{"id":1424,"date":"2013-06-30T14:42:55","date_gmt":"2013-06-30T12:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1424"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw26-privates-sehr-privates","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1424","title":{"rendered":"Kolumne KW26 &#8222;Privates, sehr Privates&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Privates, sehr Privates<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine eins ist doch immer sehr erfreulich, auch wenn es bei sch\u00e4rfster Aufl\u00f6sung eine 1,3 ist. Dieses Ergebnis erreichte meine dritte Tochter im schwierigen Fach der Kunst, wo man es bei der Pr\u00fcfung mit nicht weniger als vier Professoren gleichzeitig zu tun bekommt, die sich auch recht M\u00fche geben je ein mehrseitiges Gutachten von sich zu geben, also selbst auch einiges an Arbeit investieren. Dem Vernehmen nach soll das aber der Vergangenheit angeh\u00f6ren, abgeschafft werden, wie alles, was zu viel Arbeit macht.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nMeine vierte Tochter soll die meisten Pr\u00fcfungen auch mit einer Eins bestanden haben und sich jetzt, neben einer noch wichtigeren Liebe, ihrer Examensarbeit widmen. Das alles erf\u00e4hrt man aber nicht von ihr selbst, sondern ist auf Quellen angewiesen, die ihr n\u00e4her zu liegen scheinen. Es entbehrt nicht einer gewissen Peinlichkeit, sich dieser bedienen zu m\u00fcssen, da man doch selbst, zwar oft mit einem Professor verwechselt, ganz unten auf der Priorit\u00e4tenliste steht, wie einem bedeutet wird, wenn man diesen Informationsmangel moniert.<\/p>\n<p>\nDer Sohn sieht sich seiner Menschenw\u00fcrde beraubt, wenn er mal etwas helfen soll, tut vorsorglich seine Ablehnung kund, um danach mitzuteilen, dass er gefragt werden m\u00f6chte, wenn ein solches Ansinnen an ihn herangetragen wird, nimmt um seiner Menschenw\u00fcrde willen einen Tag Computer\u00adabsti\u00adnenz auf sich, um sich dann wieder umso gr\u00fcndlicher in diese Besch\u00e4ftigung zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p>\nUnser Gastsch\u00fcler sieht am\u00fcsiert zu, wie ich den gesamten Einkauf am Auto allein in den Taschen verstaue, und als ich damit fertig bin, spendet er einen ironisierten Applaus, was ich doch f\u00fcr ein Idiot bin. Beim Ausladen greift er sich ein fluffiges Toastbrot und ein Beutelchen Kartoffeln und will unter Zur\u00fccklassung der betr\u00e4chtlich schweren Einkaufstasche nach oben gehen. Ich wei\u00df das gerade noch zu verhindern, wobei es wiederum nicht ganz ohne Schm\u00e4lerung des Menschenrechts auf ein m\u00f6glichst faules Dasein abgeht. Am darauffolgenden Tag, so stellt er sich vor, wird ihn dieser Idiot auch noch nach Dresden kutschieren, doch da Faulenzer gern lang schlafen, ist es leicht das eben mal ausfallen zu lassen.<\/p>\n<p>\nMan k\u00f6nnte das als eine gro\u00dfe Sehnsucht auffassen, einer Sehnsucht nach Autorit\u00e4t, und man k\u00f6nnte es diesen Fasterwachsenen leicht machen und sich eine Abreibung wegen ausgespielter Autorit\u00e4t einfangen, aber so idiotisch sind wir wieder nicht, dass wir dieser ihrer Sehnsucht nachgeben w\u00fcrden, denn hinter dieser oberfl\u00e4chlichen Sehnsucht steht die nach Eklat, nach Zerst\u00f6rung von allem au\u00dfer sich selbst, denn das Ego wird beh\u00fctet, da wird weder geraucht noch gesoffen oder gar gekifft.<\/p>\n<p>\nEs gibt immer zwei Wege, diesen Erscheinungen zu begegnen, den der Energie und den der Diplomatie. Da man es aber mit Energielosen zu tun hat, scheidet der erste Weg aus, will man nicht zu einem aussichtslosen Animateur werden. Anderer\u00adseits wei\u00df man, dass Diplomatie in der Erziehung schon zu gar nichts f\u00fchrt. Wie man sich in den letzten hundert Jahren in der Politik an zwei Wegen abgearbeitet hat, dann schlie\u00dflich auf einen sog. dritten Weg kam, der sich ebenfalls als Luftnummer erwiesen hat, wollen wir den dritten Weg der Erziehung kurz nennen und sogleich wieder verwerfen. Das w\u00e4re n\u00e4mlich das gute Vorbild ohne Aussicht oder R\u00fccksicht auf dessen Wirkung.<\/p>\n<p>\nIntellektuell bew\u00e4ltigt ist dies, indem man bemerkt, dass man einer untergehenden Kultur angeh\u00f6rt. Mental, indem man sich unbeschadet dieser Erkenntnis auf die eigene Vervollkommnung oder eines Gegenstandes konzentriert. Genau das machen uns Bastler, Hobbyg\u00e4rtner und manche K\u00fcnstler vor, doch ob daraus je wieder eine Gesellschaft, gar eine gesellschaftliche Bl\u00fcte erstehen k\u00f6nnte, kann man nur von Selbsthei\u00adlungskr\u00e4ften erwarten, die wer wei\u00df woher kommen k\u00f6nnten. Jedem, der \u00fcber diese Gabe verf\u00fcgt, liege ich zu F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>\nWenn es nicht zu privat, zu sehr privat, w\u00e4re, k\u00f6nnte man noch die Frage beantworten, ob und wem ich zu F\u00fc\u00dfen liege. Zudem ist das gegenseitige Interesse, die Neugier so gering, dass dies m\u00fc\u00dfig w\u00e4re. Soll sich doch jeder selbst befragen, ob er dies gefunden hat oder nicht.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel,<br \/>\nIm Waltersdorfe 29.6.2013<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Privates, sehr Privates &nbsp; Eine eins ist doch immer sehr erfreulich, auch wenn es bei sch\u00e4rfster Aufl\u00f6sung eine 1,3 ist. 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