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Kolumne KW 20 2017 „Glockenklänge“

Glockenklänge

 

Man stelle sich eine Glocke vor, die ein Gebäude zum Erdröhnen bringt. Da wallen die Töne förmlich durch die Mauern und den Körper. Kann man so einen Klangeindruck erzeugen?

Man kann eine Schwingung in ihrer Frequenz etwas modulieren, dann erzeugt das auch schon einen Anklang an diesen Effekt. Dieses Verfahren wurde 1973 erstmals von John M. Chowning verwendet und von Yamaha aufgekauft. Diese Firma brachte dann 1983 einen Synthesizer heraus, der sehr erfolgreich war und dem ein glockenähnlicher Klang zugeschrieben wurde.

Das Verfahren der Frequenzmodulation beruht darauf, dass eine feste Trägerfrequenz mit einer anderen hörbaren Frequenz moduliert wird, wodurch zusätzliche Frequenzen entstehen, die sich in immer gleichen Abständen von der Trägerfrequenz befinden. Deren Amplituden können aber ganz unterschiedlich sein und folgen einer komplizierten Funktion. Manche Seitenbänder können stärker sein und andere schwächer, und sie können ihre Größe ändern, wenn ein Parameter nur geringfügig verändert wird, sodass fast ein chaotischer Eindruck entsteht.

Was passiert aber, wenn die Modulationsfrequenz den Frequenzhub übersteigt? Dann kann man nur noch von einer Phasenmodulation sprechen, und meistens hat man nur das Spektrum und kann die Phasenlagen der einzelnen Anteile gar nicht bestimmen. In diesem Fall treten völlig neue Effekte auf und es kann ein ganz anderer Ton erzeugt werden, der sich anhört wie das Dröhnen einer Glocke, die immer dumpfer wird, je höher die Modulationsfrequenz ist, ganz als würde man eine mächtige Glocke durch eine ebenso mächtige Festungsmauer hören.

Da gibt es also noch etwas zu entdecken und es wäre schön, wenn es gelänge, auch Jugendliche für dieses Thema zu begeistern. Wer sich das mal anhören möchte, der schaue demnächst im SFZ vorbei, zu finden im Nawicube der Gesamtschule „Paula“ in Zeuthen und jeden Montagnachmittag geöffnet.

Christian Rempel in Zeuthen, den 20.5.2017

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