{"id":1444,"date":"2013-07-16T20:33:22","date_gmt":"2013-07-16T18:33:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1444"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw28-hundert-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1444","title":{"rendered":"Kolumne KW28 &#8222;Hundert Jahre&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hundert Jahre<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In &#8222;Hundert Jahre Einsamkeit&#8220; von Garcia Marquez wird der Gro\u00dfvater, der nicht mehr alle Sinne beisammen hat, regelm\u00e4\u00dfig an einen Baum auf dem heimischen Hof gefesselt, dass er keinen Unsinn macht. In Jonas Jonassons Buch &#8222;Der Hundertj\u00e4hrige, der aus dem Fenster stieg und verschwand&#8220; macht sich ein Mann, der \u00fcber eine lange Lebensgeschichte verf\u00fcgt und mittlerweile in einem Altersheim untergebracht ist,<!--more--> anl\u00e4sslich seines Jubil\u00e4ums auf den Weg und st\u00fcrzt sich in Abenteuer. Die ihn suchen, vermuten, dass er &#8222;verwirrt&#8220; gewesen w\u00e4re und wenn sie ihn kriegen sollten, w\u00fcrden sie ihn zu seinem Schutz zwar nicht an einen Baum binden, daf\u00fcr aber wegschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>\nMeine R\u00fcckkehr zur Literatur, die ich erst mit einer immerhin schon zweihundert Jahre zur\u00fcckliegenden Periode der Napoleonischen Kriege und der Romantik in Deutschland begann, werde ich nun wohl oder \u00fcbel fortsetzen m\u00fcssen, denn in der Physik ist erst mal Sommerpause und im Wintersemester steht meistens nicht so viel an, also fortsetzen mit dem Studium dessen, was Hundertj\u00e4hrige noch so auf die Beine stellen, dass sie noch f\u00fcr so etwas wie einen Krimi gut sind.<\/p>\n<p>\nDas was an Lebensenergie gesund oder schon krankhaft ist, entscheiden wie immer diejenigen, die damit umgehen m\u00fcssen. Wenn da einer zu wenig pflegeleicht ist, dann verabreicht man Dopaminblocker, also Substanzen, die die Lebensenergie nehmen. Das ist nicht mehr nur im Alter verbreitet, wenn Leute etwas wunderlich zu werden beginnen, sondern wird auch immer verbreiteter bei Kindern angewendet, die ja auch manchmal dazu neigen aus der Art zu schlagen.<\/p>\n<p>\nEs gibt immer wieder F\u00e4lle, bei denen sich Menschen weigern, sich derart in der Lebensenergie einschr\u00e4nken zu lassen. Man kann sie immer wieder in Nervenkliniken erleben, wenn man sich selbst dreinschickt, aber immerhin wahrnehmen kann, wie es ist, wenn man es nicht tut. Das hundertj\u00e4hrige Jubil\u00e4um dieser zweifelhaften Medikamente k\u00f6nnen wir noch nicht begehen und wer wei\u00df, wie die Welt dann aussieht, wenn es dann so weit sein wird. Welche Biographien werden wir dann haben. Werden solche gebremsten Pers\u00f6nlichkeiten im Alter noch Gedichte rezitieren k\u00f6nnen, von alten Zeiten schw\u00e4rmen und Lieder zum Besten geben?<\/p>\n<p>\nWir erleben eine Renaissance des Alters, weil man da in einer R\u00fcckblende immer noch Unerh\u00f6rtes zu h\u00f6ren bekommt, sie sich durchbei\u00dfen mussten und der Rest der Lebensenergie, der ihnen im Alter noch geblieben ist, allemal interessanter ist als die interessanteste moderne Biographie.<\/p>\n<p>\nWir erben nur Scherben<br \/>\naus den Spiegeln der Zeit<br \/>\nSie machen aus einer Sonne<br \/>\nhundertfach Sonnen<br \/>\nSie machen aus Erlebnissen<br \/>\nUnvergessliches<br \/>\nUnvergleichliches<br \/>\nWonnen der Liebe<br \/>\nhundertfach durchlebt<br \/>\nhundertfach wiedergegeben<\/p>\n<p>\nH\u00f6re nur, h\u00f6re nur zu<br \/>\ndenn aus den Scherben<br \/>\nLeuchtest auch Du<\/p>\n<p>\nWof\u00fcr nur sparen wir uns auf?<br \/>\nWas wird es von uns zu erz\u00e4hlen geben?<br \/>\nWozu die vielen gelebten Leben?<br \/>\nWarum nur der ganze Weltenlauf?<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel,<br \/>\nIm Waltersdorfe 16.7.2013<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hundert Jahre &nbsp; In &#8222;Hundert Jahre Einsamkeit&#8220; von Garcia Marquez wird der Gro\u00dfvater, der nicht mehr alle Sinne beisammen hat, regelm\u00e4\u00dfig an einen Baum auf dem heimischen Hof gefesselt, dass er keinen Unsinn macht. 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