{"id":1161,"date":"2012-11-25T14:44:55","date_gmt":"2012-11-25T12:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1161"},"modified":"2024-09-29T14:38:51","modified_gmt":"2024-09-29T12:38:51","slug":"kolumne-kw48-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1161","title":{"rendered":"Kolumne KW48 &#8222;Hannibal aus der Sicht der R\u00f6mer?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hannibal aus der Sicht der R\u00f6mer?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die R\u00f6mer haben in summa 120 Jahren Krieg nicht nur Karthago ausgel\u00f6scht und Salz aus\u00adge\u00adstreut, dass an dieser Stelle in Nordafrika nicht mal mehr etwas wachsen sollte, son\u00addern auch jegliches Schriftgut vernichtet, auf dass man nicht mehr wisse, wie alles ver\u00adlief.<!--more--> Damit glaubten sie ganze Arbeit geleistet zu haben, aber schufen doch eine Legende, so dass sich sp\u00e4ter eine Vorliebe f\u00fcr Hannibal etablierte, die bis heute anh\u00e4lt, obwohl die Karthager (Punier) letztlich alle drei &#8222;puni\u00adschen Kriege&#8220; verloren haben.<\/p>\n<p>\nManch einer zweifelt heute schon, ob das Ganze nicht die geistige Ausgeburt einiger antiker Historiker gewesen sei, die sich fernab ein paar widerspr\u00fcchliche Ideen des Hergangs ausgeschwitzt haben. Dies war die Saga eines von karthagischer Seite quasi als Familienkrieg mit S\u00f6ldnern durchgef\u00fchrten Feld\u00adzugs in drei Etappen, dem Geschlecht der Barkiden, wo der Vater Hamilkar Barkas den ersten Frieden ausgehandelt hat, worauf die drei S\u00f6hne Hannibal; Hasdrubal und Mago in den zweiten zogen und der dritte dann ohne Bar\u00adkiden j\u00e4mmerlich verlorenging und Karthago von der Bildfl\u00e4che verschwand.<\/p>\n<p>\nMittelalterliche K\u00fcnstler dr\u00fcckten die Hanni\u00adbal-Affinit\u00e4t aus, indem sie ihn noch in An\u00adwe\u00adsenheit seines Vaters auf der iberischen Halbinsel Rom ewige Feindschaft schw\u00f6ren lie\u00dfen, dann st\u00fcrzten seine Elefanten reihen\u00adwei\u00adse die Alpen hinunter und schlie\u00dflich nahm er malerisch den Giftbecher im Exil, um nicht in die H\u00e4nde der immer weiter expan\u00addie\u00adrenden R\u00f6mer zu geraten.<\/p>\n<p>\nDer R\u00f6mer erstes Glanzst\u00fcck bestand schon darin, dass sie Hannibal infolge des ersten punischen Krieges, der die Karthager Sizilien und dann noch Sardinien und Korsika und viele Talente Silber gekostet hatte, die \u00dcberschreitung des Iber untersagten. Noch heute r\u00e4tseln die Historiker, ob das der Ebro s\u00fcdlich der Pyren\u00e4en war. Als Hannibal dann 219 v.u.Z. Sagunt belagerte, das s\u00fcdlich des Ebro liegt, wurde das dennoch zum Kriegs\u00adan\u00adlass, weil nat\u00fcrlich damals erst recht keiner wusste, ob er den Iber damit schon \u00fcber\u00adschritten hatte oder ob es gar eine spezielle Klausel f\u00fcr diese Stadt im heutigen Spanien im vorherigen Friedensvertrag gegeben hat.<\/p>\n<p>\nAls sich Hannibal dann schon nach \u00dcberque\u00adrung der Alpen (zweifelsfrei jenseits des Iber, wo immer er auch gewesen sein mag) weit im italienischen Hinterland befand, ihm der r\u00f6mische &#8222;cunctator&#8220; (Z\u00f6gerer) Fabius Maxi\u00admus jahrelang nur hinterhergezogen war und in Rom immer schon mal der Ruf erschallt war &#8222;Hanni\u00adbal ante portas&#8220;, kam es 216 zur Schlacht bei Cannae, das am Hacken des italienischen Stie\u00adfels in Apulien liegt und die R\u00f6mer eine vernichtende Niederlage erlitten.<\/p>\n<p>\nDass Hannibal dann Rom nicht nahm, f\u00fchren heutige Historiker auf sachliche Gr\u00fcnde zu\u00adr\u00fcck, die Legende und Joachim Fernau aber darauf, dass Hannibal ein Kulturmensch war und eine bl\u00fchende Stadt, wie Rom nicht ver\u00adnichten w o l l t e.<\/p>\n<p>\nDie R\u00f6mer hatten m\u00e4chtig Massel vor Hanni\u00adbal und erwiesen sich wenig sp\u00e4ter als viel weniger kulturell \u00fcberpr\u00e4gt, als sich n\u00e4mlich langsam das Kriegsgl\u00fcck wendete, sie sich des Kopfes des im Nachr\u00fccken begriffenen Hannibal-Bru\u00adders Hasbrubal bem\u00e4chtigen konn\u00adten, dieses Haupt eigens bis in den S\u00fcden bef\u00f6r\u00adder\u00adten, um es \u00fcber Hannibals Pa\u00adli\u00adsaden als Gastgeschenk zu werfen.<\/p>\n<p>\nMan darf sich \u00fcber Brutalit\u00e4t auf beiden Sei\u00adten keine Illusionen machen, aber auch diese ist in gewissem Sinne realtiv. Den R\u00f6mern verdanken wir die Redekunst (Verdrehungs\u00adkunst?), die Rechtssprechung (Geldverdien\u00adma\u00adschine f\u00fcr Advokaten?), eine Kunst (Plagi\u00ada\u00adte von Vorgefundenem?) und eine Akten\u00adlage, die sie ins Recht setzt und uns nicht mehr erm\u00f6glicht zu sagen, was wir Karthago h\u00e4tten verdanken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\n<em>\u00a9Christian Rempel      www.gedichtladen.de<br \/>\nIm Waltersdorfe 6.11.2012<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannibal aus der Sicht der R\u00f6mer? &nbsp; Die R\u00f6mer haben in summa 120 Jahren Krieg nicht nur Karthago ausgel\u00f6scht und Salz aus\u00adge\u00adstreut, dass an dieser Stelle in Nordafrika nicht mal mehr etwas wachsen sollte, son\u00addern auch jegliches Schriftgut vernichtet, auf&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1161\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1161","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1161","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1161"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1161\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4402,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1161\/revisions\/4402"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1161"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}