{"id":1386,"date":"2013-05-22T18:09:24","date_gmt":"2013-05-22T16:09:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1386"},"modified":"2023-12-08T23:00:24","modified_gmt":"2023-12-08T21:00:24","slug":"kolumne-kw20-fruhlingsimpressionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1386","title":{"rendered":"Kolumne KW20 &#8222;Fr\u00fchlingsimpressionen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fr\u00fchlingsimpressionen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen Pfingstausflug ins Elbsandsteingebirge haben wir gerade beendet. Wir waren schon \u00f6fter dort, meistens in Hohnstein, aber diesmal wollten wir es von einer anderen Ecke, n\u00e4mlich von Lohmen erkunden.<\/p>\n<p>\nWenn man nur drei Tage daf\u00fcr Zeit hat, kann man einerseits auf sch\u00f6nes Wetter hoffen, das hatten wir bis auf einen Vormittag, wo es mal regnete und wir ein St\u00fcck mit dem Auto fuhren. Andererseits muss man die Tage nutzen und schon mal 8 bis 12 Stunden (mit Unterbrechungen) wandern.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nLohme liegt ganz am nordwestlichen Ende der S\u00e4chsischen Schweiz und so bedurfte es schon Tagestouren, um das bekanntere Ende mit der Bastei bis Bad Schandau zu durchqueren. F\u00fcr den R\u00fcckweg wollten wir uns einmal auf den Nahverkehr verlassen, der ja aus Bussen, einer sog. S-Bahn und der s\u00e4chsischen Dampfschifffahrt bestehen soll. Was man aber nicht wissen kann, ist, dass zwei dieser Verbindungen ihre T\u00e4tigkeit schon zur fr\u00fchen Kaffeestunde, also so gegen drei einstellen.<\/p>\n<p>\nAls wir in Prossen dem letzten Dampfer zuwinkten, hielt es ihn nicht davon ab, einfach vorbeizudampfen, dabei hatte er uns nur nach Wehlen bringen sollen, von wo aus wir noch einen Fu\u00dfweg von einer guten Stunde gehabt h\u00e4tten. Daf\u00fcr nahm uns einer nach Bad Schandau mit, wodurch wir uns allerdings von unserem Quartier eher noch weiter entfernten, als dass wir diesem n\u00e4hergekommen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>\nWir hofften auf einen Bus, der uns nach Lohmen bringen k\u00f6nnte, es gab sogar Hinweisschilder zu einem Busbahnhof, den wir dann allerdings doch nicht fanden. Am Bahnhof waren dann zwar einige Busstationen, aber die Busse waren nicht mehr zu sehen, denn es war mittlerweile 18 Uhr.<\/p>\n<p>\nAlso blieb nur die S-Bahn, die uns erst mal vor der Nase wegfuhr, weil nat\u00fcrlich das L\u00f6sen einer Fahrkarte ein Zusatzstudium erfordert h\u00e4tte. Schlie\u00dflich kamen wir so gegen halb acht, immer noch bei strahlendem Sonnenschein in Wehlen an und hatten nur noch die leise Bef\u00fcrchtung, dass auch die F\u00e4hre schon die Nachtruhe eingel\u00e4utet h\u00e4tte, dann h\u00e4tte ein Umweg \u00fcber Pirna angestanden, aber nicht die vollst\u00e4ndig geballte Ladung des Missgeschicks hatte sich zusammengezogen und wir kamen noch her\u00fcber und konnten sogar noch die letzte Kugel Eis erstehen.<\/p>\n<p>\nDann ging es noch einmal durch den Uttewalder Grund, der die eigentliche Entdeckung unseres Trips darstellt, denn er ist viel sch\u00f6ner als zum Beispiel das Polenztal, durch das an Sonn- und Feiertagen die halbe Welt marschiert. In diesem Grund schieben sich die Felsen so nahe heran, dass an einer Stelle das sog. Felsentor entstand, das man nur in geb\u00fcckter Haltung durchschreiten kann. Das ist so wild romantisch, dass man sich wundert, dass Richard Wagner seinen Lohengrin nicht dort, sondern im unweiten tobendem Weseritztal geschrieben hat, wo man sein eigenes Wort nicht versteht und er ein Nachleben in einem monumentalen ummoosten Denkmal f\u00fchrt.<\/p>\n<p>\nMir fielen in der l\u00e4ndlichen Stille unserer Ferienwohnung die folgenden Zeilen ein:<\/p>\n<p>\nFr\u00fchlingsgescheckte<br \/>\nf\u00fcr uns hingestreckte<br \/>\nnie wieder d\u00fcrre Natur<\/p>\n<p>Vollendungsharrend<br \/>\ndie Sinne narrend<br \/>\nnie wieder Widernatur<\/p>\n<p>Sprachlosmachend<br \/>\nWortdreher verlachend<br \/>\nnie wieder stumme Natur<\/p>\n<p>Wahrheitenquellend<br \/>\nin Kontexte stellend<br \/>\nnie wieder blo\u00dfer Text pur<br \/>\nNicht d\u00fcrr, nicht wider, nicht stumm<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel,<br \/>\nIm Waltersdorfe 20.5.2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fchlingsimpressionen &nbsp; Einen Pfingstausflug ins Elbsandsteingebirge haben wir gerade beendet. 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