Der Gedichtladen

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Kolumne KW 44 2017 „Bauchschmerzen“

Bauchschmerzen? 

Fast alle kleinen Revolutiönchen der deutschen Geschichte fanden im November statt, und es kann sein, dass dieser Monat besonders aufs Gemüt drückt und manche Dinge sich bis zur Unerträglichkeit steigern. So ein Impuls, nicht für eine Revolution, sondern eher eine einschneidende Reform, erreichte auch mich.

Dabei habe ich selber die Fehler gemacht, die ich dann in meinen 9,5 Thesen zur Brust nehme, auch ich habe das Verhältnis bei Jugend forscht umgekehrt, dass ich als Betreuer nicht Assistent der Jugend war, sondern Ideengeber und Hauptausführender. Ich hatte den Eindruck, und einige werden diesen vielleicht teilen, dass es gar nicht anders geht in den vorgefundenen Bedingungen, dass bei den Projekten immer etwas Niedagewesenes herauskommen musste und manchmal trägt einen die eigene Forscherfreude auch einfach davon.

Wenn ich aber sehe, wie viele talentierte echte Jugendleistungen manchmal untergingen, wie zum Beispiel ein Gasschnüffelroboter, der mit wirklichem Herzblut und hohem Können entstanden war, und wie andere gewürdigt wurden, die entweder gar keine Leistung im naturwissenschaftlichen Sinne darstellen, wie beispielsweise die Untersuchung des Schönheitsideals, dem Jugendliche bei der Partnerwahl folgen, dann muss man einfach grundsätzlich etwas zu ändern versuchen.

Da wäre eigentlich eine kollektive Suche nach neuen Wegen angesagt. Formal gibt es dafür sogar viele Voraussetzungen, denn man hat bald den Eindruck, dass eine Weiterbildungsveranstaltung für Betreuer die andere jagt, aber manchmal muss man sich auch ganz allein bedenken und wagen, seine Meinung als Ganzes kundzutun. So ähnlich muss es ja auch vor 500 Jahren gewesen sein, selbst wenn sich diese 95 Thesen gar nicht so sensationell lesen, obwohl sie schon der Extrakt aus 478 waren. So viel also brannte Luther da auf der Seele.

Bei mir ist es eigentlich vor allem nur eine Sache: Wie kann man sich von den sich epidemisch ausbreitenden Brain Drain Wettbewerben abgrenzen und wirklich etwas für die Jugendlichen tun? Natürlich am ehesten, wenn man es ihnen selbst in die Hand gibt. Jugend forscht den Jugendlichen. Mal sehen, was sie daraus machen und wir Alten assistieren. So sollte die Welt aussehen.

Christian Rempel in Zeuthen, den 4.11.2017

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