{"id":1122,"date":"2012-11-03T18:06:16","date_gmt":"2012-11-03T16:06:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1122"},"modified":"2024-09-29T15:25:23","modified_gmt":"2024-09-29T13:25:23","slug":"kolumne-kw45-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1122","title":{"rendered":"Kolumne KW45"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sankt Florian, Sankt Florian<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer schon einmal den Schulungsraum der Feuerwehr in Waltersdorf betreten hat, dem werden Figuren eines R\u00f6mers aufgefallen sein, die in verschiedenen Varianten darge\u00adstellt sind, mal mit, mal ohne Bart, aber immer mit einem Bottich, gerade im Begriff ein Haus zu l\u00f6schen.<\/p>\n<p>\nDas Prachtst\u00fcck ist eine etwa einen Meter gro\u00dfe Figur mit einer Fahne in der Hand, die die Feuerwehr von der polnischen Partner\u00adgemeinde Racula bei Zielona Gor\u00e1 erhalten hat und die sogar geweiht wurde, weil der Heilige in Polen sehr verehrt wird, denn seine Gebeine liegen in der altehrw\u00fcrdigen Florian\u00adkirche in Krakow.<\/p>\n<p>\nZu Tode kam der M\u00e4rtyrer im Jahre 304 nach Christi in<!--more--> Ober\u00f6sterreich, das damals noch von den R\u00f6mern besetzt war. Das war eine Zeit, in der die Christen von Rom noch ver\u00adfolgt wurden. Er hatte das Pech, dass das Christentum erst zehn Jahre sp\u00e4ter vom Kaiser Konstantin anerkannt wurde und er starb wie die anderen den M\u00e4rtyrertod.<\/p>\n<p>\nNat\u00fcrlich hatte Sankt Florian mit der Feuer\u00adwehr noch nichts am Hut, weil es sie damals noch gar nicht gab, aber heute ist an seiner Todesstatt das gr\u00f6\u00dfte Feuerwehrmuseum \u00d6sterreichs und die Feuerwehrkameraden bezeichnen sich mancherorts als Florianj\u00fcn\u00adger.<\/p>\n<p>\nAls sich Florian vor etwa 1700 Jahren zum Christentum bekannt hatte, wurde er zu\u00adn\u00e4chst verbannt. Als dann aber 40 seiner &#8222;Kameraden&#8220; zum Tode verurteilt wurden, weil sie sein christliches Bekenntnis teilten, kehrte er zur\u00fcck und wurde ebenfalls gefol\u00adtert und schlie\u00dflich mit einem M\u00fchlstein um den Hals in einem See ertr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>\nEine Frau soll sich dann des Leichnams ange\u00adnommen haben, lud ihn auf einen Ochsen\u00adkarren und wollte ihn bestatten. Da bleiben die Ochsen der Legende nach vor Durst ste\u00adhen und wollten nicht mehr weiter. Da ent\u00adsprang pl\u00f6tzlich ein Quell, an dem sie sich laben konnten und den es heute noch gibt.<\/p>\n<p>\nSein Einstehen f\u00fcr die &#8222;Kameraden&#8220;, die Chris\u00adten, und die Verbindung seines Sterbens mit Wasser, des damaligen einzigen Mittels der Bek\u00e4mpfung w\u00fctender Br\u00e4nde, lie\u00dfen ihn zum Heiligen und sp\u00e4ter zum Schutzpa\u00adtron der Feuerwehr werden.