{"id":1432,"date":"2013-07-06T19:11:23","date_gmt":"2013-07-06T17:11:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1432"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"nach-den-nachwehen-des-festes-der-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1432","title":{"rendered":"Nach den Nachwehen des Festes der Stille"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach den Nachwehen des Festes der Stille<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das zweite Fest der Stille im vergangenen Jahr war noch umfangreicher vorbereitet worden als das erste und der Umsatz konnte auch gesteigert werden, d,h, die Ausgaben lagen etwa um drei\u00dfig Prozent h\u00f6her und es haben sich noch mehr an den Vor- und Nachbereitungen beteiligt.<!--more--> Vor allem haben wir selbst auch noch mehr investiert. Dem Ehrgeiz, wiederum nat\u00fcrliche Tannengirlanden zu verwenden, war der Bau einer entsprechenden Vorrichtung, einer Tannengirlandenmaschine geschuldet. F\u00fcr die Tombola wurde eigens ein Gl\u00fccksrad gebaut und diese wurde auch der gr\u00f6\u00dfte Erfolg, weil es uns wirklich gelungen war, tolle Preise zusammenzubekommen und die Leute, die gern nur mal vorbeischaun und schnell wieder gehen, zum Ausharren bis zur Ziehung der Hauptpreise bewegt wurden. Die Bratw\u00fcrste waren wirklich aus Th\u00fcringen eigens herangeschafft und wir hatten den Bedarf etwas \u00fcbersch\u00e4tzt, so dass einige Pakete noch zum Einkaufspreis verschleudert werden mussten, die dann bis zum Sommer teilweise in den Tiefk\u00fchltruhen ausharrten, bis zum Beginn der eigentlichen Grillsaison. Auch die Stollen vom B\u00e4cker Rauer, die im Jahr davor wie warme Semmeln gegangen waren, mussten zu Dankgeschenken an die Sponsoren umgewidmet werden. Ebenfalls sitzengeblieben waren wir auf einer betr\u00e4chtlichen Zahl von vorgebackenen Pfefferkuchen und den meisten der Pfefferkuchenhausbaus\u00e4tze von Ikea.<br \/>\nIch hatte \u00fcber eine Woche zu tun, das alles an den Mann zu bringen und mich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, die uns von so vielen Seiten zugeflossen war, zu bedanken. So einen Dank hatte ich auch der Firma FMT abzustatten, die in Teltow gelegen ist und mir noch aus dem Berufsleben in guter Erinnerung geblieben, das Herzst\u00fcck der Tannengirlandenmaschine, den Lagersitz, gedreht hatten. Das Video von der Maschine in Aktion l\u00f6ste auch einige Freude aus, aber dass sich der Weg lohne, hatte ich noch einige Pfefferkuchenhausbaus\u00e4tze eingepackt und dachte, man k\u00f6nne doch mal mit den Kindergartenkindern in Rotberg einige aufbauen. Ich bin in dieser Einrichtung kein Fremder und hatte in der Anfangszeit des Gedichtladens dort auch schon mal ein bisschen f\u00fcr Unterhaltung gesorgt. Als ich auf dem R\u00fcckweg von Teltow dort heranfuhr, hatten sie auch tats\u00e4chlich gerade nicht weiter zu tun und ich erhielt die Erlaubnis mit etwa f\u00fcnf Kindern solche Pfefferkuchenh\u00e4user aufzubauen. Den Zuckerguss habe ich mit dem Naturmittel Tragant verfestigt, auf das ich durch die Besch\u00e4ftigung mit E.T.H. Hoffmanns Nussknacker gekommen war, wo von Tragantp\u00fcppchen die Rede ist. Da haben wir dann dieses ziemlich teure Naturmittel ausfindig gemacht und hatten einige Vorr\u00e4te, weil nicht alles zum Verzieren der Pfefferkuchen verbraucht wurde. Nun h\u00e4tte man erwarten k\u00f6nnen, dass sich die mir bekannte Chefin der Kindereinrichtung Cordula gefreut h\u00e4tte, dass ich ihren Kindern eine Unterhaltung bot. Sie war nicht da, als ich eintraf, aber erschien dann, als die H\u00e4uschen schon fertig dastanden. Nicht etwa, dass sie sich bedankt h\u00e4tte, vielmehr erhielt ich eine Abreibung, was mir denn einfiele, einfach so hereinzuschneien und so eine Aktion zu starten. Ich h\u00e4tte erst das Einverst\u00e4ndnis der Eltern einholen m\u00fcssen. Es war sogar von einem F\u00fchrungszeugnis die Rede. Wie ein Schwerverbrecher oder Sittenstrolch wurde ich abserviert, kein Dank und kein Aufwiedersehen und zu Hause angekommen hat sich meiner auch geh\u00f6rig das schlechte Gewissen bem\u00e4chtigt, gerade auch auf das Tragant bezogen, auf das man ja auch allergisch reagieren kann, wie auf viele Naturmittel, und ich malte mir aus, wie die Polizei mich schon in Gewahrsam nehmen wolle und ich mich vor dem Staate zu verantworten habe f\u00fcr meine Eigenm\u00e4chtigkeit.