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Kolumne KW 27 2017 „Königliche Hoheit“

Königliche Hoheit 

Ich habe das Buch „Königliche Hoheit“ von Thomas Mann noch nicht einmal halb durchgelesen, aber es ist schon klar, dass er darin ein Grundproblem der heutigen Zeit aufgreift, also aktueller ist denn je. Man kann sich vorstellen, wie das Buch aufgenommen worden wäre, wäre es zu DDR Zeiten erschienen, man hätte Thomas Mann als einen ewig Gestrigen eingestuft. Dabei lese ich gerade eine DDR Ausgabe von 1954 in Halbleder und Goldschnitt, eben die Gesamtausgabe seiner Werke in 12 Bänden.

In dieser Gesamtausgabe versteckt – bbringt man einen großen Autor komplett heraus, muss man eben alles dulden – ist Thomas Mann nicht nur ein bürgerlicher Schriftsteller, sondern noch weiter rückwärtsgewandt, ein Monarchist. Dabei hatten doch die Deutschen von dem letzten Exponenten dieser Zunft, Wilhelm II., so die Nase voll, dass man sich nichts sehnlicher herbeiwünschte als eine Republik, die ja dann zwar eine marode, die Weimarer Republik, geworden ist, aber immerhin eine.

In Königliche Hoheit führt uns Th. M. aber einen Monarchen vor, eines kleinen fiktiven Reiches, das nur 8000 Quadratkilometer Fläche hat, der noch dazu von der Natur gehandicaped ist, eigentlich auch nicht der Thronfolger, sondern nur Zweitgeborener, der schon als Kind versucht, selbst mit Lakaien in ein Gespräch zu kommen, was ihm aber nicht gelingt. Er trifft auf einen Hilfslehrer, der eine Art Leitfigur für ihn wird und hinter dem man den Autor vermuten darf, den Doktor Raoul Überbein, zu dem er ein so inniges Verhältnis entwickelt, das er ihm gern sein Herz ausschütten würde, was ihm aber der Lehrer untersagt. Der Lehrer macht ihm deutlich, dass er sich keine „Unmittelbarkeit“ leisten könne, genauso, wie er wahrscheinlich auch auf Mutterliebe verzichten müsse. Er müsse die Facon wahren und sei dazu da, die Menschen zu erheben, was Th. M. auch so gut zu schildern weiß, dass er sich damit nicht nur selber, sondern auch jeden verständigen Menschen überzeugt.

Der Monarch ist ja um einiges anders als der Kapitalist, denn sein ultimatives Ziel ist nicht nur das Geld. Man kann nicht umhin, den guten König zu bewundern, für den man sich abrackert, um zum Beispiel solche bleibenden Kulturgüter wie Schlösser, Gemälde oder andere Kunstwerke zu schaffen, was man heute anonymen Institutionen zuliebe, vielleicht mit einem faden Lob eines der wechselnden Politiker zustande bringt. Das könnte ein Stück Sinngebung sein.

Christian Rempel in Zeuthen, zum 8.7.2017

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