fest werden an einem Wochenende nicht weniger als 19 Veranstaltungen ange\u00adboten. Wir haben gerade mal f\u00fcnf mitge\u00adnom\u00admen, haben ein paar kleine Entt\u00e4u\u00adschungen erlebt, aber sind insgesamt sehr angetan wieder nach Hause gekommen, und wo ich diese Zeilen hier in Waltersdorf schreibe, halten die Veranstaltungen noch an.<\/p>\n<p>\nAus unserer bescheidenen Perspektive als Teilnehmer und Laien waren die ungekr\u00f6n\u00adten Gewinner das Puppentheater des deutsch-sorbischen Volkstheaters aus Baut\u00adzen und das Figurentheater Ernst Heiter aus Mecklenburg. In Bautzen scheint man noch Geld zu haben, denn das dortige Theater besch\u00e4ftigt 25 Schauspieler und sechs Pup\u00adpen\u00adspieler, womit ja noch nicht alle Aufwendungen als gedeckt angesehen werden k\u00f6nnen, denn dazu geh\u00f6ren be\u00adkannt\u00adlich noch ein paar Leute mehr, es sind H\u00e4user zu unterhalten usw.<\/p>\n<p>\nDa kann man sich recht aufw\u00e4ndige Insze\u00adnierungen leisten, wie das St\u00fcck &#8222;Die acht Mil\u00adlion\u00e4re&#8220; \u2013 ein gegl\u00fccktes Experiment des gemischten Personen- und Puppenthea\u00adters f\u00fcr Erwachsene, eine Kriminalkom\u00f6die eines Franzosen, bei der allerdings etwas exzessiv vor sich hin gemordet wurde, ein Stilelement, das ich pers\u00f6nlich lieber aus dem Theater verbannt s\u00e4he. Aber meisterhaft wurden die beiden Ebenen: Schauspiel und Puppenspiel da vermischt. Auch die technische Schwie\u00adrigkeit, dass der Gasthof eigentlich nicht hoch genug f\u00fcr die B\u00fchne war, was in einer witzigen Rede (mit Gesang) der Intendantin thematisiert wurde, hielt die Darsteller nicht zur\u00fcck, buchst\u00e4blich auf Knien zu spielen.<\/p>\n<p>\nMan kann sich durchaus die talentierten Dar\u00adsteller Annekatrin Weber und vor allem Stephan Siegfried merken. Von ihm sahen wir heute noch einmal eine sehr beachtliche Rotk\u00e4ppchenauff\u00fchrung  mit wundervollen Pup\u00adpen, einfallsreichen Requisiten und seiner darstellerischen Kunst, wo man selbst als Erwachsener vergisst, dass er die Puppen spielt, obwohl er zu sehen ist, so ein stimmliches und gestenreiches Eigenleben entwickeln sie. Seinen Teil zu der Insze\u00adnie\u00adrung trug auch das Ambiente der Herklotzm\u00fchle bei, die von einem F\u00f6rder\u00adverein wiederhergestellt wurde und wo man die wasserkraftgetrieben Riesenzahnr\u00e4der wieder in Aktion sehen kann.<\/p>\n<p>\nDas war f\u00fcr uns der kr\u00f6nende Abschied von der in wunderbare herbstliche Farben getauch\u00adten Gebirgslandschaft, aber es klang in uns noch ein anderes unwiederbringliches Erlebnis vom Sonnabend nach, wo wir am Vormittag &#8222;Frau Fischer und ihr Mann&#8220; von Ernst Heiter und seiner Partnerin gesehen hatten. Das bekannte M\u00e4rchen von der ma\u00dflosen Fischersfrau wurde mit minimalen Mitteln so \u00fcberzeugend dargestellt, dass selbst von den Kindern nicht einmal der Kasper vermisst wurde. Sehr nahe an dem M\u00e4rchen hatten sich die Darsteller die Freiheit erlaubt, die Anma\u00dfung der Frau, vom Butt mehr und mehr zu verlangen und zum Schluss der Herrgott selber werden zu wollen, als einen Traum des Fischers zu interpretieren, die Zur\u00fcckversetzung in den \u00e4rmlichen Stand zum Schluss des M\u00e4rchens also als R\u00fcckkehr in den Alltag zu inter\u00adpretieren, wodurch dann auch im Grunde niemand schuldig geworden war. H\u00e4tten wir eine Wahl zu treffen gehabt, war das der absolute H\u00f6hepunkt des ganzen Festivals.<\/p>\n<p>\nZu den Entt\u00e4uschungen z\u00e4hlte leider auch eine Vordiplomarbeit der &#8222;Ernst Busch&#8220; Schauspielschule, bei der es um eine Art Exorzismus gehen sollte und mit Puppenspiel fast gar nichts mehr zu tun hatte. Da wohnt man scheinbar zu nahe an der Volksb\u00fchne, um noch Qualit\u00e4t auf die B\u00fchne bringen zu k\u00f6nnen. Mit einem anderen Beitrag, der wohl eher der Comedy zuzuordnen ist, fiel eigentlich die ganze lange Nacht des Puppenspiels durch, die bis fr\u00fch um viere gedauert haben soll, aber wir nur bis halb elf ansahen.<\/p>\n<p>\nZwar hatten wir keine Wahl zu treffen, aber die Auswahl hatten wir nat\u00fcrlich. Man wei\u00df nicht immer, was einen erwartet, aber bei den vorherigen Besuchen hatten wir schon den Eindruck gewonnen, dass die ost\u00addeutschen Truppen, trotz magerem Budget oft deutlich besser sind. Insgesamt ist das Fest auf jeden Fall ein Geheimtipp.<\/p>\n<p>\n<em>C.R. im Waltersdorfe 20.10.2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Puppenspielfest &nbsp; Bis aus \u00d6sterreich reisen die Leute an, die wir mittlerweile schon kennen, denn es war ja dieses Wochenende bereits das neunte Oster-Zerr-Gebirgige Puppentheaterfest in und um B\u00e4renfels. 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