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Kolumne KW20 „Frühlingsimpressionen“

Frühlingsimpressionen

 

Einen Pfingstausflug ins Elbsandsteingebirge haben wir gerade beendet. Wir waren schon öfter dort, meistens in Hohnstein, aber diesmal wollten wir es von einer anderen Ecke, nämlich von Lohmen erkunden.

Wenn man nur drei Tage dafür Zeit hat, kann man einerseits auf schönes Wetter hoffen, das hatten wir bis auf einen Vormittag, wo es mal regnete und wir ein Stück mit dem Auto fuhren. Andererseits muss man die Tage nutzen und schon mal 8 bis 12 Stunden (mit Unterbrechungen) wandern.


Lohme liegt ganz am nordwestlichen Ende der Sächsischen Schweiz und so bedurfte es schon Tagestouren, um das bekanntere Ende mit der Bastei bis Bad Schandau zu durchqueren. Für den Rückweg wollten wir uns einmal auf den Nahverkehr verlassen, der ja aus Bussen, einer sog. S-Bahn und der sächsischen Dampfschifffahrt bestehen soll. Was man aber nicht wissen kann, ist, dass zwei dieser Verbindungen ihre Tätigkeit schon zur frühen Kaffeestunde, also so gegen drei einstellen.

Als wir in Prossen dem letzten Dampfer zuwinkten, hielt es ihn nicht davon ab, einfach vorbeizudampfen, dabei hatte er uns nur nach Wehlen bringen sollen, von wo aus wir noch einen Fußweg von einer guten Stunde gehabt hätten. Dafür nahm uns einer nach Bad Schandau mit, wodurch wir uns allerdings von unserem Quartier eher noch weiter entfernten, als dass wir diesem nähergekommen wären.

Wir hofften auf einen Bus, der uns nach Lohmen bringen könnte, es gab sogar Hinweisschilder zu einem Busbahnhof, den wir dann allerdings doch nicht fanden. Am Bahnhof waren dann zwar einige Busstationen, aber die Busse waren nicht mehr zu sehen, denn es war mittlerweile 18 Uhr.

Also blieb nur die S-Bahn, die uns erst mal vor der Nase wegfuhr, weil natürlich das Lösen einer Fahrkarte ein Zusatzstudium erfordert hätte. Schließlich kamen wir so gegen halb acht, immer noch bei strahlendem Sonnenschein in Wehlen an und hatten nur noch die leise Befürchtung, dass auch die Fähre schon die Nachtruhe eingeläutet hätte, dann hätte ein Umweg über Pirna angestanden, aber nicht die vollständig geballte Ladung des Missgeschicks hatte sich zusammengezogen und wir kamen noch herüber und konnten sogar noch die letzte Kugel Eis erstehen.

Dann ging es noch einmal durch den Uttewalder Grund, der die eigentliche Entdeckung unseres Trips darstellt, denn er ist viel schöner als zum Beispiel das Polenztal, durch das an Sonn- und Feiertagen die halbe Welt marschiert. In diesem Grund schieben sich die Felsen so nahe heran, dass an einer Stelle das sog. Felsentor entstand, das man nur in gebückter Haltung durchschreiten kann. Das ist so wild romantisch, dass man sich wundert, dass Richard Wagner seinen Lohengrin nicht dort, sondern im unweiten tobendem Weseritztal geschrieben hat, wo man sein eigenes Wort nicht versteht und er ein Nachleben in einem monumentalen ummoosten Denkmal führt.

Mir fielen in der ländlichen Stille unserer Ferienwohnung die folgenden Zeilen ein:

Frühlingsgescheckte
für uns hingestreckte
nie wieder dürre Natur

Vollendungsharrend
die Sinne narrend
nie wieder Widernatur

Sprachlosmachend
Wortdreher verlachend
nie wieder stumme Natur

Wahrheitenquellend
in Kontexte stellend
nie wieder bloßer Text pur
Nicht dürr, nicht wider, nicht stumm

Christian Rempel,
Im Waltersdorfe 20.5.2013

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