<\/p>\n<p>\nEs versteht sich, dass man bei uns weniger diese heilige Seite herauskehrt, denn bei der heutigen Feuerwehr gilt nicht gerade mehr: Helm ab zum Gebet! Sieht man aber in die Einsatzberichte der Feuerwehr und findet dort zweimal &#8222;Person unter Zug&#8220; oder \u00f6fter &#8222;Verkehrsunfall mit mehreren PKW&#8220;, kann man sich ausmalen, welche psychische Belas\u00adtung hinter diesen lapidaren K\u00fcrzeln steht, die die Kameraden bew\u00e4ltigen m\u00fcssen. So wundert es einen nicht, dass einige aus der Feuerwehr doch auch von der Verehrung des heiligen Florian durch die Partnergemeinde beeindruckt waren und sich mancher w\u00fcnscht, dass die Skulptur einen w\u00fcrdigen Platz am Geb\u00e4ude f\u00e4nde.<\/p>\n<p>\nEs w\u00e4re ein toller Plan, das vielleicht am 4. Mai 2013, ein Sonnabend, in die Tat umzu\u00adsetzen. Als ich mich damit besch\u00e4ftigte, habe ich \u00fcberlegt, was ein Gedichtladen dazu bei\u00adtra\u00adgen k\u00f6nnte, und das besteht zun\u00e4chst darin, mal zu schauen, welche dichterischen Produkte sich dieser Problematik n\u00e4hern.<\/p>\n<p>\nDabei stie\u00df ich auf das folgende Gedicht, das mehr eine Eltern-Kind-Beziehung themati\u00adsiert, denn mit Flammen hat man es ja nicht nur \u00e4u\u00dferlich zu tun, sondern gerade bei jungen Leuten brennt es ja auch gewaltig im Herzen:<\/p>\n<p>Sankt Florian<\/p>\n<p>Du heiliger Sankt Florian,<br \/>\nNimm du dich meines Herzens an!<br \/>\nNoch lodert&#8217;s nicht in hellem Brand;<br \/>\nDu hast das K\u00e4nnlein in der Hand,<br \/>\nGie\u00df deine kalten Fluten<br \/>\nIn meine Herzensgluten!<\/p>\n<p>In unsrer Kirche h\u00e4ngt dein Bild;<br \/>\nDu, heiliger Florian, l\u00e4chelst mild<br \/>\nUnd schaust mich an und wei\u00dft wohl nicht,<br \/>\nDu hast meines Vaters Angesicht!<br \/>\nM\u00fctterchen lie\u00df sich den Vater malen;<br \/>\nV\u00e4terchen wollte das Bild nicht bezahlen&#8230;<\/p>\n<p>Der Maler aber hat gelacht:<br \/>\n&#8222;Das Bild wird schon noch angebracht!&#8220;<br \/>\nEin K\u00e4nnlein gab er in Vaters Hand,<br \/>\nNun h\u00e4ngt er an der Kirchenwand,<br \/>\nSchaut heilig, mild und bieder<br \/>\nAuf die Gemeinde nieder.<\/p>\n<p>Du lieber, heiliger Florian,<br \/>\nNimm du dich meines Herzens an!<br \/>\nMein Vater goss gar manches Mal<br \/>\nIn meine Glut den Wasserstrahl<br \/>\nErn\u00fcchternden Verstandes&#8230;<br \/>\nNun walte du des Brandes!<\/p>\n<p>Hugo Salus (1866-1929)<\/p>\n<p>Vielleicht kann ich den Kameraden der Feuer\u00adwehr, die auch diesjahr wieder unser Fest der Stille netter Weise unterst\u00fctzen wollen, eine Freude machen, indem ich eine zeitgem\u00e4\u00dfe und k\u00fcrzere Adaption verfasse und es vielleicht doch noch zu der gew\u00fcnschten Einweihungszere\u00admonie kommt.<\/p>\n<p><em>Im Waltersdorfe 3.11.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sankt Florian, Sankt Florian &nbsp; Wer schon einmal den Schulungsraum der Feuerwehr in Waltersdorf betreten hat, dem werden Figuren eines R\u00f6mers aufgefallen sein, die in verschiedenen Varianten darge\u00adstellt sind, mal mit, mal ohne Bart, aber immer mit einem Bottich, gerade&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1122\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1122","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1122"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1125,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1122\/revisions\/1125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}