{"id":1085,"date":"2012-09-30T15:14:06","date_gmt":"2012-09-30T13:14:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=1085"},"modified":"2024-09-29T21:23:50","modified_gmt":"2024-09-29T19:23:50","slug":"kolumne-kw40-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1085","title":{"rendered":"Kolumne KW40"},"content":{"rendered":"<p><strong>Capitale mundi<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die sieben H\u00fcgel, auf denen Rom errichtet worden sein soll, lassen sich nur schwer be\u00adstimmen, denn die ganze Stadt ist ein wenig h\u00fcgelig und richtig ausmachen konnten wir nur den Palatino-H\u00fcgel, auf dem Rom vor et\u00adwa 2800 Jahren gegr\u00fcndet worden sein soll.<\/p>\n<p>\nDer Tiber windet sich in einiger Tiefe in Rich\u00adtung S\u00fcden dahin, eingefasst von Mauern, so dass eine Bootstour nicht viel mehr ergeben k\u00f6nn\u00adte, als die Betrachtung derselben.<!--more--> Die H\u00e4user sind alle f\u00fcr die Ewigkeit ge\u00adbaut, wie es sich f\u00fcr die ewige Stadt geziemt.<\/p>\n<p>\nWenn nicht schon die Ph\u00f6nizier den Kalkze\u00adment entdeckt h\u00e4tten, mit dem sie sogar un\u00adter Wasser Festigkeit erreichten, h\u00e4tte man die R\u00f6mer f\u00fcr sehr erfinderisch halten k\u00f6nnen, denn sie verwendeten in den manchmal meterdicken Mauern das Opus caementitium, w\u00e4hrend bei uns noch im Mittelalter Eier als geeignetes Bindemittel verwendet wurden. Die R\u00f6mer sind wohl einfach ein bisschen mehr herumgekommen.<\/p>\n<p>\nSo kommt es, dass wir heute noch gewaltige Bogengew\u00f6lbe bewundern k\u00f6nnen, die sie vor zweitausend Jahren gebaut hatten. Auch wenn das Forum Romanum eher einem Tr\u00fcm\u00ad\u00admerfeld gleicht, haben sich diese Zeu\u00adgen gewaltiger Bauanstrengungen eben bis heute erhalten. Wenn man sieht, wie dort heute Arch\u00e4ologen mit einer spachtelartigen Kelle und einer Kehrschaufel hantieren, ist einem klar, mit welchen nicht ad\u00e4quaten Mitteln man es heute zu tun hat.<\/p>\n<p>\nAm heutigen Piazza de la Republica hatten die R\u00f6mer ein Bad hingeklotzt, das noch heute wie eine gewaltige Ruine aussieht, und als eine Reisef\u00fchrerin sagte, es handle sich um die sch\u00f6nste Kirche Roms, waren wir erst einmal verbl\u00fcfft, bis wir das Innere sahen, das zu einer gewaltigen Kathedrale umgebaut und auf Pl\u00e4ne von Michelangelo zur\u00fcckgeht. Heute hei\u00dft sie Santa Maria degli Angeli und wir finden dort einen Sonnenkalender und eine Ehrung Galileis.<\/p>\n<p>\nWie schwer hatte sich doch die Kirche mit Galileo Galilei getan, der gerade so dem Scheiterhaufen entgangen ist und seine letzten neun Lebensjahre unter Hausarrest verbringen musste. Erst 1979 gab Johannes Paul II, der noch heute stark verehrte Papst Woytila, eine Untersuchung des Falles in Auftrag, die dann bis 1992 w\u00e4hrte und zu Galileis Rehabilitation f\u00fchrte. Da muss man schon mal wie er mit 26 Jahren das zweit\u00adl\u00e4ngste Pontifikat innehaben, wenn man das Ende einer solchen Initiative noch erleben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>\nDem Vatikan kann man ja zugute halten, dass er die besterhaltene Anlage Roms dar\u00adstellt und mit dem vatikanischen Museum eine unsch\u00e4tzbare Sammlung von Kunstwer\u00adken der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich macht. Da mangelt es auch nicht an den Nackedeis antiken Ursprungs, die sehr beeindruckend sind und in der bahnhofsartigen Sixtinischen Kapelle, die ohne Michelangelos ber\u00fchmte Fresken fast schmucklos w\u00e4re, kann man nur den Atem anhalten und trotzdem bedarf es dort des st\u00e4ndigen &#8222;Tsch\u2026tsch&#8220; der Wach\u00admann\u00adschaft, um den Ger\u00e4uschpegel ertr\u00e4g\u00adlich zu halten. Man soll dort auch nicht photographieren, woran sich aber wohl die wenigsten halten.<\/p>\n<p>\nWir hatten den Vatikan durch einen Spazier\u00adgang durch den mediterranen Stadtteil Tras\u00adte\u00advere erreicht und waren von dort \u00fcber eine H\u00fcgelkette und an dem Garibaldidenkmal vorbei gelangt. Den Park schm\u00fcckten viele B\u00fcsten von ausschlie\u00dflich M\u00e4nnern, die man auch im Borghesepark am n\u00f6rdlichen Ende der Stadt findet. Man kennt davon keinen einzigen, aber nimmt die Tatsache mit, dass es offenbar eine ganze Schar verehrungs\u00adw\u00fcrdiger Italiener gibt.<\/p>\n<p>\nIn einer einzigen Buchhandlung finden wir eine Abteilung deutschsprachiger B\u00fccher. Das Deutsche ist nurmehr eine Randnotiz, obwohl man allerorten deutsche Touristen trifft. Ein Dutzend bemerkenswerter Schrift\u00adsteller findet man dort, darunter Christa Wolf und Wladimir Kaminer, der mir nur bekannt ist, weil ich gerade ein Buch von ihm lese. Zwar ist er ein Russe, aber es gibt scheinbar keine deutsche Feder mehr, die noch unser Heimatland zu beschreiben imstande w\u00e4re.<\/p>\n<p>\nAuf dem R\u00fcckflug, den wir mit einer Stunde Versp\u00e4tung antreten, entschuldigt das der K\u00e4ptn mit der uns\u00e4glichen Schlamperei auf dem Flughafen Fiumicino, aber in Tegel ist es nicht besser und wir m\u00fcssen fast eine Stunde auf unsere Koffer warten. Da sind wir also wieder bei schlechtem Kaffee und unter ehrlichen Leuten, die leider ein bisschen faul geworden sind.<\/p>\n<p>\n<em>Im Waltersdorfe 29.9.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Capitale mundi &nbsp; Die sieben H\u00fcgel, auf denen Rom errichtet worden sein soll, lassen sich nur schwer be\u00adstimmen, denn die ganze Stadt ist ein wenig h\u00fcgelig und richtig ausmachen konnten wir nur den Palatino-H\u00fcgel, auf dem Rom vor et\u00adwa 2800&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/1085\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1085","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1085"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4408,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions\/4408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}