<br \/>\nIn der Kita Spatzennenst in Sch\u00f6nefeld war ich schlauer und hatte mich einen Tag vorher angemeldet und wurde auch wesentlich freundlicher aufgenommen. Erst wollten auf Befragen nicht allzu viele Kinder, aber dann waren es doch an die zwanzig. Eine Erzieherin begleitete mich mit den Kindern in die K\u00fcche, wo einige Tische und St\u00fchlchen standen. Man h\u00e4tte meinen k\u00f6nnen, dass mir eine der Erzieherinnen geholfen h\u00e4tte, aber sie notierte nur kurz die Namen der Kinder und \u00fcberlie\u00df mir dann die ganze Blase, denen die ersten Teile schon beim Auspacken zerbrachen. Dann Hilferufe und Fl\u00fcche von tausend Seiten. Ich tat, beriet und half so gut ich konnte, aber die Ausbeute war trotzdem gering. Vielleicht hatte ich auch den Zuckerguss zu d\u00fcnn anger\u00fchrt, jedenfalls erforderte es mehr Geduld als die meisten der Kinder, die dort auch ein buntes V\u00f6lkergemisch sind, hatten. Von den zwanzig standen dann etwa vier H\u00e4user und zwei davon hatten vietnamesische M\u00e4dchen aufgestellt, die nicht ein Mal meine Hilfe in Anspruch genommen hatten, aber geduldig und geschickt vorgegangen waren. Die gelungenen H\u00e4user wurden in r\u00fchrender Weise nach Hause transportiert, was in diesem Neubaugebiet keinen weiten Weg bedeutet, aber ich hatte dann noch eine Weile mit den Aufr\u00e4umarbeiten zu tun.<br \/>\nDie normale Konsequenz von solchen Erlebnissen ist zu sagen: &#8222;Nie wieder&#8220;, doch sollte man das Leben an abweisenden oder m\u00fc\u00dfigen Erzieherinnen messen? Es ist so viel an Spontanit\u00e4t erstickt, sind gutgemeinte Initiativen ins Leere laufen gelassen, dass man einfach nicht aufh\u00f6ren sollte, immer wieder gegen diese Gummiwand anzuspringen.<br \/>\nEs er\u00fcbrigt sich zu sagen, dass, als ich dann mit den restlichen sieben Pfefferkuchenh\u00e4usern in eine psychiatrische Einrichtung gezogen bin, ich dort von der Schwester nicht ohne Anteilnahme gefragt wurde, ob ich etwa manisch sei. Da habe ich mich nicht getraut, noch einmal mein Gl\u00fcck mit der Spontanit\u00e4t zu versuchen und eine Aktion mit den Patienten zu unternehmen, sondern \u00fcberlie\u00df die Sache mit den Pfefferkuchenh\u00e4usern ihrem Schicksal, das sicher in einem M\u00fcllcontai\u00adner endigte. Zu schnell kann sich der Verdacht einer psychischen St\u00f6rung verdichten und man wird mal eben zur Sicherheit einer mehrw\u00f6chigen Beobachtung unterzogen und ebenfalls nur zum eigenen Besten mit einer geh\u00f6rigen Dosis an Psychopharmaka &#8222;behandelt&#8220;.<br \/>\nErst jetzt, nach einem halben Jahr und verstrichener Karenzzeit f\u00fcr Tragantallergien, kann man mit Sicherheit sagen, dass man nicht verr\u00fcckt war, was mit manisch ja nur wohlwollend umschrieben wird. Allerdings werden die Kinder, die sich damals \u00fcber die Pfefferkuchenh\u00e4user gefreut haben, dieses Kindheitserlebnis auch schon wieder verdr\u00e4ngt haben. Es bleibt noch ein knappes halbes Jahr sich zu \u00fcberlegen, ob man es noch mal mit den Urgewalten aufnehmen m\u00f6chte, die darauf hinarbeiten zu sagen, das ist nur etwas f\u00fcr Verr\u00fcckte.<\/p>\n<p>\n<em>C.R. 5.7.2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Nachwehen des Festes der Stille &nbsp; Das zweite Fest der Stille im vergangenen Jahr war noch umfangreicher vorbereitet worden als das erste und der Umsatz konnte auch gesteigert werden, d,h, die Ausgaben lagen etwa um drei\u00dfig Prozent h\u00f6her&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1432\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[],"class_list":["post-1432","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-veranstaltungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1432"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1440,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1432\/revisions\/1440"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}